Im Sitzungsprotokoll des Stadtrates Friedberg vom Januar 1936 ist der Beschluss festgehalten, dass zum Anlass des 50-jährigen Gründungsjubiläums des Historischen Vereins Friedberg „für den Schöpfer des Museums eine Gedenktafel angebracht werden soll“. Dafür wurde ein „außerordentlicher Zuschuss von 100 Reichsmark“ bewilligt.
Ohne Hans Trinkl gäbe es das Museum im Wittelsbacher Schloss in seiner jetzigen Form nicht
Mit dem „Schöpfer des Museums“ meinte man den Friedberger Glasermeister Hans Trinkl. Auch wenn das Museum zusammen mit dem „Historischen Verein“, dem Vorläufer des heutigen Heimatvereins, im Jahr 1886 von mehreren Personen gegründet wurde, war Trinkl die entscheidende Figur: Als leidenschaftlicher Sammler von „Alterthümern“ aller Art – Grabungsfunden, Gemälden, Keramik oder Urkunden – stellte er den Grundstock der im Museum gezeigten Exponate. Er wurde zum Kustos des Museums ernannt, zuständig für die Organisation, Inventarisation und Pflege der Sammlung. Die Stelle des Kustos – mit gelegentlich angepasster Stellenbeschreibung – hat sich über die mittlerweile 140-jährige Geschichte des Museums bis heute erhalten.
Vor 90 Jahren wollte der Stadtrat das große Engagement des bereits 1923 verstorbenen Hans Trinkl würdigen. Im Museumsdepot, mit der ehrwürdigen Inventarnummer 1, befindet sich das Ergebnis: Ein 70x52 cm großes Ölbild, auf dem das Porträt Trinkls in einen gemalten ovalen Rahmen aus Stein gesetzt ist, darunter Sims und Sockel. Dazu entdecken wir das Friedberger und das Bayerische Wappen, die Lebensdaten und eine Würdigung Trinkls, die Zahlen „1886“ und „1936“ zur Erinnerung an das damalige Gründungsjubiläum des Museums, das Zunftzeichen der Glaser und den Stiftungsvermerk durch die Stadt Friedberg. Die Signatur „Flessa-Eschen pinx.“ am rechten Bildrand weist auf den heute unbekannten Maler des Porträts hin.
Warum wurde es ein Ölbild und keine Gedenktafel, wie vom Stadtrat beschlossen?
Warum die geplante „Gedenktafel“ nicht umgesetzt, sondern stattdessen in Öl gemalt wurde, lässt sich auch mit Hilfe des Stadtarchivs nicht mehr nachvollziehen. Möglicherweise war der „Zuschuss von 100 Reichsmark“ für eine Skulptur nicht ausreichend und man beauftragte stattdessen einen unbekannten Künstler, um das Budget nicht zu sprengen. Oder hatte sich der Stadtrat von vornherein verkalkuliert? Konnte man sich über den Standort der Gedenktafel nicht einigen?
Das Ölbild war jedenfalls bis zum Umbau von Rittersaal und Remise 2005 am alten Museumseingang im Schloss aufgehängt. Ein in gewisser Hinsicht „steinernes“ Denkmal für den „Schöpfer des Museums“, 410 m lang und insgesamt 7022 m² groß, gibt es andernorts in Friedberg: die Kustos-Trinkl-Straße, die 1949 errichtet wurde. Auf Papier soll Hans Trinkl hiermit gedacht werden, in der Woche, in der sich die Gründung des Museums zum 140. Mal jährt.
Der Geburtstag wird am kommenden Sonntag, 10. Mai, mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Dazu gibt es ganztägig freien Eintritt, der Schlossturm wir geöffnet, ein offenes Atelier für Kinder angeboten, musikalische Untermalung, Führungen durchs Museumsdepot und Einblicke in die Historie des Museums. Die Öffnungszeiten von Museum und Café sind von 10 bis 17 Uhr.
„Museumsschätze“ – das ist rund um die Serie geplant
In losen Abständen stellt Jörg Adam besondere Exponate aus der Dauerausstellung oder dem Depot vor. Was ist ihre Geschichte? Warum ist das Ausstellungsstück für Friedberg besonders? Diese und weitere Fragen sollen interessierte Leserinnen und Leser erfahren.
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