Turnen

15.03.2019

Kissing gehen die Turner aus

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Sylvia Schraml

Die KSC-Abteilung verliert zusehends Mitglieder. Wo die Probleme liegen

Es war ein trauriger Start ins neue Jahr für die Sparte Turnen und Gymnastik im Kissinger SC. 166 Kündigungen musste die Abteilung trotz stetig wachsender Einwohnerzahlen verdauen – das ist fast ein Fünftel aller Mitglieder. Die Gründe sind laut der Abteilungsleitung vielschichtig.

Das Mädchenturnen am Montagnachmittag wurde bereits 2018 mangels Teilnehmer eingestellt. Nun folgt das Vorschulkinder-Turnen, ebenfalls montags. Auch die erwachsenen Wettkampfturner, die die Zuschauer beim Jubiläumszirkus vergangenen Mai beeindruckten, sind Geschichte. Die Gruppe löste sich nach der Veranstaltung aus Alters- und beruflichen Gründen auf, da sich trotz intensiver Suche kein Nachwuchs fand. Dieselbe Problematik stellt sich bei den Jazz- und HipHop-Tänzerinnen, die mit dem bevorstehenden Berufs- und Studienbeginn die Trainingszeiten am Nachmittag nicht mehr wahrnehmen können.

Die Turner nehmen es mit Galgenhumor, dass sich viele andere Hallennutzer freuen werden, denn freie Zeiten sind hart umkämpft. „Entweder finden wir keinen Trainer für eine Gruppe mit einer festen Zeit, oder keine Teilnehmer für einen Trainer mit einer festen Hallenzeit oder wir haben einen geeigneten Trainer mit einer willigen Gruppe – und bekommen keine vernünftige Hallenzeit“, so die Abteilungsleitung beinah verzweifelt.

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Seit vielen Jahren werde der Trend beobachtet, doch die Abhängigkeit in Ermangelung einer selbstbestimmten Räumlichkeit macht die Turner unflexibel. Dadurch können nicht alle Wünsche und Anforderungen an Qualität und Vielfältigkeit erfüllt werden, mit der Folge, dass viele nach Mering und Friedberg abwandern oder sich sportlich ganz umorientieren.

„Es wird viel ausprobiert und gewechselt. Alternative Angebote sind ja da. Keiner bleibt mehr langfristig und will sich schon gar nicht aktiv einbringen. Es wird eher konsumiert als sich engagiert,“ bedauert das Führungsteam Beate Colditz und Sylvia Schraml. „Doch dafür steht ein Sportverein mit klassischen Strukturen nicht.“

Schraml wird noch deutlicher: „Seit Jahren betteln wir um Verjüngung unseres Führungsteams, um die Nachfolger noch umfassend in den vielschichtigen Aufgabenbereich einarbeiten zu können und damit die Zukunft der Gymnastik in Kissing zu sichern. Aber keiner fühlt sich angesprochen, sich dieser sozialen Verantwortung zu stellen“. Die Mehrfachbelastung aktiver Trainer durch Beruf, Familie und Ehrenamt fordere ihren Tribut. Krankheitsbedingte Ausfälle bei den Übungsleitern würden zunehmen. Der Teufelskreis beginne – die Leute wanderten ab. „Wir haben so ein tolles Team, aber wir werden weniger und immer älter und sehen das Projekt Turnen und Gymnastik für Jung und Alt, das über fünf Jahrzehnte aufgebaut wurde, in Gefahr. Wir wären nicht die erste Sparte, die sich auflöst und ihre 900 Mitglieder vor den Kopf stoßen muss,“ meint Colditz. „So gerne wir dies machen, aber nach 20 bzw. 30 Jahren geht uns einfach die Luft aus“, so die Abteilungsleiterin. Im Oktober bei den Neuwahlen gilt es, die Posten des ersten und zweiten Abteilungsleiters neu zu besetzen.

Viele junge Familien ziehen nach Kissing und schätzen beispielsweise das Kinderturnprogramm. Doch bedarf das Angebot auch der Organisation und dafür werden laut der Abteilungsleitung dringend Funktionäre und Unterstützer gesucht. Für 2020 sei ein fester Termin für einen Turn-Faschings-Ball eingeplant.„Falls sich das Blatt nicht wendet und sich nicht mehr Elternteile oder Teilnehmer verbindlich und nachhaltiger engagieren, wird aus dem Faschingsball ein Turngeräteausverkauf mit dramatischen Konsequenzen, die sich auf den ganzen Verein auswirken und für Kissing einen enormen Verlust bedeuten würden.“ (FA/Foto: Schraml)

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