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15.05.2019

Georg Eichlinger klettert in den steilsten Wänden

Georg Eichlinger ist Kletterer aus Leidenschaft, der in den steilsten Wänden die Herausforderung sucht. Dieses Bild zeigt den 79-Jährigen bei einer Tour im Zugspitzmassiv.
Bild: Georg Eichlinger

Auch mit 79 Jahren ist der Kissinger Georg Eichlinger noch ein begeisterter Kletterer, der vor allem in den Alpen die Herausforderung sucht. Dabei muss er mit einem Handicap leben.

Seine 79 Jahre sieht man Georg Eichlinger nicht an: Schlank, drahtig und braun gebrannt ist der Kissinger, der seine Gäste mit einem kräftigen Händedruck und einem gewinnenden Lächeln begrüßt. Und in der Wohnung erklären Bilder in den Gängen schnell, woher die körperliche Fitness kommt. Denn da sieht man beeindruckende Aufnahmen von markanten Berggipfeln wie den Drei Zinnen oder anderen atemberaubenden Felswänden in den Alpen – und meist mitten drin Georg Eichlinger. Der Kissinger ist Kletterer aus Leidenschaft, der seit nunmehr 63 Jahren seine Passion verfolgt und noch keinerlei Gedanken an einen bergsteigerischen Ruhestand verschwendet.

Auch im Winter kann man klettern

Wann immer es geht, ist der 79-Jährige in Sachen Klettern unterwegs, egal zu welcher Jahreszeit. „Es gibt viele schöne Südseiten, an denen man auch im Winter klettern kann – beispielsweise die Martinswand am Zirler Berg bei Innsbruck“, erzählt er. Die meisten kenne diese imposante Steilwand nur vom flüchtigen Blick aus dem Auto heraus. Georg Eichlinger war schon unzählige Male in der Wand und blickte aus luftiger Höhe hinunter auf den Inn und das Band der Autobahn. Allerdings nur, wenn er einen sicheren Stand hat und der Partner gerade nachklettert, oder wenn er oben angekommen ist. „Ansonsten sind einzig die wenigen Quadratmeter vor dir dein Universum auf das du dich konzentrieren musst, da muss man alles andere ausblenden“, erklärt der begeisterte Alpinist. Der hat auch noch einen weiteren Rat parat: „Der wichtigste Muskel beim Klettern ist das Hirn.“

Anfang im Steinbruch

Begonnen hatte die Kletterkarriere des Georg Eichlinger eher im Flachland, genauer in Neuburg. Dort machte der an einem 29. Februar geborene in einem Steinbruch seine ersten alpinistischen Schritte. „Da sind wir als Kinder regelmäßig rumgestiegen“, erinnert er sich. Und die Unternehmungen wurden immer schwieriger. Der gelernte Maschinenschlosser schmiedete sich auch seine ersten Sicherungshaken selber – und er hatte schon früh in seiner Bergsteigerkarriere auch das Glück auf seiner Seite. „Wir hatten die Haken schon in einen Überhang eingeschlagen gehabt, und als wir tags darauf zurückkehrten, war das ganze Teil abgebrochen – das hätte uns erschlagen können“, erinnert sich der Kissinger.

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Das eigentliche Sprungbrett zu seiner Kletterkarriere waren dann die Kletterfelsen bei Konstein im Altmühltal. „Dort ging’s richtig los, damals noch mit Sisalseilen und Eisenhaken“, erinnert sich Eichlinger, der sich alles in Sachen Klettern selbst beibrachte. Richtig Feuer fing der Teenager dann, als er die Bergfilme von Lothar Brandler sah. Der hatte die Nordwand der großen Zinne auf der schwierigsten Route bestiegen – und das machte ihm Eichlinger im Alter von 17 Jahren nach. „Und mit 65 hab ich das gemeinsam mit meinem Freund Herbert Berndl noch mal gemacht“, erzählt der Kissinger.

Probleme an der linken Hand

Georg Eichlinger ist kein „Gipfeljäger“, er sucht die Herausforderung in den schwierigsten Wänden – ob im Ammergebirge, dem Wilden Kaiser, in den Dolomiten, in Arco am Gardasee, den französischen Seealpen oder im Montblanc-Gebiet. Dabei muss er mit einem Handicap leben, seit er als Siebenjähriger mit dem linken Arm in eine Kreissäge kam. „Ich kann an der linken Hand nur drei Finger zum Klettern nutzen und ich bringe den Daumen nicht an den Zeigefinger“, erläutert Eichlinger. Gerade, wenn man mit der linken Hand einen Karabiner einhaken müsse, sei das eine große Herausforderung.

Ganz ohne Unfälle lief seine Karriere nicht ab, so stürzte er mit 66 Jahren in seinem „Wohnzimmer“ am Konstein einmal zwölf Meter ab und brach sich zehn Rippen. „Da war ich selber schuld und zum Glück bremste ein Busch den Sturz“, erzählt er.

Im Schnitt absolviert Georg Eichlinger rund 80 Touren im Jahr, der „Rekord“ steht bei 130. Fit hält sich der rüstige Senior, der nie geraucht hat und keinen Schluck Alkohol trinkt, mit Radfahren, auf dem Hometrainer und im Winter mit dem Klettern in der Halle. Das sei aber mit dem im Freien nicht zu vergleichen, meint er. „In der Halle hast du bald jeden Meter einen Haken, im Freien musst du jeden Griff selber suchen. Und so mancher, der in Halle spektakuläre Sachen drauf hat, könnte mir im Freien nicht das Wasser reichen“, erklärt er mit einem Schmunzeln.

Hobbys: Musik und Modelleisenbahn

In seiner Jugend gab es neben dem Klettern auch noch ein zweites Hobby – die Musik. Auch da war Georg Eichlinger vielseitig, spielte Posaune, Gitarre, Bass und Saxophon unter anderem auch beim Team 70, einer bekannten Band aus der Region. Sohn Christian hat vor allem das musikalische Talent geerbt. „Musikalisch ist er besser als ich, aber mit Bergsteigen hat er nichts am Hut“, so Georg Eichlinger. Auch seine Frau Roswitha hat es nicht mit dem Klettern, sie würde es lieber sehen, es würde ihn nicht mehr so oft in die Steilwände ziehen. „Aber sie weiß, was mir die Kletterei bedeutet“, meint Georg Eichlinger.

Sollte es doch einmal weniger werden mit den Ausflügen ins Gebirge, wird es dem „Bergfex“ sicher auch nicht langweilig. Denn im Keller des Hauses findet sich eine beeindruckende Modelleisenbahn, auf der zwölf Züge gleichzeitig fahren können – selbstverständlich auch selbst zusammengestellt. Und an den Wänden hängen auch dort spektakuläre Bilder von beeindruckenden Alpengipfeln.

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