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Prozess

10.07.2020

Zwei Mietnomadinnen treiben in Mering, Kissing und Augsburg ihr Unwesen

Vermüllt und verdreckt ließen zwei Mietnomadinnen mehrere Wohnungen in Mering, Kissing und Augsburg zurück.
Bild: Andreas Schopf (Symbolbild)

Plus Ein Alptraum für Vermieter: Mutter und Tochter verursachen zehntausende Euro Schaden in Wohnungen in Mering, Kissing und Augsburg. Das Gerichtsurteil steht.

„So was gibt es nur im Fernsehen.“ Gleich zwei der drei Geschädigten bemühten dieses Bild, um den verheerenden Eindruck von ihren Wohnungen wiederzugeben. In den Monaten zuvor hatten sich darin eine 53-jährige Frau und ihre 25-jährige Tochter, beide angeklagt wegen Betrugs, mit Hund und Katz eingemietet.

Jetzt wurden die beiden zu je einem Jahr und drei Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, zudem müssen sie Wertersatz in Höhe des ausstehenden Mietschadens von 10.600 Euro leisten.

Weil es vor mehr als zwei Jahren finanziell eng wurde, hatten die Frauen, beide ledig, beschlossen, sich gemeinsam eine Wohnung zu nehmen. Offensichtlich, weil sie ohnehin nicht vorhatten, dauerhaft dafür Miete zu bezahlen, griffen sie gleich dreimal bei besseren Objekten zu: über 100 Quadratmeter Wohnfläche, über 1100 Euro Miete, frisch renoviert, Erstbezug.

Erster Geschädigter war der Eigentümer einer Wohnung in Augsburg, der für den Zeitraum zwischen April und August 2018 nach eigenen Angaben nie einen Cent Miete gesehen hat. Allerdings habe er die Wohnung nach dem Auszug der Frauen in einem „katastrophalen Zustand“ vorgefunden.

Geschädigte aus Aichach-Friedberg beklagen Schäden

Alles sei verdreckt und verkotet gewesen, die Wände zerkratzt, Fensterdichtungen herausgerissen usw. Verursacht offensichtlich von den Haustieren der Frauen, die nach Berichten von Nachbarn oft stundenlang allein in der Wohnung gelassen wurden. Nachdem er viel in Eigenleistung gemacht habe, betrage der Sachschaden nur 2000 Euro – bei über 4600 Euro Mietrückständen.

Auch die folgende Wohnung, diesmal in Mering, kostete über 1100 Euro Monatsmiete. Aber auch diese Vermieterin sah laut Aussage im Zeugenstand nie einen Cent. An Sachschaden in der erheblich verdreckten und beschädigten Wohnung nannte sie „nur“ die Kosten von 700 Euro für neue Türen, die statt der beschädigten Vorgänger erforderlich gewesen seien.

Das Reparieren der Wohnung kostet den Vermieter über 30.000 Euro

Dritter Geschädigter ist der Eigentümer einer Wohnung in Kissing. Er bekam anfänglich sogar von den Frauen Miete, dann aber hörten die Zahlungen auf, bis heute fehle ihm ein Betrag von 3900 Euro. Viel schlimmer: Über 30.000 Euro habe ein Team gekostet, das er beauftragt hatte, die Schäden zu beseitigen.

Ohne Umschweife baten die Verteidiger Martina Sulzberger und Moritz Bode für die 25-jährige Sachbearbeiterin sowie Werner Ruisinger für die 53-jährige Friseurin um ein Rechtsgespräch („Deal“). Als Ergebnis wurde den Angeklagten für ein umfassendes Geständnis eine bewährungsfähige Haftstrafe zwischen zwölf und 18 Monaten zugesichert.

Über ihre Verteidiger legten die beiden Frauen entsprechende Geständnisse ab. Sie konnten aber weder erklären, warum sie derart große und teure Wohnungen gemietet hatten, noch warum sie diese derart vermüllt zurückließen.

Lügengebäude zweier Mietnomadinnen: Staatsanwalt fordert Haft

Staatsanwalt Daniel Kulawig diagnostizierte ein Lügengebäude der Frauen. Sie hätten offensichtlich nie vorgehabt, die Miete zu bezahlen. Er forderte jeweils Haftstrafen von einem Jahr und sechs Monaten wegen Betrugs, dazu den gesetzlich vorgeschriebenen Wertersatz.

Laut Anwalt Ruisinger sei der Auslöser das Vorhaben der Frauen gewesen zusammenzuziehen. Dieses Projekt sei gescheitert, seine Mandantin, die 53-Jährige, bewohne inzwischen eine Zweizimmerwohnung. Eine Haft von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung, erachtete er als angemessen.

Anwalt Bode stellte klar, dass die Vorkommnisse „eine Sauerei“ gewesen seien, dass man nichts entschuldigen wolle. Auch seine Mandantin bemühe sich um Besserung, bediene seit einiger Zeit einen Täter-Opfer-Ausgleich zur Schadenswiedergutmachung. Martina Sulzberger stellte fest, dass das Zusammenwohnen mit der Mutter für ihre Mandantin keine gelungene Kombination gewesen sei. Jetzt lebe die 25-Jährige, die zehn Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte, mit ihrem Verlobten zusammen und sei gemeinsam mit ihm bemüht, alles wiedergutzumachen. Beide forderten Haft von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung.

Umtriebig in Kissing, Mering und Augsburg

Dass es sich bei den Angeklagten um klassische Mietnomadinnen gehandelt habe, konstatierte Richterin Ulrike Ebel-Scheufele in ihrer Urteilsbegründung. Der Zustand, in dem die Frauen die Wohnungen nach nur wenigen Monaten zurückgelassen hätten, spotte jeder Beschreibung. Sie verurteilte die beiden Frauen zu Haftstrafen von jeweils einem Jahr und drei Monaten, die sie zur Bewährung aussetzte.

Für die drei Jahre unterstellte sie die Angeklagten der Aufsicht eines Bewährungshelfers. Beide müssen zudem 60 Stunden Hilfsdienste leisten. Und: Sie müssen den gesetzlich angeordneten Wertersatz von 10.600 Euro leisten, er der Höhe des ausstehenden Mietzinses entspricht.

Weil dem Urteil eine Verfahrensabsprache zugrunde liegt, kann es frühestens eine Woche nach dem Urteilsspruch rechtskräftig werden.

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