Sportskanone

04.07.2013

Ein Mann der leisen Töne

Bild: Kleist

 Johannes Luderschmid zählt seit Jahren zu den großen Stützen der Friedberger Handballer, doch nun muss er sich erneut am Knie operieren lassen und fällt lange aus

Luderschmid – mit diesem Namen kommt man in Friedberg eigentlich nicht um den Handball herum. Auch der 27 Jahre alte Johannes Luderschmid zählt zu dieser Friedberger Handball-Dynastie. Sein Opa Karl leitete lange die Abteilung, Vater Günther, Patenonkel Winfried und der andere Onkel Alfred waren beim TSV 1862 als Spieler aktiv, Bruder Michael schließlich zählte lange Zeit zu den besten Handballkeepern in Bayern. Und Johannes? Er ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Torschützen der Friedberger, gefürchtet für seine wuchtigen Würfe aus dem Rückraum und vor allem für seinen Schlagwurf fast aus der Hüfte heraus – eine „Spezialität“, die allen Torhütern zu schaffen macht. Doch großes Aufheben um seine Leistungen macht Luderschmid, der nach Abschluss seines Studiums der Materialwissenschaften seit einem halben Jahr als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Augsburg arbeitet, nicht. Im Gegenteil. Wie viele Tore hat er in seiner Erstmannschafts-Karriere geworfen? „Da habe ich ehrlich keine Ahnung“, meint er und schmunzelt.

Auch was seine Erfolge betrifft, gibt sich der 1,92 Meter große Sportler bescheiden. Bayerischer Meister mit der C- und A-Jugend, doch „da hab ich beim älteren Jahrgang immer nur ein paar Mal mitgespielt“, erklärt er. Der größte Erfolg indes ist noch ganz frisch: Die Meisterschaft mit dem TSV Friedberg in der 3. Liga. „Auf dieses Ziel haben wir Jahre hingearbeitet und uns kontinuierlich gesteigert – jeder ist besser geworden“, so Luderschmid. Und ganz frisch ist dann auch die Enttäuschung, dass der TSV aus wirtschaftlichen Gründen auf den Aufstieg in die Zweite Bundesliga verzichtet hat. „Das war anfangs schon ein Schock, aber es war einfach vernünftiger, so zu handeln. Ich habe mich damit abgefunden und es ist besser, auf etwas zu verzichten, als dem Verein mit einem finanziellen Abenteuer zu schaden“, erläutert der Rückraumspieler.

Die neue Saison wirft schon ihre Schatten voraus, Friedberg geht mit einer veränderten Mannschaft in die neue Spielzeit – ohne Erfolgstrainer Hartmut Mayerhoffer, ohne Jonas Link, ohne Jan-Marco Behr, ohne Florian Antony – und ohne Johannes Luderschmid. Wenn die Kollegen wieder schwitzen und erste Tests absolvieren, ist der 27-Jährige zum Zuschauern verurteilt. „Ich muss mich noch einmal am Knie operieren lassen“, erklärte er. Eine MRT-Untersuchung hat ergeben, dass der Knorpel am linken Knie wieder stark geschädigt ist – ein erneuter operativer Eingriff ist unumgänglich. Seit 2006 ist das linke Knie die Schwachstelle des sympathischen Sportlers – damals zog sich Luderschmid einen Kreuzbandriss zu. „Ich musste eine ganze Saison pausieren“, erzählt er – und nun droht eine ähnlich lange Pause. „Ich wurde an dem Knie ja schon einmal wegen eines Knorpelschadens operiert und nun muss es noch einmal sein“, so Luderschmid. Mitte oder Ende August kommt er in München unters Messer, dann folgt eine lange Reha und wohl erst 2014 wird er das Knie wieder voll belasten können. „Ich hab’s der Mannschaft schon mitgeteilt, dass ich lange ausfalle – die war natürlich nicht begeistert“, erzählt er.

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Ob es für Johannes Luderschmid ein Zurück in den fast profimäßigen Handballbetrieb in der 3. Liga gibt, muss man abwarten. „Ich muss schauen, wie die Reha verläuft, wie sich alles entwickelt. Natürlich möchte ich wieder Sport treiben und wenns geht auch Handball spielen“, erklärt der 27-Jährige.

Seinem Team jedenfalls traut er einen Mittelplatz zu – allen Widrigkeiten zum Trotz. „Die Mannschaft hat das nötige Potenzial, und mit Harald Rosenberger und Manuel Vilchez-Moreno auch ein gutes Trainerteam“, ist Luderschmid überzeugt.

Und was Trainer betrifft, hat er ja Vergleichsmöglichkeiten – schließlich gab es einige, seit er 2003 aus der A-Jugend den Sprung direkt in die erste Mannschaft schaffte. „Mein erster bei den Aktiven war der ehemalige DDR-Nationalspieler Holger Winselmann, dann kam Reinhold Weiher zusammen mit Robert Schubert und später Harald Rosenberger – und schließlich Hartmut Mayerhoffer“, listet Luderschmid auf. Und von welchem hat er am meisten gelernt? „Das kann man nicht sagen, die kann man nicht miteinander vergleichen, ich habe bei jedem einen großen Schritt nach vorne gemacht“, erzählt er.

Ob es unter dem Trainerduo Vilchez-Moreno/Rosenberger ein Comeback geben wird, das steht noch in den Sternen – der Handball-Familie des TSV wird Johannes Luderschmid in jedem Fall treu bleiben.

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