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Porträt

04.01.2018

Zeichnungen ersetzen ihm das Tagebuch

Diese vier Köche verderben keinen Brei (von links): Antje und Roland Prillwitz, Johann Barsy und Gudrun Opladen mit ihrem Kochbuch „Ferien mit Schmaus und Graus – Kastelburg-G’schichten“.

Roland Prillwitz aus Friedberg erzählt vom Zauber, die Welt in Bilder umzusetzen. Aktuell hat er ein ungewöhnliches Kochbuch für Jugendliche illustriert.

Bücher illustriert hat er schon viele. Die Figuren, die er in den Geschichten zum Leben erweckt, sind sein Ein und Alles. Aber diesmal hat Roland Prillwitz aus Friedberg ein ganz besonderes Buch mit seinen Zeichnungen und Bildern geschmückt. Kein „normales“ Buch, sondern ein Werk, das Kinder- und Jugendbuch und Kochlernbuch in einem ist. Autoren sind der Münchner Gastronom, Konditor und Koch Johann Barsy mit der Co-Autorin Gudrun Opladen aus Friedberg, die schon mehrere Kinderbücher veröffentlicht hat. „Ferien mit Graus und Schmaus – Kastelburg-G’schichten“ heißt das Zwei-in-eins-Buch. Auf der einen Seite erzählt es verrückte und lustigste Erlebnisse in einer Geschichte. Auf der anderen Seite des Buches (auf den Kopf gestellt) finden sich seine Barsys Gerichte in einem „Kochlernbuch“.

Es sei eine Herausforderung, Texte in Bildmomente zu bringen, verrät Prillwitz. „Das hat einen ganz eigenen Zauber“, sagt er mit strahlenden Augen. Er liebt seine Figuren, das merkt man. Und seine Frau Antje, die das Buch layoutet hat, verrät: „Abends, wenn wir ins Bett gehen und ich lese, nimmt sich Roland ein Blatt Papier und zeichnet seine Figuren.“ Wo andere Tagebuch schreiben, malt er. „Ich schaue mir die Welt an, im Hinterkopf immer die Frage: Kann ich daraus ein Bild machen?“, sagt Prillwitz. Seine Kunst spricht Bände und kommt doch ohne Worte aus. Mit wenigen Federstrichen bringt er Geschichten aufs Papier, überspitzt Beobachtungen und bringt komplizierte Sachverhalte auf den Punkt.

Er hat schon früh mit „Asterix“ seine Leidenschaft für Illustrationen entdeckt und diese zum Beruf gemacht. „Ich war das dritte von vier Kindern und hatte viel Zeit zum Beobachten“, erzählt der 52-Jährige. „Ich bin sozusagen ein Sammler von Ideen, Momenten, Eindrücken, Bildern, Fotos und Dingen, die ich dann für mich neu kombiniere, um etwas Neues daraus zu bauen.“ Seinen Arbeiten wohnt eine heitere Leichtigkeit inne. Diese Leichtigkeit hat vor Jahren den Gastronom Barsy fasziniert, für den Prillwitz, der mit seiner Frau eine Agentur für Grafik-Design und Illustration betreibt, ein Logo entwickelte. Aus einer Geschäftsbeziehung entwickelte sich eine Freundschaft. Und so kam es, dass Barsy dem Designer von seiner Buchidee erzählte. Prillwitz, der mit Gudrun Opladen schon erfolgreich zusammengearbeitet hatte, empfahl sie als Co-Autorin. Es entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbei.

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Den moralischen Zeigefinger heben wollen sowohl Barsy als auch Opladen nicht. „Das finde ich schrecklich“, sagt sie. Die Beiden wollen höchstens Tipps geben und aus ihrer Erfahrung plaudern. „Ein normales Kochbuch braucht die Welt nicht mehr“, ist Barsy überzeugt. Aber er will, dass die Menschen sich vernünftig ernähren. Man müsse bei den Kindern anfangen - auch wenn diese anfangs Hilfe von den Großen benötigen.

Ein „ein literarisch-kulinarischer Doppel-Whopper der bayerischen Art“. Außenseiter können sich in den Geschichten gut wiederfinden. Die Bücher Opladens haben immer eine kleine Botschaft, die die Leser selbst entdecken sollen. Die hat sie auch bei Barsys Buch hineingemogelt. Wie das in „Ferien mit Graus und Schmaus“ ist, verrät sie nicht. Und Barsy sagt: „Das müssen die Kinder selbst herausfinden.“ Eine witzige, bayerische Abenteuergeschichte hat er sich da ausgedacht, Opladen brachte sie für ihn in Form: Fünf Freunde wollen ihre Ferien in der Kastelburg verbringen. Allerdings: Hausherr Baron Attila von Griebenbach soll ein Grantler sein, die Haushälterin ein Hausdrache, der Chefkoch der Kastelburg, Maximilian Bamberger, etwas seltsam. Die Kinder wollen schon wieder weg, da kommt es anders als gedacht. Bamberger findet einen Weg, es ihnen schmackhaft zu machen.

Wer das Buch dann umdreht, findet die in der Geschichte erwähnten Rezepte, etwa Schweinsbraten und Erdäpfelpüree, Zucchinicremesuppe und Würstlgulasch, mit all ihren Einsatzmöglichkeiten und vielen Tipps und Tricks. Die Illustrationen von Prillwitz lockern das Buch auf. „Meine Lieblingsfiguren sind der Willi und die Tilde“, verrät der Grafikdesigner. Willi, das ist Wilhelm, das Greenhorn, Koch-Lehrling von Meister Bamberger. Und Tilde ist Mathilda, der Hausdrachen.

Nun stellten Johann Barsy, Antje und Roland Prillwitz sowie Gudrun Opaden ihr Gemeinschaftswerk im Forsthaus Kasten bei Gauting vor, das Barsy mit seiner Frau Johanna betreibt. Eine Hörspiel-CD zum Buch ist geplant, vertont von Gudrun Opladen. „Dazu muss ich dann auch noch ein bisschen Bayerisch üben, wenn die Girgl-O-Töne dran sind“, sagt die Mutter zweier Kinder lachend. Georg (Girgl) ist der Unkomplizierte im Buch, der treue und verlässliche Stallbursche auf der Burg, eine ehrliche Haut – und die spricht halt Bayerisch…

Buch „Ferien mit Schmaus und Graus - Kastelburg-G’schichten“ von Barsy/Opladen kostet 23,90 Euro und ist im Gastro Vitalis Verlag erschienen. ISBN 978-3-9817998-0-4.

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