Praxisstudium TBA: Diese Möglichkeiten gibt es für Kfz-Mechatroniker
Dasing
Zwischen Werkstatt und Lernbrief: Aichacher nutzt außergewöhnlichen Ausbildungsweg
Daniel Gruber aus Aichach will nach dem Abitur nicht studieren. Stattdessen wird er Kfz-Mechatroniker in einem Dasinger Betrieb. Eine neue Fortbildung eröffnet ihm jetzt mehr Möglichkeiten.
Daniel Gruber (23) aus Aichach hat sich nach seinem Abitur für eine Ausbildung entschieden. Jetzt macht er ein Praxisstudium bei der Kfz-Innung.Foto: Julia Schneider
„An Studieren habe ich nie gedacht“, sagt Daniel Gruber. Und dann hat er es doch gemacht, aber nicht auf dem klassischen Weg. Denn der 23-jährige Kfz-Mechatroniker hat sich für ein sogenanntes TBA-Studium entschieden, das die Arbeit in einer Autowerkstatt mit einer theoretischen Fortbildung verbindet. Wenn er im Juni seinen Abschluss macht, ist er gut gewappnet, um Verantwortung oder später einmal die Führung in einem Betrieb zu übernehmen. Doch in den Kfz-Unternehmen ist diese Qualifikationsmöglichkeit bisher kaum angekommen.
TBA – die Abkürzung steht für den etwas sperrigen Begriff „Technischer Betriebswirt Automobil“. In der Praxis bedeutet er, dass die Studierenden drei Abschlüsse erwerben: Als Meister Kfz-Technik, als Kfz-Betriebswirt und als Automobil-Ökonom. Die Absolventen besitzen also sowohl technisches als auch kaufmännisches Wissen. „Der Studiengang soll den Stellenwert des Handwerks nach oben heben“, erklärt Michael Lechner, der Inhaber des gleichnamigen Autohauses in Dasing und zugleich Vorstandsmitglied der Kfz-Innung Schwaben ist.Das Studium dauert sechs Semester und wird von der Innung gemeinsam mit der Bundesfachschule in Northeim in Niedersachsen koordiniert, was bedeutet: Einen Großteil der Arbeitsaufgaben müssen die Studierenden eigenverantwortlich zuhause erledigen, nur wenige Seminare im Jahr finden vor Ort statt.
Daniel Gruber aus Aichach entschied sich nach dem Studium für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker
Für Daniel Gruber ist das aber kein Problem. Der Aichacher hat durchaus einen außergewöhnlichen Ausbildungsweg hinter sich: Früher eingeschult, übersprang er in der Grundschule eine Klasse, später kam er aufs Gymnasium und machte mit 16 sein Abitur. Ein klarer Fall für die Universität, schließt man vielleicht. Doch sich stundenlang in Hörsäle zu setzen oder in der Bibliothek zu büffeln, kam für Gruber nicht infrage. „Zu viel Theorie ist nichts für mich“, sagt der 23-Jährige. „Ich will am Ende des Tages ein handfestes Ergebnis vor mir haben.“ Also unterschrieb er in der elften Klasse den Vertrag für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei Auto Lechner in Dasing, die er auf drei Jahre verkürzte und als Bester Schwabens abschloss. Nach der Gesellenprüfung schloss er den TBA an.
Zur Arbeit in der Werkstatt gehört auch, die Fehlerberichte der Autos auszulesen.Foto: Julia Schneider
Neben dem Studium arbeitet der Kfz-Techniker weiter im Betrieb. In der Werkstatt an Autos schrauben, Fehlerberichte der Fahrzeuge digital auslesen, die vielfältigen Problemfälle – all das gefällt Gruber. „Mein Vater hat immer gesagt, man soll das machen, was einem Spaß macht“, erzählt er. Übrigens: Grubers Vater hat Ende der 80er Jahre sein erstes Auto bei Auto Lechner gekauft. „Das Schöne an Autos ist, dass sie sich immer weiterentwickeln“, schwärmt Gruber. Schon als Kind hat er gern an Auto- und Flugzeugmodellen gebastelt. „Ich hab halt Benzin im Blut“, sagt er und lacht. Einen halben Tag, meist am Freitagnachmittag, setzt sich Gruber dann an die Lernbriefe, die er im Studium erledigen muss. Phasenweise sei das schon viel, sagt Gruber, aber: „Kopf in den Sand stecken geht nicht.“
Bisher haben nur wenige Kfz-Betriebe das TBA-Studium genutzt
Man müsse mehr junge Leute für das Handwerk begeistern, findet sein Chef Michael Lechner. Auch durch den TBA, der aussichtsreiche Mitarbeiter auf eine Nachfolge vorbereitet. Die Resonanz bei den Firmen ist aber ausbaufähig: Begonnen hat das Praxis-Studium mit zwei Studenten im Jahr 2020, von denen einer die Fortbildung abgebrochen hat. Insgesamt gibt es in Schwaben bis jetzt neun Studenten beziehungsweise Absolventen. Ob es dieses Jahr einen neuen Studenten gibt, ist noch nicht klar.
„Es ist schade, dass die Option noch nicht bei den Unternehmen angekommen ist“, sagt Lechner. Kleinere Unternehmen hätten oft keine Kapazitäten, um sich Gedanken über andere Ausbildungswege zu machen. Für die Betriebe ist erst einmal eine Investition: Sie übernehmen die Kosten für die Weiterbildung und die Gehaltsfortzahlung. „Da man in Mitarbeiter investiert, die man halten möchte, lohnt sich aber die Summe“, sagt Melanie Grell von der Kfz-Innung Schwaben. Wie viel die Ausbildung den Betrieb kostet, will die Innung nicht öffentlich bekannt geben.
Daniel Gruber aus Aichach hat seine Kfz-Ausbildung bei Michael Lechner in Dasing gemacht.Foto: Julia Schneider
In Schwaben gibt es dieses Jahr rund 600 Kfz-Azubis
Zwar haben in Bayern aktuell 4680 junge Männer und Frauen einen Ausbildungsvertrag zum Kfz-Mechatroniker, in Schwaben sind es jährlich etwa 600. Bei der Betriebsübergabe einen geeigneten Nachfolger zu finden, ist laut aber Lechner schwierig: „Ich suche seit 20 Jahren eine Nachfolge.“ Bei Daniel Gruber sei alles möglich. „Er wäre so eine Person, bei der ich mir keine Gedanken machen müsste“, verrät Lechner. Deswegen hat er seinem Mitarbeiter auch die Weiterbildung empfohlen. So weit in die Zukunft denkt Gruber noch nicht. Er konzentriert sich auf das, was vor ihm liegt: eine Projektarbeit, mit der er das Studium im Juni abschließt. „Ich lebe im Hier und Jetzt und schaue, was sich ergibt“, sagt Gruber.
Daniel Gruber gefällt seine Arbeit in der Kfz-Werkstatt in Dasing.Foto: Julia Schneider
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