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Radsport

05.09.2020

So funktioniert Indoor-Radsport in Corona-Zeiten

Nach der Corona-Pause sind die Radballer des RSV Kissing wieder im Hallentraining. Hierbei werden verschiedene Spielformen geübt: (von links) Lukas Keller, Thomas Brunner und Andreas Pongratz.
Bild: Nikolai Röhrich

Plus Die Kissinger Radballer sind wieder ins Training gestartet, während Friedberger Vereine noch warten müssen. Ein Problem haben alle gemeinsam.

Ein Mops, der einem Radfahrer in die Quere kam und durch einen kleinen Schubs mit dem Vorderrad in Sicherheit gebracht wurde: So soll 1883 in Amerika das Radballspiel entstanden sein. Der Mops wurde schließlich durch einen Ball ersetzt, und heute gibt es auf dem Feld Szenen wie beim Fußball: Es wird gepasst, geflankt, gehalten. Im besten Fall trifft die Kugel ins Netz des zwei mal zwei Meter großen Tores. Der ein gutes Pfund schwere, mit Rosshaar gefüllte Spielball wird mit einer flinken Drehung des Vorderrads eines Drahtesels durch die Halle geschlagen.

Radball ist eine Randsportart, doch Aichach-Friedberg ist mit zwei Vereinen stark aufgestellt. Der Radsportverein Kissing mischt sogar mit zwei Teams in der Zweiten Bundesliga mit. Auch die Sportarten Kunstrad und Einrad sind im Wittelsbacher Land mehrfach vertreten. Durch Corona wurden die in der Halle trainierenden Radsportvereine massiv in ihrem Vereinsleben eingeschränkt. Auch der Nachwuchs ist heuer nicht so zahlreich, wie es sich die Trainer der Vereine gewünscht hätten.

Wer in die Paartalhalle in Kissing kommt, wo der dortige Radsportverein sein Training abhält, dem fällt als Erstes die hauseigene Werkstatt ins Auge. Im Minutentakt prallt Metall auf Metall – einiges geht zu Bruch. Am häufigsten geben die Speichen den Geist auf, sagt Alfred Keller, Radballtrainer beim Radsportverein Kissing. „Manchmal wechseln wir fünf Speichen an einem Abend aus.“ In dem kleinen Raum hinter dem Spielfeld hängt eine bunte Auswahl an Schraubenschlüsseln und eine Sammlung von Rädern mit hohen und schmalen Lenkern. Die Sportgeräte haben weder Bremsen noch einen Leerlauf. „Gebremst wird per Rücktritt“, erklärt Keller.

Nach der Coronapause sind die Radballer des RSV Kissing wieder im Hallentraining. Hierbei werden verschiedene Spielformen geübt:
Video: Nikolai Röhrich

In Corona-Zeiten: So funktioniert Radball in Kissing

Nach der Corona-Pause haben die Sportler einige Zeit gebraucht, um sich wieder in ihrem Sport einzufinden. „In den ersten Einheiten gab es blutige Hände und Blasen“, berichtet Keller. Im Lockdown hat man sich mit Waldläufen und Radtouren beholfen, ab Anfang Juli wurde dann unter Einhaltung der Abstandsregeln wieder in der Paartalhalle trainiert. „Wir haben Übungen gemacht, bei denen der Abstand eingehalten werden konnte, sind Slaloms gefahren, haben Passspiele, Eckballkombinationen und Torschüsse trainiert.“

Nach vier Wochen war es dann möglich, unter Hygieneauflagen und in festen Gruppen wieder zu einem normalen Training zurückzukehren. „Radball ist ein Action-Sport“, sagt Keller. Die Sportler hätten sich riesig gefreut, ihre Kontaktsportart wieder richtig ausüben zu können. Nachdem mittlerweile der nötige Fitnesslevel wieder erreicht ist, stehen im November die ersten Wettkämpfe an. Zwölf Mannschaften stellt der Radsportverein Kissing derzeit, oft mehrere Teams in derselben Liga. 2018 kamen in der Bayernliga ganze fünf von 13 Mannschaften aus Kissing. Alfred Keller erinnert sich an eine Fahrt nach Schweinfurt, auf der von sechs Teams fünf aus Kissing kamen. Der Erfolg der Kissinger Radballer reicht seit Kurzem bis nach Hessen. Erstmals gab es eine Autogrammanfrage – von einem Radballbegeisterten aus Wiesbaden. Kurios: Der Fan bat mit elf Jahren Verzögerung um ein Autogramm von Martin Egarter und Thomas Kieferle, die 2009 in der U19-Juniorenklasse deutsche Meister und Vizeeuropameister wurden.

Beim Radsportverein Solidarität Friedberg wird Kunstrad und Einrad gefahren. Dort kann derzeit noch kein Training stattfinden: „Wir wurden von Corona total ausgebremst. Seit März ist bei uns das Training tabu“, bedauert Vorsitzender Georg Kindler. Die Stadt Friedberg habe ihre Trainingshalle für Sitzungen in Anspruch genommen. Hinzu kommt noch ein anderes Problem: Das Ferienprogramm, in dessen Rahmen sonst alljährlich Nachwuchssportler den Weg in den Verein gefunden hätten, konnte dieses Jahr nicht stattfinden. „Dabei sind Kunst- und Einrad tolle Alternativen zu herkömmlichen Sportarten wie Fußball oder Handball“, so Kindler. Es gehe um Gleichgewicht, Körperbeherrschung und Grazie.

Thomas Brunner und Fabian Keller (schwarze Trikots, hier bei den bayerischen Meisterschaften 2019 im vereinsinternen Duell mit Martin Egarter und Thomas Kieferle), legten in der Bayernliga einen optimalen Saisonstart hin.
Bild: Peter Kleist

In Friedberg dürfen die Radsportler noch nicht loslegen

Wie Corinna Klövekorn aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Friedberg mitteilt, wird über den Trainingsstart in der Friedberger Sporthalle am 8. September in einer Referentenrunde entschieden. Stand jetzt: Jeder Verein wird vor Trainingsbeginn einen Nutzungsvertrag mit Corona-Passus unterschreiben und ein Hygienekonzept vorlegen müssen. Die Entscheidung wird auch von möglichen neuen Hygieneregelungen abhängen.

Auch Harald Brunner, Vorstand und Trainer beim Radballverein Concordia Friedberg, berichtet von anhaltenden coronabedingten Einschnitten beim Training und der Werbung von Nachwuchs. Brunner geht davon aus, nach Schulbeginn wieder mit dem Training beginnen zu können. „Wir wollen uns fit halten. Radball ist eine gesunde Sportart für Jung und Alt. Durch die Vielzahl der Bewegungen wird der ganze Körper aufgelockert.“

Die Radsportvereine in Aichach-Friedberg suchen Nachwuchssportler. Wer Interesse hat, kann über die Vereinsregister unkompliziert ein Probetraining vereinbaren.

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