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Arthrose

16.02.2018

Zahnräder im Gelenk

Wenn Physiotherapie und Medikamente nicht mehr helfen, ist ein künstliches Hüftgelenk das Mittel der Wahl.
Bild: Bundesverband Medizintechnologie

Mit modernen Prothesen in Knie und Hüfte verhelfen die Kliniken an der Paar den Patienten wieder zu Lebensqualität. Warum eine OP genau überlegt sein will / Serie (10)

Wen am Morgen die Hüfte oder das Knie so schmerzt, dass er kaum aus dem Bett kommt, der muss möglicherweise wegen Arthrose ins Krankenhaus. „Es fühlt sich an wie ein Zahnrad, und erst wenn man einige Schritte gemacht hat, wird es langsam besser“, beschreibt der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie an den Kliniken an der Paar, Tobias Köhler, die typischen Symptome. Man kann zudem oft kaum mehr sitzen, und vor allem auf unebenem Grund tut das Laufen bei jedem Schritt weh.

Wie kann es so weit kommen? „Der menschliche Körper kann viel kompensieren“, sagt Köhler. Vor allem Menschen, die körperlich hart arbeiten, beißen lange die Zähne zusammen, bis ein kleiner Anlass dann dazu führt, dass es einfach nicht mehr geht. Arthrose ist nichts anderes als die Abnutzung von Gelenken. Zwischen den Gelenkknochen befindet sich Knorpelgewebe, gleichsam als Stoßdämpfer. Der Knorpel beziehtseine Nährstoffe nicht aus dem Blut, sondern aus der Gelenkflüssigkeit. Ist die Versorgung gestört, verliert er bei starker Belastung des Gelenks allmählich seine Elastizität und wird zunehmend abgeschilfert. Durch die abgeriebenen Partikel, die in die Gelenkflüssigkeit wandern, kann es zudem zu Entzündungen kommen. Das Problem: Knorpel wächst nicht nach.

Nach den Worten von Köhler stehen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Es gibt Medikamente, die schmerzhafte Reiz- und Entzündungsreaktionen im Gelenk lindern können. Gegen die Schmerzen helfen anfangs auch spezielle Schuheinlagen, die die Belastungspunkte im Bein verschieben, oder Bandagen und Puffersysteme. Die Muskeln, die das betroffene Gelenk stabilisieren, können durch Physiotherapie gezielt gestärkt werden. Dafür muss man nicht ins Krankenhaus, sondern sollte sich an einen niedergelassenen Orthopäden überweisen lassen.

Ist die Arthrose fortgeschritten, kommt nach den Worten des Orthopädie-Chefarzts auch eine Operation in Betracht. Wenn der Knorpel nur an einer kleinen Stelle zerstört ist, dann kann er durch gezüchtetes Gewebe oder Knorpel von einer anderen Körperstelle ersetzt werden. Das wünschen Patienten sich oft. Einem großflächigen Schaden ist so aber nicht beizukommen. Stattdessen kann dann ein künstliches Gelenk eingesetzt werden. So kann der Patient wieder mobil werden, eine wichtige Voraussetzung für seine Lebensqualität. Vor einem solchen Schritt ist allerdings eine eingehende ärztliche Beratung unerlässlich.

Dabei muss bedacht werden, dass ein künstliches Gelenk im Durchschnitt zehn bis 15 Jahre hält. Im ungünstigsten Fall kann es schon nach wenigen Jahren beginnen, sich zu lockern. Dann steht eine erneute Operation an, und mit jedem Eingriff geht ein Stück gesunder Knochen verloren, auch wenn die Medizin laut Köhler auf diesem Gebiet große Fortschritte gemacht hat. Es ist immer weniger Knochen nötig, um die Prothese zu verankern. Mit jeder neuen Wechseloperation müssen jedoch ein größerer Knochenteil ersetzt und ein immer größeres Implantat eingesetzt werden. Die Prothese ist letztlich ein Fremdkörper im Skelett. Ist der Patient noch jung, kann es also sinnvoll sein, mit einem solchen Eingriff noch zu warten.

Kommt der Patient mit Arthrose in die Kliniken an der Paar, dann ist normalerweise schon klar, dass das betroffene Gelenk ersetzt werden soll. „Wir überprüfen jedoch die Indikation“, sagt Köhler. Er hat zuerst einen ambulanten Termin, bei dem er über den Eingriff und dessen Risiken informiert wird, mögliche Nebenerkrankungen und seine Medikation festgestellt werden und über die Art der Betäubung gesprochen wird. Eine Teilnarkose ist möglich, etwa durch eine Rückenmarksspritze, aber Köhler empfiehlt die Vollnarkose: „Wir machen mit unseren Maschinen Krach“, erläutert er. Auf dem OP-Tisch mitzuerleben, wie an seinem Knochen herumgeschliffen wird, auch wenn er es nicht spürt, ist für den Patienten in der Regel nicht schön.

Am OP-Tag wird der Patient nüchtern aufgenommen. Wichtig ist dann, dass die Körperseite, an der die Hüfte oder das Knie operiert wird, markiert wird. Nach kurzer Zeit kommt er in den OP. Der Eingriff dauert zwischen 40 Minuten und eineinhalb Stunden. Er ist heute minimal-invasiv. Das heißt, der Operateur kommt mit sehr kleinen Schnitten aus und schont dabei die Muskulatur und die Gelenkkapsel. Neue Protheseformen lassen sich auf deutlich kleineren Flächen stabil verankern. Danach wird der Operierte in einen Aufwachraum gebracht, wo er genau überwacht wird, und dann auf seine Station.

Da er nun das Laufen mit seinem künstlichen Gelenk lernen muss, bleibt er hier noch etwa acht bis zwölf Tage. „Manche hatten sich bis dahin schon ans Hinken gewöhnt“, sagt Köhler. Entweder direkt an den Krankenhausaufenthalt oder nach wenigen Tagen sollte sich eine Reha anschließen, bei der Muskelaufbau, Gehübungen und Sport noch intensiver betrieben werden können.

Problematisch ist in den Augen von Köhler das zunehmende Auftreten von dementen Arthrosepatienten. Sie lernen das Gehen nach einem Eingriff meist nur schwer wieder.

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