Unter uralten Kastanienbäumen steht an einem kleinen Feldweg am Rand von Steindorf die Lourdeskapelle. Vor 140 Jahren wurde sie feierlich eingeweiht, als Kapelle genutzt wurde sie wahrscheinlich schon im Mittelalter. Marianne Schuster, die als Mesnerin in Steindorf tätig ist, und ihr Mann Rudolf kümmern sich zusammen mit Schwägerin Agnes Klaßmüller um die kleine Kapelle, die nur etwa 3,80 mal 1,90 Meter groß ist.
„Ihre Anfänge reichen wahrscheinlich bis zu Zeiten der Pest zurück“, heißt es im Fürstenfeldbrucker Heimatbuch. Wahrscheinlich wurden an der damaligen Gemeindegrenze die Pesttoten beerdigt. Möglich wäre auch eine Nutzung als Dankkapelle zur Bewahrung vor der Pest. Denn 1886 schrieb der damalige Steindorfer Pfarrer Georg Hackl an das Königliche Bezirksamt in Fürstenfeldbruck: „Am Wege nach Hofhegnenberg steht eine uralte hölzerne Kapelle mit einer Madonna Altoettingana. Diese Kapelle ist nun sehr schadhaft und soll nach beiliegender Skizze von Holz umgebaut werden.“
Für den Pfarrer erfüllt sich der Wunsch nach einer Kapelle
Schon bei ihrer Einweihung 1886 wurde von der Lourdeskapelle gesprochen. Lourdes, das als einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte gilt, war auch für Pfarrer Hackl ein Zufluchtsort: Mehrfach war er dorthin gepilgert, um für sein Augenleiden Hilfe zu erbitten. Für den Geistlichen erfüllte sich zwar der Wunsch nach einer Lourdeskapelle, er erblindete aber im gleichen Jahr. Komplettiert wurde die Kapelle nach dem Zweiten Weltkrieg durch ein Steinkreuz, das neben der Kapelle steht: Eine Steindorfer Familie, die im Krieg drei Söhne verloren hatte, stellte es dort auf.
Die Kapelle wurde von Anfang an gerne besucht. Bis 1964 waren dort auch die wertvollen Statuen des Heiligen Ulrich und des Papstes Sylvester ungesichert zu sehen, die sich heute in der Kirche St. Stephan befinden. Dafür begrüßt seit den 1950er Jahren die Lourdesmuttergottes in einer Grottenumrandung aus Tuffstein die Besucher. Zum 100-jährigen Bestehen der Lourdeskapelle wurde die Statue 1986 zur Jubiläumsandacht im Freien vor der Südwand der Kapelle aufgestellt und mit einer Lichterprozession geehrt.
Die Steindorfer beschlossen darauf, die Kapelle von Grund auf zu renovieren: Unter der Regie des Maurerpoliers Ludwig Steinbrecher entstand ab 1995 ein neues Fundament, Schreinermeister Klaßmüller kümmerte sich um die Holzarbeiten. Mit viel ehrenamtlichem Engagement und zahlreichen Spenden wurde die Kapelle 1997 mit Pater Matawa feierlich eingeweiht. Seitdem befindet sich in der Kapelle eine besondere Gedenkkerze: Die Angehörigen von Pfarrer Hackl hatten sie zum Anlass der Wiedereinweihung gespendet. Auch die Muttergottesstatue konnte 1999 durch Spenden renoviert werden.
Manche wählen die Kapelle als Motiv für ihr Sterbebild
Marianne Schuster erzählt, dass immer mehr Kerzen, Rosenkränze oder Kreuze für die Kapelle abgelegt werden. Schon die ältesten Votivtafeln von 1886 zeugen davon, wie viele Menschen Hoffnung und Dankbarkeit in dieser kleinen Kapelle zum Ausdruck brachten. Manche wählen die Kapelle sogar als Motiv für ihr Sterbebild oder das eines Angehörigen. Einmal brach ein Unbekannter in die Kapelle ein und stahl das Opfergeld für die Kerzen.
Die Kapelle steht auf Gemeindegrund, der jedoch durch einen Privatgrund der Familie Drexler ergänzt wird, welche die Pflege des Platzes übernommen hat. Pater Augustine, der die Pfarreiengemeinschaft mitbetreut, schätzt die Kapelle als besonderen Kraftort. Auswärtige und Einheimische kommen mit ihren Sorgen und Problemen hierher – und sogar Studenten, um zu lernen. Weil es fast nirgendwo sonst so friedlich und ruhig ist.
Info: Wer die kleine Kapelle besuchen möchte, findet sie an Sonn- und Feiertagen im Sommer von 9 bis 20 Uhr und in der Winterzeit von 9 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.
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