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Fifa-Skandal

28.05.2015

„Das erschüttert den Fußball“

Der Hauptsitz der Fifa in Zürich. Hier soll Sepp Blatter wieder zum Präsidenten gewählt werden – trotz des Skandals im Vorfeld.
Bild: Witters

Die Verhaftungen vor dem Kongress in Zürich und die möglichen Auswirkungen sind auch bei Funktionären in der Region Tagesgespräch

Es ist das sportliche Thema dieser Tage – der Skandal um den Fußball-Weltverband Fifa, der unmittelbar vor dem Weltkongress in Zürich mit der Verhaftung etlicher hochrangiger Funktionäre ausgelöst wurde. Immer neue Informationen kommen ans Tageslicht, es stellen sich Fragen über Fragen: Wird die Fifa ihr Gebaren ändern? Welche Auswirkungen haben die Ereignisse auf die kommenden Turniere und den Sport insgesamt? Darf Sepp Blatter weitermachen? Wir haben Funktionäre und Trainer aus der Region befragt.

Marcus Mendel, Abteilungsleiter des TSV Friedberg und Beisitzer im Kreissportgericht Donau, war sowohl von der Aktion, als auch vom Zeitpunkt der Verhaftungen überrascht. „Das hatte ich nicht erwartet, schon gar nicht unmittelbar vor dem Kongress. Doch wenn wirklich dunkle Machenschaften aufgedeckt werden, ist es gar nicht verkehrt“, so Mendel. Über Korruption und unlautere Machenschaften sei ja schon lange gemunkelt worden. „Das erschüttert den Fußball, der Imageschaden ist groß“, so Mendel. Der Friedberger Abteilungsleiter glaubt aber auch, dass die Affäre an Fifa-Präsident Blatter abperlen und dass nicht alles aufdeckt wird – der Einfluss des Weltverbandes sei nicht zu unterschätzen. Der reiche weit in andere Bereiche hinein, ist sich der TSV-Funktionär sicher. „Sepp Blatter lässt sich auf dem Kongress sicher wieder wählen, davon bin ich überzeugt. Die Verhafteten werden die Bauernopfer sein und ich glaube nicht, dass die was gegen ihn aussagen“, meinte Mendel. Hat die Affäre Auswirkungen auf bereits vergebene Turniere? „Ich glaube auf Russland eher nicht, vielleicht noch auf Katar – die Vergabe dorthin war ja ein Humbug“, so Mendel, der aber davon überzeugt ist, dass die Affäre zumindest auf den Amateur-Fußball keine Auswirkungen haben wird – sieht man vom Imageverlust ab.

Anders sieht das Sören Dreßler, Ex-Profi und Trainer beim Kissinger SC: „Fußball wird auf dem Rasen gespielt. Die Zuschauer kommen ins Stadion, weil sie den Sport und ihre Mannschaften lieben und nicht wegen Blatter oder anderen Funktionären.“ Er glaube deshalb auch nicht an einen großen Imageschaden: „Ich kann nicht alles beurteilen, aber auf den Amateur-Fußball werden die Geschehnisse wohl keine Auswirkungen haben“, sagt Dreßler. Erwartet hatte er den Skandal nicht, andere Dinge stehen für ihn aber fest: „Die Spekulationen kochen hoch und eigentlich müsste die Fifa die Wahl erst einmal absagen. Aber egal, wie es kommt, Sepp Blatter wird wohl trotzdem wiedergewählt werden. Er hat einfach zu viel Einfluss.“ Auch die kommenden Weltmeisterschaften sieht er nicht in Gefahr: „Es wurde so vom Kommitee entschieden. Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren, ich denke nicht, dass man da wieder rauskommt.“

Auch Georg Resch, der Präsident des SV Mering, glaubt nicht, dass sich durch diesen Skandal etwas an den Austragungsorten der beiden kommenden Weltmeisterschaften – Russland und Katar – rütteln lässt. „Ich denke, da ist schon so viel im Gange, die können nicht mehr zurück – auch wenn ich gerade die Entscheidung für Katar für mehr als unglücklich gehalten habe“, so Resch. Diese WM im Jahr 2022 werde aber mehr Auswirkungen auf die Amateure haben, als die Verhaftungen von Zürich dieser Tage. „Ich hatte nicht erwartet, dass die Ermittlungsbehörden derart zuschlagen, aber es ist gut zu sehen, dass nicht nur die Kleinen kontrolliert werden“, so der Meringer Funktionär. Es bleibe aber abzuwarten, wie weit es mit dem Versuch, bei der Fifa „aufzuräumen“, geht – und was dabei rauskommt. „Ich hatte nicht erwartet, dass so viele so korrupt sind, auch wenn mir klar ist, dass bei solchen Größenordnungen nicht alles immer koscher abläuft“, meinte Resch. In einem aber ist sich der Meringer Vereinspräsident fast sicher: Auswirkungen auf den Kongress und die erneute Wahl Blatters zum Fifa-Boss werden die Verhaftungen wohl nicht haben. „Blatter wird wieder gewählt und an dem wird wieder alles abprallen – der ist einfach aalglatt. Und er hat Macht und Einfluss auch außerhalb des Fußballs“, erklärt Resch.

In einem aber ist der Meringer mit Friedbergs Abteilungsleiter Marcus Mendel einig: Für den Fußball ist diese Affäre sicher ein großer Imageschaden.

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