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Friedberg
08.01.2022

Friedberger "Schätze" in der Sonderausstellung des Museums

Die Ausstellung "Augenblicke. Zeit in der Kunst" im Museum Friedberg versammelt Werke von international renommierten Künstlern.
Foto: Ute Krogull

Die neue Ausstellung im Friedberger Schloss versammelt Werke von bekannten Künstlern. Zu sehen sind aber auch spannende Werke aus dem eigenen Museum.

Die Ausstellung "Augenblicke. Zeit in der Kunst" im Museum Friedberg versammelt Werke von international renommierten Künstlern wie Dalí, Beckmann und Cragg. Doch sie wartet auch mit spannenden Werken aus den eigenen Museumsbeständen auf. Zwei Beispiele:

Ausstellung im Museum von Friedberg zeigt Werke aus eigenem Bestand

Bekannt für seine Kunsttöpferei war der Meringer Künstler Johann Lipp (1867 - 1948). Bezaubernd schön modellierte er die Dame mit Muff und hoher Fellmütze als Sinnbild für die kalte Jahreszeit. Passend ist in der Ausstellung diese Fayence betitelt als "Der Winter, um 1920". Überhaupt scheint das Thema "Jahreszeiten" ein beliebtes künstlerisches Betätigungsfeld zu sein.

Die Fayence Der Winter um 1920 des Meringers Johann Lipp.
Foto: Museum Schloss Friedberg

Schwere Kost bildet die Endzeit, über die das letzte Buch des Neuen Testaments, die Apokalypse des Johannes, berichtet. Die damit verbundene künstlerische Auseinandersetzung hat eine lange Tradition. Auch der in Friedberg aufgewachsene Fritz Schwimbeck (1889 bis 1977) schuf zu diesem Thema in den 1920er-Jahren eine Folge von Radierungen, die in der Ausstellung zu sehen ist.

In der Offenbarung 6, 13, heißt es: "Die Sterne des Himmels fielen herab auf die Erde, wie wenn ein Feigenbaum seine Früchte abwirft, wenn ein heftiger Sturm ihn schüttelt." Nur nacherzählen, "illustrieren", das wollte Schwimbeck in seinem Apokalypsenzyklus nicht. Vielmehr muss dieser die Seelenerschütterungen, die See-lentragödie des Sehers neu erleben. Noch dramatischer als bei Johannes stürzen in seiner Apokalypse "Sturz der Sterne" diese auf eine düstere, scheinbar unendlich trost- und seelenlose Kraterlandschaft herab. Die Sterne werden zu glühenden Schädeln und machen die Komposition zu einem schrecklichen Bild der Vernichtung.

Fritz Schwimbecks Radierung "Apokalypse: Sturz der Sterne" aus dem Jahr 1923 ist in der Ausstellung Augenblicke: Zeit in der Kunst im Museum Friedberg zu sehen.
Foto: Museum Schloss Friedberg

Vernichtung, das Grauen des Krieges und der Zerstörung – das hatte Fritz Schwimbeck im Ersten Weltkrieg in Flandern erlebt. Nach seiner schweren Verwundung dort im Jahr 1916 kehrte er krank von der Westfront in seine Heimatstadt Friedberg zurück.

Geboren wurde Fritz Schwimbeck allerdings in München am 30. Januar 1889. Als sein Vater nur wenige Jahre später an das Königlich-bayerische Amtsgericht in Friedberg berufen worden war, wohnte er mit seinem verwitweten Vater Josef Schwimbeck im Friedberger Schloss.

Museumsleiterin Alice Arnold Becker  in der Ausstellung "Augenblicke. Zeit in der Kunst" im Friedberger Museum.
14 Bilder
Neue Ausstellung im Friedberger Schloss-Museum
Foto: Ute Krogull

Fritz Schwimbeck studierte an der TH München. Er wurde bereits vor dem Krieg durch seine Radierungen und Buchillustrationen bekannt. Nach dem Krieg war er Lehrer für Kunsterziehung am Luisen-Gymnasium, dem damals größten Mädchengymnasium in München. Wie eine ehemalige Schülerin Schwimbecks zu erzählen wusste, hatte er den Spitznamen Schwimmerl weg.

Professor Fritz Schwimbeck hat sich als Kunstmaler, Radierer, Plastiker, Kunsthistoriker und nicht zuletzt als Ägyptologe einen Namen gemacht. Dem Angebot der Stadt folgend zog Schwimbeck - seine Frau war bereits 1964 gestorben - im Jahr 1977 ins Kreisaltersheim nach Friedberg. Hier starb er nur wenige Monate später im 88. Lebensjahr. Seinem Wunsch gemäß wurde er auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt. Ein bedeutender Teil seines Nachlasses hat einen würdigen Platz in der Dauerausstellung des neu eröffneten Museums im Schloss Friedberg gefunden.

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