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Kissing

22.01.2020

Kissinger Schachspieler: Taktiker und Stratege mit 14 Jahren

Ben Deppenkemper ist ein begabter Schachspieler, der schon einige Erfolge vorweisen kann. Beim Erwachensen-Team der Kissinger Spieler ist er eine wichtige Stütze. Was seine Ziele für die sportliche Zukunft angeht, ist er aber entspannt.
Foto: Edigna Menhard

Plus Ben Deppenkemper ist ein Schachtalent, das sich nicht nur in Kissing einen Namen macht. Wie er auch andere für den Sport begeistern will.

Die Dame zeigt sich gefährlich und hinterlässt eine Spur der Zerstörung. Der Turm versetzt den König in Angst und Schrecken. Unberechenbar hüpft der Springer über die anderen Figuren hinweg und der Bauer wird fatalerweise unterschätzt. Das ist die Welt von Ben Deppenkemper.

Der Zehntklässler des Rudolf-Diesel-Gymnasiums in Augsburg ist ein begabter Schachspieler, der schon einige Erfolge vorweisen kann: Im vergangenen Jahr wurde er Augsburger Kreismeister der U14, er erreichte bei den schwäbischen Meisterschaften Platz zwölf und war eine Stütze beim Kissinger Erwachsenen-Team, das in die B-Klasse aufstieg. Kürzlich absolvierte der 14-Jährige zudem eine Ausbildung zum Schachschiedsrichter und darf nun damit schwabenweit bei Wettkämpfen aktiv werden. Um auch seine Schulkameraden für den Sport zu begeistern, organisiert er gerade mit anderen ein Turnier, das am 7. Februar in seinem Gymnasium stattfinden soll.

Er selbst startete schon recht früh mit Schach. Im Alter von vier Jahren spielte er bei seinem Vater und älteren Bruder mit. Sein tiefes Interesse an diesem Sport wurde jedoch erst geweckt, als ihn vor fünf Jahren ein Schulfreund zu einem Schachverein mitnahm. „Mir gefällt alles, was Taktik und Strategie erfordert“, erklärt Ben Deppenkemper seine Faszination. Dabei schätzt er besonders Partien, in denen er viel Zeit hat, also teilweise bis zu vier Stunden dem Gegner gegenübersitzt. „Wenn man keinen blöden Fehler gemacht hat, ist man danach sehr zufrieden – egal wie es ausgeht“, fügt er hinzu. Das sei ganz anders als beim Kicken. Fußball habe er eine Zeit lang gespielt. Wenn er ein Tor geschossen hatte, habe er sich fünf Minuten gefreut - und dann war´s das.

Einen festen Übungsplan hat der Teenager aus Egling nicht

„Nach einer Schachpartie ist der Kopf praktisch leer – man ist dann zu müde, um zu denken, und freut sich einfach, wenn man ein gutes Ergebnis hat. Und falls nicht, lässt sich das deutlich besser reflektieren als bei anderen Sportarten, insbesondere wenn ich die Züge notiert habe“, ergänzt der Jugendliche.

Erfolg im Schach wird schließlich keinem geschenkt, Fleiß ist gefragt. Einen festen Übungsplan hat der Teenager aus Egling an der Paar allerdings nicht. Je nach Lust und Laune sitzt er zwischen fünf und zehn Stunden in der Woche vor dem Schachbrett. Er spielt er in seinem Kissinger Verein, in der Schach AG – das ist ein Wahlfach in seiner Schule – und auf dem Handy online gegen andere. Zudem löst er im Web Schachaufgaben. Zu seinem Training gehört es aber nicht nur, Partien zu spielen, er schaut sich auch Eröffnungs- und Endspielvarianten an und lernt die Züge teilweise sogar auswendig. Denn wenn ein Spieler gute Eröffnungsvarianten kennt, hilft ihm das später ungemein.

Obwohl der Teenager mit viel Fleiß sein Hobby betreibt, ist er recht entspannt, was seine Ziele angeht. Als künftigen Großmeister sieht er sich nicht, dazu würde ihm das Maß an Ehrgeiz fehlen: „Ich mag nicht, allzu viel auswendig lernen“, verrät er. Seine Pläne klingen bescheiden. „Ich will jedes Jahr besser werden.“ Wie stark ein Spieler ist, lässt sich im Schach durch sogenannte Wertungszahlen messen. Diese werden auf nationaler Ebene anhand der Deutschen Wertungszahlen (DWZ) und international über die Elo-Zahl erfasst. Nach einem Wettkampf oder Wertungsturnier erhält jeder Spieler Wertungszahlen, die dann veröffentlicht werden. Ben Deppenkemper steht gerade bei fast 1200 Punkten.

Schule steht für den Kissinger Schachspieler an erster Stelle

So aufregend Schach für Ben Deppenkemper auch ist, Schule steht dennoch für ihn an erster Stelle. Den Unterricht betrachtet er genauso analytisch – und relaxt: „Ich mag es, Probleme ganz rational anzugehen und mir simple Lösung zu überlegen. Das ist auch bei der Schule so. Ich schau mir immer ganz genau an, wann ich anfangen muss, zu lernen. Und da fange ich dann auch da an und keine Minute früher. Deshalb mache ich ganz viele Sachen auf den letzten Drücker. Ich komme bei schulischen Sachen nicht zu spät, aber eben immer sehr knapp.“

Sportskanone: Ben Deppenkemper ist ein Schachtalent, das sich gerade nicht nur in Kissing einen Namen macht.
Foto: Edigna Menhard

Der Lerneifer sei in manchen Fächern begrenzt, verrät er. Vor allem Französisch liege ihm nicht so, dafür könne er sich für die naturwissenschaftlichen Fächer Physik, Chemie und Informatik, aber auch Englisch begeistern. Da hilft es bestimmt auch, dass er in seiner Freizeit Spaß daran hat, sich im Internet Clips über physikalische Phänomene anzusehen. Ebenso liest er gerne Fantasy-Bücher, wie derzeit das zehnbändige Werk „Das Lied von Eis und Feuer“, das er von seinen Eltern zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Das passt, denn auch darin geht es um gefährliche Damen, Könige, Türme, Strategien, Taktiken und Intrigen.

Drei Fragen an Ben Deppenkemper

Wen würdest du gerne einmal treffen oder kennenlernen?

Den Kabarettisten Nico Semsrott. Ich würde gerne wissen, wie der so ist, wenn er nicht auf der Bühne ist.

Mit welcher Sportart kannst du gar nichts anfangen?

Bodenturnen. Das machen wir gerade in Sport. Und einen Handstand zu machen, ist nicht meine Sache.

Womit kann man dich so richtig auf die Palme bringen?

Da gibt es verschiedene Dinge: Ich hasse es wie die Pest, wenn man in der Schule nicht genau weiß, wo man hinmuss, weil irgendeine Stunde vertreten wird und keiner weiß, in welchem Raum. Man bringt mich aber auch auf die Palme, wenn sich jemand in der Gruppenarbeit nicht engagiert und seinen Teil nicht macht. Und es hat mich sehr genervt, dass der Pokal für die Augsburger Kreismeisterschaften geändert wurde. Das war früher ein schöner grün-goldener Pokal mit Marmorsockel, jetzt ist es so ein Plastikturm, der auf einer Seite beschriftet ist.

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