Friedberg: Archäologische Funde bremsen Sanierung eines Baujuwels in der Bauernbräustraße
Friedberg
Archäologische Funde bremsen Sanierung eines Baujuwels in der Bauernbräustraße
Christina Götz will eines der ältesten Häuser Friedbergs modernisieren. Doch jetzt ist sie verzweifelt: Grabungen bringen Zeit- und Finanzplan durcheinander.
Im Hof des Anwesens Bauernbräustraße 7 in Friedberg arbeitet seit mehreren Wochen die Grabungsfirma Heimerl. Unter einem Pflaster wurden Überreste von Haushaltsgerätschaften gefunden. Foto: Ute Krogull
In der Bauernbräustraße verbirgt sich hinter einer hässlichen Fassade eines der ältesten Häuser der Stadt. Christina Götz will es sanieren und ein Anwaltshaus daraus machen. Nun wird das herausfordernde Projekt ausgebremst, bevor es überhaupt angefangen hat. Wochenlange archäologische Untersuchungen bringen den Zeitplan durcheinander, auch die Finanzierung wird schwieriger. Denn die Grabungen muss die Bauherrin selber zahlen.
Teile des Bürgerhauses an der Bauernbräustraße 7 stammen wohl noch aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg. Als Friedberg damals zerstört wurde, brannte das Gebäude offenbar nicht ganz ab, sondern Keller und Mauerteile blieben erhalten und wurden in der 1650er-Jahren für den Wiederaufbau verwendet. Wie außergewöhnlich es ist, entdeckte Christina Götz erst nach dem Kauf 2017: fast 2,80 Meter hohe Decken im Erdgeschoss, ungewöhnlich große Rundbogenfenster, barocke Beschläge an den Türen und mehr. Vor allem aber ein "doppelter Dachstuhl", der durch eine Aufstockung in zwei weit auseinander liegenden Bauphasen entstand, macht es einzigartig. Daher wurde es zum Einzeldenkmal erklärt.
Das Haus in der Friedberger Bauernbräustraße sieht von außen unauffällig und sogar hässlich aus. Niemand wusste, welcher Schatz sich hinter der Fassade verbirgt.Foto: Ute Krogull
Die geplante Sanierung hatte sich, unter anderem wegen der Pandemie, ohnehin verzögert. Im April sollte es endlich losgehen; der Thierhauptener Architekt Johann Hölzl rechnete mit einer Sanierungszeit von etwa eineinhalb Jahren. Doch daraus wird erst einmal nichts. Götz berichtet: "Am 5. April war Start, am 7. April wurden die Arbeiten schon wieder eingestellt." Denn im Hinterhof kam unter einer Deckschicht altes Steinpflaster ans Tageslicht. "Die Archäologen kamen und haben es eine Woche lang abgekratzt. Dann haben sie darunter Scherben gefunden", berichtet Götz. Die Arbeiten laufen immer noch.
Diese Woche hofft der Archäologe Andreas Heimerl mit seinem Team fertig zu werden. Auch die Bauherrin betont die gute Zusammenarbeit mit der Augsburger Grabungsfirma. Trotzdem bedeuten die Funde für sie Probleme: "Das ist eine Katastrophe. Es bringt den gesamten Bauplan durcheinander." Weder ihr noch ihrem Architekten sei klar gewesen, dass es zu derartigen Verzögerungen und Kosten - sie rechnet momentan mit 20.000 Euro - kommen könnte.
Archäologische Untersuchungen in Friedberg: Kosten trägt Bauherrin
Eine böse Überraschung war für sie, dass sie die Ausgrabungen zu 100 Prozent selber zahlen muss. Vor Sanierungsbeginn hatte ein Bauforscher ein Gutachten über das Haus erstellt. Von diesen Kosten erhielt Götz 70 Prozent erstattet - jetzt nichts. Sie verstehe, dass Untersuchungen vorgenommen werden müssen. "Aber jetzt erforsche ich die Geschichte, dabei wollte ich nur ein Haus bauen."
Archäologe Heimerl kennt die Sorgen und Nöte von Bauherren und Bauherrinnen. Viele seien überrascht über die gesetzlichen Vorgaben. Grob gesagt, besagen diese: Oberstes Ziel ist, Denkmale zu erhalten. Ist dies nicht möglich, muss nach dem Verursacherprinzip - ähnlich wie beim Naturschutz - Bauherr bzw. Bauherrin Ausgrabungen und Dokumentation zahlen. Das ist hier der Fall: Da im Hof ein Foyer errichtet werden soll, sind eine Bodenplatte und damit ein Eingriff ins Erdreich nötig.
Im Hof des Anwesens Bauernbräustraße 7 arbeitet seit mehreren Wochen die Grabungsfirma Heimerl. Unter einem alten Pflaster wurden Überreste von Haushaltsgerätschaften gefunden. Foto: Ute Krogull
Auf den meisten Baustellen herrsche Zeitdruck, weiß Heimerl. Im Fall der Bauernbräustraße tut seine Firma, was sie kann, um die Arbeiten zu beschleunigen. So wurde das Pflaster mit einer Drohne fotografiert, statt es wie üblich zu zeichnen, was viel länger gedauert hätte. Die Zahl der Leute zu erhöhen, sei angesichts des Platzes nicht möglich.
Im aufgegrabenen Hinterhof kennzeichnen bunte Markierungen Funde und Schichten. Dunkel zeichnen sich im Erdreich die Fundstellen ab. Ein Mitarbeiter zeichnet die Grabungsschichten auf Millimeterpapier ab, ein anderer schaufelt sich ein paar Meter weiter in die Tiefe. Unter dem Pflaster habe man Bruchstücke von Küchengerätschaften und Geschirr gefunden, berichtet der Archäologe, höchstwahrscheinlich aus der Zeit, in der das Haus errichtet wurde. "80 Prozent unserer Arbeit ist Routine, das sind keine Sensationsfunde. Trotzdem ist es wichtig, sie zu dokumentieren."
Archäologische Funde in Friedberg müssen noch genau datiert werden
Zur genaueren Datierung müssen sie erst untersucht werden. Auch was eine rechteckige Begrenzung aus Holzbalken einst war, kann Heimerl noch nicht sagen. Eine Latrine? Ein Ziegenstall? Alles ist möglich.
Diese Woche werde das Team die Untersuchungen voraussichtlich beenden. Außer den Kosten wird Christina Götz davon nichts haben. Die Scherben dürfte sie zwar theoretische behalten. Doch nur unter der Voraussetzung, dass sie klimatisiert und bewacht aufbewahrt werden. Also werden sie gereinigt und im Archiv des Landesdenkmalamtes eingelagert.