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Friedberg

27.03.2020

Luana Neburagho aus Friedberg: Traumziel Paralympics

Sie möchte einmal bei den Paralympics starten: Luana Neburagho aus Friedberg.
Bild: Katrin Haak

Plus Luana Neburagho ist ein großes Leichtathletik-Talent. Das Mädchen, das aus Nigeria stammt, fühlt sich bei ihrer Friedberger Pflegefamilie geborgen.

Das Erste, was einem bei Luana Neburagho ins Auge sticht, ist ihr strahlendes Lachen. Das zeigt sie ganz besonders dann, wenn man sie auf ihr größtes Hobby, die Leichtathletik anspricht. Ein lang gezogenes „Jaaa“ ist die Antwort auf die Frage, ob ihr denn das Laufen und die Leichtathletik Spaß machen würden – begleitet eben von diesem strahlenden Lachen.

Dabei hat die Elfjährige, die mittlerweile seit etwas mehr als fünf Jahren bei Familie Haak in Friedberg als Pflegekind lebt, schon schwere Zeiten hinter sich. Die Mutter, eine Asylbewerberin aus Nigeria, konnte sich kaum um Luana und ihre fünf Jahre jüngere Schwester Yin kümmern. Luana lebte schon in Italien in einem Heim, ehe sie im Dezember 2014 gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester von Familie Haak als Pflegekind aufgenommen wurde.

Luana Neburagho hat eine Lähmung im Arm

„Der Anfang war nicht leicht, Luana war verständlicherweise ein schwieriges Kind“, erzählt Katrin Haak, Luanas fürsorgliche Pflegemutter. Zumal das Mädchen ja auch noch mit einem körperlichen Defizit klarkommen muss: Luana hat eine Unterarm-Plexus-Lähmung, die auch den Oberarm etwas in Mitleidenschaft zieht. Nahezu der gesamte Arm ist deswegen muskulär unterversorgt, die Elfjährige kann so nicht einmal einen Stift halten, da ihr der Zangengriff mit den Fingern nicht möglich ist.

Luana Neburagho aus Friedberg: Traumziel Paralympics

„Die Ursache der Lähmung ist völlig unklar. Es könnte ein Schlaganfall bei der Geburt gewesen sein, oder eine Kinderlähmung oder irgendeine andere Mangelversorgung – das lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren“, so Katrin Haak.

In Friedberg hat Luana schnell Deutsch gelernt

So schwer die Eingewöhnungsphase von Luana, die anfangs ja nur italienisch sprach, auch war, umso besser lief es mit der Zeit. „Die deutsche Sprache lernte sie rasch innerhalb von einem Jahr mit meinen beiden Töchtern Carlotta und Mariella“, erinnert sich Katrin Haak. „Mittlerweile ist sie ein ganz tolles Kind, hilfsbereit und bestens in die Familie integriert – ebenso wie ihre kleine Schwester“, freut sich die Pflegemutter.


Was bei Luana immer schon auffiel, waren ihre sehr guten motorischen Fähigkeiten. Das Mädchen hatte immer schon einen enormen Bewegungsdrang und eine bemerkenswerte Sprungkraft. Kein Wunder also, dass sie nach einem kurzen „Zwischenstopp“ im Tennis schnell bei der Leichtathletik landete.

Wintertraining bei der DJK Friedberg

Das Wintertraining 2018/19 absolvierte Luana bei der DJK Friedberg, dann folgte der Wechsel nach Augsburg, wo man sich besser auf Sportler mit Behinderungen einstellen konnte. Und so kam Luana zum TSV Schwaben Augsburg und zur Trainerin Jadranka Askovic.

„Ich trainiere jetzt dreimal pro Woche zwei Stunden“, erzählt das Mädchen, dessen Vorlieben eindeutig beim Laufen und Springen zu finden sind. Schnell wurde ihr großes Talent erkannt, zumal sie ja auch Wettkämpfe bei den nicht behinderten Leichtathleten bestritt und dort über 200 und 800 Meter sowie im Dreikampf überzeugte.

Eine Schiene kompensiert das Handicap mit dem Arm

Das Handicap mit ihrem Arm wird dabei durch eine Schiene so gut wie möglich kompensiert. „Die verhindert, dass der Arm unkontrolliert schwingt“, erläutert Katrin Haak. Dafür, dass die Schiene perfekt angepasst ist, sorgt Holger Haak – von Beruf Orthopäde.


Wie gut Luana Neburagho läuferisch und sprungtechnisch ist, das konnte sie bei den deutschen Para-Meisterschaften in der Halle unter Beweis stellen. In Erfurt holte die Elfjährige in 31,70 Sekunden Gold über 200 Meter und brachte über die 60 Meter und im Weitsprung (mit 3,73 Metern) zweimal Silber mit nach Hause. Über 60 Meter war sie mit 9,49 Sekunden nur 0,08 Sekunden langsamer als die zwei Jahre ältere Cottbusserin Friederike Brose.

Bundestrainerin Pietsch hat ein Auge auf Luana

„Mein größtes Ziel wäre Olympia“, meinte Luana. Und die Teilnahme an den Paralympics ist dem Mädchen durchaus zuzutrauen, schließlich ist sie schon im Blickfeld von Bundestrainerin Helena Pietsch. Ein Sichtungslehrgang, der für März vorgesehen war, fiel aber dem Coronavirus zum Opfer, soll jedoch nachgeholt werden.

Im Moment ist wegen des Virus das Training eingeschränkt, es bleibt nur, zu Hause ein bisschen herumzutoben und die Übungen, die die Trainerin mitgegeben hat, so gut wie möglich zu absolvieren.

Familie Haak begleitet sie auf ihrem Weg

In der Familie Haak sind Luana und ihre Schwester Yin nicht mehr wegzudenken, auch wenn eine Adoption nicht möglich ist, da das Einverständnis der leiblichen Mutter fehlt. „Die beiden sagen zu uns Papa und Mama, sie sind bei uns ganz einfach zu Hause“, so Katrin Haak. Die Familie will Luana auf jeden Fall auch auf ihrem sportlichen Weg weiter unterstützen – und wer weiß, vielleicht kann sie ihr Pflegekind ja doch eines Tages zu den Paralympics begleiten.

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