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Darum droht Busunternehmen im Landkreis Aichach-Friedberg ein Fahrermangel

Aichach-Friedberg

Darum droht vielen Busunternehmen ein Fahrermangel

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    Gerhard Bestele, Inhaber des Busunternehmens Demmelmair aus Friedberg, setzt sich in Notfällen selbst hinters Steuer.
    Gerhard Bestele, Inhaber des Busunternehmens Demmelmair aus Friedberg, setzt sich in Notfällen selbst hinters Steuer. Foto: Jonathan Lyne

    Während in den Osterferien viele Menschen entspannt in den Urlaub fahren, bedeutet diese Zeit für Gerhard Bestele Stress. Der 65-Jährige ist Inhaber des Busunternehmens Demmelmair aus Friedberg. In den Ferien bekommt auch er die Entwicklung zu spüren, die andere Busunternehmen das ganze Jahr über plagt: Es fehlen Fahrer. Woran liegt das? Und wie versuchen Unternehmen im Landkreis Aichach-Friedberg, diesem Problem entgegenzuwirken?

    Außerhalb der Urlaubszeit ist die Personalsituation bei Demmelmair ausreichend. „Wir können alle Linien bedienen, es fällt nichts aus“, sagt Bestele. Schwierig wird es in den Ferien. Ein großer Teil seiner Fahrer stammt aus Osteuropa, aus Rumänien, Slowenien oder Kroatien. Viele wollen über die Ferien in die Heimat. „Wenn die Urlaubszeit auf Krankheit trifft, wird es sehr eng“, sagt Bestele. „Zu Ostern wird es wieder ein Händeringen, dass wir alles perfekt bedienen können. Ich habe Angst vor der Urlaubszeit.“ Die Fahrer, die in dieser Zeit noch da sind, müssen dann mehr fahren als sonst. In Notfällen setzt sich auch Bestele hin und wieder selbst hinters Steuer.

    ÖPNV: Der Busfahrermangel hat verschiedene Gründe

    Aktuell sind etwa 150 Fahrer für sein Unternehmen unterwegs, das vor allem Linien- und Schulbusse fährt. Bestele sagt: „Ich würde gerne noch 20 einstellen.“ Der Personalmangel - insgesamt hat die Firma 200 Mitarbeitende - hat aus seiner Sicht verschiedene Gründe. Zum einen sei da die Generation der sogenannten Babyboomer, von denen nun viele in Rente gehen. „Das tut weh“, sagt Bestele. Ein anderer Grund sei, dass seit dem Ende der Wehrpflicht deutlich weniger einen Busführerschein bei der Bundeswehr machen. Früher hatte ein Großteil seiner Fahrer seine Ausbildung bei der Bundeswehr bekommen, erzählt der Unternehmer. Einige seiner Fahrer, die eigentlich schon in Rente wären, fahren in Teilzeit oder als Aushilfen weiter, damit keine Busse stehen bleiben müssen.

    Die Situation war schon mal schlechter, erzählt der 65-Jährige. Seitdem nach der Corona-Pandemie der Reiseverkehr wieder zugenommen habe, sei die Lage angespannter. „Man muss wirklich dranbleiben und alles in Bewegung setzen“, betont Bestele. Der Unternehmer versucht auch, Fahrer aus dem Ausland zu akquirieren. Um ihnen die Arbeit schmackhafter zu machen, unterstützt sein Unternehmen diese Fahrer bei der Wohnungssuche. Immerhin: Neue Fachkräfte sind unterwegs. Aktuell beschäftigt Bestele zwei Azubis, drei weitere lassen sich zum Busfahrer umschulen.

    Für Bus Betzmeir aus Hollenbach ist ein Fahrer seit 50 Jahren unterwegs

    Die Sorgen, die gerade viele Busunternehmen in Deutschland umtreibt, kennt auch Andreas Kölbl. Er ist Geschäftsführer von Betzmeir aus Hollenbach. „Ich bin im Vergleich zu einigen Kollegen in der glücklichen Lage, dass ich noch keinen Personalmangel habe“, sagt der 58-Jährige. Sein Betrieb ist deutlich kleiner, acht feste Fahrer sind für das Unternehmen unterwegs, genauso viele Aushilfsfahrer. Noch sei die Lage entspannt, sagt Kölbl, betont aber: „Das wird sich ändern.“ Früher sei es so gewesen, dass das Unternehmen mit dem günstigsten Angebot den Auftrag bekam. „Jetzt warten wir noch zwei, drei Jahre“, sagt Kölbl. „Dann bekommt das Unternehmen den Auftrag, das Fahrer hat.“

    Wenn viele seiner Fahrer unterwegs sind, setzt sich auch Andreas Kölbl, Geschäftsführer von Betzmeir aus Hollenbach, in der Not ans Steuer.
    Wenn viele seiner Fahrer unterwegs sind, setzt sich auch Andreas Kölbl, Geschäftsführer von Betzmeir aus Hollenbach, in der Not ans Steuer. Foto: Julia Petzak

    Der Personalmangel hat aus seiner Sicht einen weiteren Grund. „Die Bereitschaft, dann zu arbeiten, wenn andere Ferien haben, ist nicht mehr da“, sagt Kölbl. Er glaubt: In den nächsten Jahren wird es zunehmend schwer, Fahrer zu finden, die ihren Job aus Leidenschaft machen. Die meisten seiner Fahrer wohnen alle um die Ecke, fahren seit Jahren oder gar Jahrzehnten für das Unternehmen. „Wir haben einen Aushilfsfahrer, der seit 50 Jahren bei uns ist“, erzählt Kölbl. „Er ist mittlerweile in Rente, fährt aber immer noch.“

    Die Wertschätzung hat nachgelassen, sagt Busunternehmer Bestele

    Wenn er und die anderen Fahrer allerdings irgendwann endgültig aufhören und keine nachkommen – dann wird es eng. Fahrer aus dem Ausland einzustellen, wie es sein Kollege in Friedberg macht, möchte Kölbl nicht. Es sei wichtig, mit den Fahrgästen kommuniziren zu können. Im vergangenen Jahr hat bei Betzmeir ein neuer Azubi die dreijährige Ausbildung angefangen. Sobald er 18 ist und seine Prüfung bestanden hat, darf er Linienbus im Nahbereich fahren. „Das ist ein Glücksgriff“, sagt Kölbl. „Er ist früher mit dem Bus jeden Tag in der Schule gefahren und wollte schon immer Busfahrer werden.“

    Solche Fälle seien leider selten geworden, sagt Bestele vom Unternehmen Demmelmair. „Das liegt auch an der fehlenden Wertschätzung durch die Fahrgäste“, glaubt der Unternehmer. Von konkreten Vorfällen habe er nichts gehört. „Aber die Wertschätzung ist im Keller.“ Er befürchtet: „Der Busfahrer mit Leib und Seele stirbt aus.“

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