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Sport

13.11.2019

Zum 75. Geburtstag bekommt er den schwarzen Gürtel

Auch der Bruchtest gehört zur Schwarzgurt-Prüfung beim Taekwondo. Robert Unger meisterte diese Disziplin ebenso souverän, wie alle anderen Aufgaben.
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Auch der Bruchtest gehört zur Schwarzgurt-Prüfung beim Taekwondo. Robert Unger meisterte diese Disziplin ebenso souverän, wie alle anderen Aufgaben.
Bild: Georg Hess

Plus Robert Unger legt im Taekwondo-Center in Friedberg erfolgreich diese Prüfung ab. Warum begeistert er sich in diesem Alter für die ungewöhnliche Sportart?

Wer es beim Taekwondo bis zum schwarzen Gürtel gebracht hat, der kann durchaus stolz auf seine Leistung sein – schließlich schafft es nicht jeder, so weit zu kommen. Gelingt es jemandem aber, im stolzen Alter von 75 Jahren die Prüfung zum Schwarzgurt erfolgreich zu meistern, so ist dies schon eine mehr als bemerkenswerte Leistung. Auf die kann nun Robert Unger verweisen, der kurz vor seinem Geburtstag im Friedberger Taekwondo-Center bei Großmeister Georg Hess eben dies geschafft hat.

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„Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich“, meinte Robert Unger, der fast auf den Tag genau 14 Tage vor seinem 75. Geburtstag nach bestandener Prüfung den Schwarzgurt in Friedberg entgegennehmen durfte.

Das war der Lohn für fast acht Jahre intensives Training, in denen Unger dreimal pro Woche entweder in Friedberg oder in Zusamzell auf die Matte ging und seine Fertigkeiten verbesserte.

Dabei kam der ehemalige Chemiefacharbeiter, den es 1972 aus München nach Villenbach in die Nähe von Altenmünster verschlagen hatte, eher zufällig zu diesem Sport. „Ich war schon immer jemand, der ein bisschen Action brauchte. Ich gehe auch auf die Jagd, bin Jagdaufseher und viel in der Natur unterwegs“, erzählt Unger. Und als Rentner hatte er natürlich mehr Zeit für sich und suchte etwas, um fit zu bleiben.

Im Kreis anderer Schwarzgurte und gemeinsam mit dem Nachwuchs sowie den Trainern Georg (links) und Thomas Hess (rechts) zeigt sich Robert Unger mit dem schwarzen Gürtel und der Urkunde.
Bild: Georg Hess

„Da war es dann ein Zeitungsartikel mit Foto über eine Turnerin, die mit 70 Jahren noch ihre Wettkämpfe turnte. Das hat meinen Ehrgeiz ein bisschen angestachelt“, erinnert sich Unger. Und auch auf das Friedberger Taekwondo-Center, das in Zusamzell eine Außenstelle hat, wurde er über Zeitungsberichte aufmerksam. „Ich hab’ dann mal bei Georg Hess angerufen, ob der Anfänger in meinem Alter überhaupt noch nimmt – und der hat ja gesagt“, erzählt Unger.

2012 begann Robert Unger sein Taekwondo-Training in Friedberg

Im Januar 2012 unternahm Robert Unger im Alter von 67 Jahren schließlich seine ersten Gehversuche in der neuen Sportart. „Traditionelles Taekwondo wird kontaktlos geübt und daher besteht eine geringe Verletzungsgefahr. Deshalb kann man auch in fortgeschrittenem Alter noch damit beginnen“, erläutert Großmeister Georg Hess. Und der bescheinigte Robert Unger einen außerordentlich Fleiß und Ehrgeiz.

„Eigentlich wollte ich ja nur mehr Bewegung, um eben fit zu bleiben, und hatte zunächst nie vorgehabt, irgendwelche hohen Graduierungen zu erreichen“, meint Robert Unger. Doch der Ehrgeiz kam ganz automatisch durch das Training in der Gruppe. „Wir waren ein netter Haufen, es waren auch viele junge Sportler und Frauen dabei. Einige sind abgesprungen, aber ich bin dabei geblieben“, erläutert der 75-Jährige.

Viele Friedberger Taekwondo-Kämpfer verfolgten die Prüfung

Und das mit den Gürteln habe sich schließlich im Lauf der Jahre so ergeben. Nach dem weißen Gürtel folgten eben die Gurte in Grün, Blau, und Rot und irgendwann „meinte Georg Hess, dass ich so weit wäre, den schwarzen zu machen. Der hat mich schon dazu angespornt, diesen Schritt zu wagen“, erklärt Robert Unger. Mitte Oktober folgte schließlich die Prüfung, die Robert Unger in allen Disziplinen – Formenlauf, Bruchtest, Freikampf, Abwehrtechniken von Faust und Klammerangriffen sowie Messerabwehr – hervorragend meisterte.

Dabei wohnten viele aktive und passive Mitglieder des Friedberger Taekwondo-Centers der Prüfung bei und freuten sich am Ende mit dem sportlichen Senior. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, auch wenn ich am Anfang nie gedacht habe, es einmal so weit zu bringen. Und ich bleibe natürlich dabei. Ich gehe weiter ins Training, denn ich fühle mich einfach wohl, wenn ich so richtig ausgepowert bin“, so Robert Unger.

In seinem Heimatort Villenbach, in dem Robert Unger gemeinsam mit seiner Frau Sonja auch im Theaterchor aktiv ist, hat sich seine Leistung natürlich auch wie ein Lauffeuer verbreitet. „Alle haben mich darauf angesprochen und mir gratuliert, das war mir fast peinlich“, meint der 75-Jährige, der einst auch als Pistolenschütze in seiner Altersklasse schwäbischer Meister war.

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