Jetzt öffnen sich die Türe, Fenster und Tore in den Ortsteilen Merchings wieder – fast jeden Abend an einem anderen Haus. Die Heimlichkeiten um die Fenster und Türen beginnen wie bei kleinen Adventskalendern schon weit vorher. Seit 2019 mussten die Merchinger auf ihren ganz besonderen Adventkalender verzichten – dafür ist es dieses Jahr wieder umso schöner, beim Türchenöffnen dabei zu sein. Wir durften auch schon bei den Vorbereitungen ein wenig dabei sein – pure Vorfreude, ein wenig Aufregung und jede Menge Spaß beim Basteln war schon im Vorfeld in die ersten Türchen gepackt.
Leise rieselt der Schnee in Merching
Für einige stand schon seit mehr als einem Jahr fest, dass sie teilnehmen wollen - denn nach der Coronazeit entschied man sich, mit dem Adventskalender doch noch ein Jahr zu warten, weil so viel Nachholbedarf an allem bestand. Miriam Buhr und ihre Chefin Sophia Luichtl hatten damals schon das Konzept für das Fenster fertig und es schon im vorigen Jahr bei der Firmenfeier getestet. Weil es so viel Spaß gemacht hatte, wollten sie in diesem Jahr offiziell beim Adventskalender mitmachen: Eine richtig tolle Schneelandschaft sollte es werden. Mit Bäumen, beleuchteten Häuschen Rehen, Hügeln. Mit dabei war auch der vierjährige Sohn Max von Sophia - am 4. Dezember war der kleine Mann dann allerdings um 18.30 Uhr schon zu müde, als die Gäste bei Punsch und gemütlichem Feuerkorb das Fenster bewundern durften. Er hätte sicher begeistert mitgesungen, als das Lied „Leise rieselt der Schnee“ angestimmt wurde – die Erwachsenen sind in Erinnerung an die Schneemassen der letzten Zeit nicht alle ganz so enthusiastisch dabei.
Dabei sind aber viele wieder am nächsten Abend bei Familie Leypoldt. Clea Leypoldt ist schon seit 2010 aktive Adventsfenstergestalterin, seit sie damals in Merching gebaut hat. Bestimmt sech bis acht Mal ist sie schon dabei gewesen, weil es ihr so viel Spaß macht und sie die Adventsfenster auch sehr gerne besucht. Ein guter Grund bei dem Schmuddelwetter rauszugehen, ein Ziel zu haben und Gleichgesinnte zu treffen. Große Freude bereitet ihr immer, wie unterschiedlich die Türchen sind. Mal ist es ein ganzer Garten mit Lichtern, dann wieder nur ein kleines Fenster oder ein Garagentor.
Auch wie es gestaltet ist, ist völlig unterschiedlich. Da ein großes Hoffest mit Blasmusik, dann wieder etwas ganz Schlichtes, das einen besonderen Reiz hat. "Ich weiß nie, was mich erwartet. Diese Diversität hat einen ganz eigenen Reiz", fügt sie hinzu. Immer wieder auf Menschen zu treffen, die sich gemeinsam über diese besondere Zeit freuen können, ist für sie eine schöne Erfahrung. „Dann muss ich ja auch eines machen, wenn ich so gerne hingehe“, sagt sie und lacht. Zuerst sucht sie immer eine Geschichte aus. Dieses Jahr hat sie ihre Adventskalendergeschichte im Büchergeschäft gefunden, verrät sie. Diesmal geht es um einen rasanten Briefwechsel mit dem Weihnachtsmann. Ein Motiv ist dann immer schnell gefunden.
Gemeinde stellt Punschtassen und Kocher zur Verfügung
Tatkräftige Unterstützung bekommt sie von ihrer Tochter Marah, die es ebenso gerne mag, sich bei den Adventsfenstern mit einer Freundin bei Punsch und Plätzchen zu treffen. Natürlich sind Punsch, Tee oder Glühwein kein Muss, ergänzt Clea – aber es sei schon sehr schön, wenn man bei kühlen Temperaturen ein dampfendes Heißgetränk in den Händen halten kann. "Die Tassen und der Kocher werden von der Gemeinde gestellt. Man muss nicht viel vorbereiten", meint sie. Marah und sie begannen bereits Mitte November an einem Abend an dem Fensterbild zu basteln, das heute wunderschön in die Nacht leuchtet und einen verschneiten Birkenwald zeigt. Den Weg dorthin weisen am Tag des Adventsfensters hell beleuchtete Papierlaternchen, ein gemütliches Feuer knistert im Feuerkorb, um das sich schon einige versammelt haben. Die musikalische Gastgeberin stimmt fröhlich das Nikolauslied an, das alle beschwingt mit sämtlichen Strophen mitsingen.
Dabei ist auch heute wieder Elke Gaag. Sie findet diese Tradition einfach wunderschön und hat auch schon einer Freundin bei einem Fenster mitgeholfen. Ein Ehepaar ist ebenso, so oft es geht, bei den Adventsfenstern. Der abendliche Gang ist für sie ein Relikt aus der Kindergartenzeit der inzwischen erwachsenen Söhne, das sie nicht missen wollen. Für den siebenjährigen Moritz ist es heuer eine Premiere. Er hat am 1. Dezember sein erstes Adventsfenster erlebt – obwohl er an diesem Tag wegen des Schnees einen Teil versäumt hat, wollte er bei der nächsten passenden Gelegenheit wieder dabei sein. Genüsslich knabbert er an seinem Spekulatius, bewundert das Feuer und genießt alles sichtlich. Seine Mama findet diese Tradition ebenso schön und verspricht, dass er bald wieder bei einem Türchen dabei sein darf – man weiß schließlich nie, was sich Tolles hinter dem nächsten Fenster verbirgt.
Wer will noch ein Adventsfenster übernehmen?
Wer sich noch entschließt, in diesem Jahr ein Fenster übernehmen zu wollen, kann sich kurzentschlossen den 15., 20. und 21. Dezember bei Wibke Sachs 08233 743416 reservieren. Alle, die ein Adventsfenster besuchen wollen, sind gerne jeden Abend ab 18.30 Uhr eingeladen. Wo sich ein Fenster öffnet, ist unter www.gemeinde-merching.de einsehbar.