27.01.2014

Die nächste Finanzkrise

Kritischer Blick: Volker Weingartner zahlt seinen Spielern ab sofort kein Geld mehr.
Bild: Wall

 Beim BC Aichach stellt Mäzen Weingartner alle Zahlungen ein. Dem Bayernliga-Tabellenführer droht der Verlust der Spieler. Regionalliga-Traum wohl geplatzt

Seit Volker Weingartner, 43, vor rund sieben Jahren beim BC Aichach eingestiegen ist, hat er die Fußballer beständig nach oben gehievt. Das lag in erster Linie am vielen Geld, das der Geschäftsmann über Jahre in sein Hobby gesteckt hat. Verdient hat er dieses als geschäftsführender Gesellschafter von IBS, einem Unternehmen mit Sitz in Thierhaupten, das sich mit mobilem Hochwasserschutz einen Namen gemacht hat.

Die Geschäfte liefen stets gut. Weingartner hat seine Geschäftsfelder erweitert. Vor nicht allzu langer Zeit hat er das ehemalige Manroland-Werk in Plauen gekauft. Finanziell hat dies den Unternehmer an die Grenzen gebracht. Im Unternehmen spricht man von einem Mammutprojekt, das für die IBS sehr anspruchsvoll sei. Patrick Gilg, Sprecher von IBS, erklärt, man habe „kleinere Probleme mit der Liquidität“.

Dies wirkt sich nun unmittelbar auf die Fußballer aus. Weingartner, seit 2009 auch Vorsitzender des BC Aichach, fährt sein finanzielles Engagement massiv zurück. Konkret: Ab sofort erhalten die Spieler kein Geld mehr. „Es werden keine Zahlungen mehr getätigt“, erklärt Gilg. Jahrelang basierte der Erfolg des BCA darauf, namhafte, qualitativ hochwertige Spieler zum BCA zu lotsen. Finanziert hat dies Weingartner größtenteils. Damit ist jetzt Schluss. Schon seit Monaten stehen Zahlungen aus. Auch Prämien aus der vergangenen Saison ist Weingartner seinem Personal schuldig geblieben. Umso bemerkenswerter erscheint es, dass die Mannschaft sich nach außen wenig anmerken ließ.

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Derzeit thronen die Fußballer mit zehn Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Bayernliga. Weingartner hatte immer wieder den Aufstieg in die Regionalliga als Saisonziel ausgegeben. Zweimal war der Verein in den vergangenen Jahren erst in der Aufstiegsrelegation gescheitert. Im Frühjahr wollte sich der Verein erneut um eine Lizenz für die vierthöchste Liga Deutschlands bewerben, geplant war hierfür der Umbau des Josef-Bestler-Stadions in Aichach. Nun ist alles infrage gestellt. Hundertprozentig sei der Verzicht noch nicht, so Gilg, allerdings relativ unwahrscheinlich. Auf dem Spiel steht die Zukunft der Fußballabteilung des BC Aichach.

Auf Nachfrage teilt der IBS-Sprecher Gilg mit, der Spielbetrieb sei nicht in Gefahr. „Dem Verein geht es gut. Er hat keine Schulden.“ Allerdings blickt der BC Aichach in eine ungewisse Zukunft. Vieles hängt in den nächsten Tagen davon ab, wie die Spieler auf die schlechten Nachrichten ihres bisherigen Geldgebers reagieren. Am heutigen Dienstagabend wollen sie sich zusammensetzen, um gemeinsam über die Zukunft ihrer Mannschaft zu sprechen.

Unterschiedliche Szenarien sind möglich: Bleibt ein Großteil der Mannschaft trotz fehlender Entlohnung, könnte der Spielbetrieb in der jetzigen Form weiterlaufen, vielleicht sogar in eine Meisterschaft münden. Andererseits sollen etliche Spieler, gerade jene, die von weither nach Aichach fahren, mit anderen Vereinen in intensiven Gesprächen stehen.

Schließlich drängt die Zeit. Am Freitag müssen dem Bayerischen Fußballverband (BFV) die Wechselunterlagen vorliegen, anschließend kann kein Spieler mehr als Vertragsamateur bei einem anderen Verein unterschreiben. Der BC Aichach will wechselwillige Spieler nicht aufhalten. Verträge würden aufgelöst, Spieler könnten ablösefrei den Klub verlassen, teilt er mit.

Eigentlich sollte der BC Aichach am Donnerstag mit der Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde beginnen, die Anfang März startet. Diese rückt nun in den Hintergrund. Zudem ist unklar, was Trainer Marco Küntzel macht, der gestern nicht zu erreichen war. Sagt er Nein, stünde der Bayernligist auch noch ohne Trainer da.

Der BC Aichach ist nicht der erste Verein in der Region, der bei den Fußballern auf die finanzielle Bremse tritt. Gegen den TSV Aindling wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung seit zwei Jahren ermittelt. Ende Oktober teilte der Bayernligist FC Affing seinen Spielern mit, dass er einen rigorosen Sparkurs einleiten muss, weil er finanziell über seine Verhältnisse gelebt hat. Selbst nach einer Kürzung der Bezüge von bis zu 70 Prozent erklärten fast alle Spieler, bis zum Saisonende in Affing bleiben zu wollen. Grund für die Einschnitte in Affing waren Nachzahlungen von Steuern und Abgaben an die Berufsgenossenschaft. Beim BC Aichach verhält es sich ähnlich. Ursache und Wirkung scheinen fast identisch. Auch hier sorgt die Finanzbehörde dafür, dass der Geldhahn zugedreht wird. Weingartner selbst sagte Ende November, es werde wesentlich intensiver geprüft.

Sprecher Gilg erklärt, dass es beim BC Aichach erneut eine Steuerprüfung gegeben habe. Man habe die „dunkelgelbe Karte“ erhalten. „Es geht um die Aufwandsentschädigungen, die nach der Steuerprüfung nicht mehr abgerechnet werden können“, fügt Gilg hinzu.

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