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Handball-Weltmeisterschaft

10.01.2019

Stimmen aus Aichach-Friedberg: Gibt es wieder ein Wintermärchen?

2007 bejubelten die deutschen Handballer mit ihrem Trainer Heiner Brand (links) letztmals einen Weltmeisterschafts-Titel. Nun bleibt abzuwarten, ob sich bei der Heim-WM, die gemeinsam mit Dänemark ausgetragen wird, das „Wintermärchen“ wiederholen kann.
Bild: Franz-Peter Tschauner/dpa

Ab Donnerstag treffen sich die weltbesten Teams bei der Handball-Weltmeisterschaft. Wie Funktionäre im Landkreis Aichach-Friedberg die Chancen der Nationalmannschaft einschätzen.

Die Szenen des Jahres 2007 werden die Handball-Fans immer noch vor Augen haben: Jubelnde Spieler mit aufgeklebten Schnauzbärten im Gesicht und Pappkronen auf dem Kopf, dazu Konfetti-Regen und Champagner-Duschen. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft war gerade im eigenen Land durch ein 29:24 gegen Polen Weltmeister geworden und machte damit das „Wintermärchen“ perfekt.

Damals sorgte der Titelgewinn des Teams von Trainer Heiner Brand für einen Boom im Land, von dem aber zwölf Jahre später – trotz des EM-Titels 2016 – nicht mehr allzu viel zu spüren ist. Verständlich, dass sich die Fans wieder eine Neuauflage dieses Wintermärchens wünschen. Wir wollten wissen, was sich die Funktionäre aus dem Altlandkreis von dieser Heim-WM, die am Donnerstag mit dem Spiel Deutschland gegen Korea beginnt, erwarten.

In einem sind sich alle Landkreis-Handballer einig

In einem sind sich alle einig: Es kann dem Handball nur gut tun, dass die Weltmeisterschaft wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu finden ist. „Das war zwingend notwendig, schließlich war die Abschiebung der Titelkämpfe ins Internet nicht gerade förderlich für unseren Sport“, sagte Dirk Kreutzburg, der Abteilungsleiter des TSV Friedberg. Der freut sich auch, dass derzeit so viel Reklame für dieses Event gemacht wird. Kreutzburg selbst wird am Wochenende bei einer DHB- Fortbildung in München weilen und so wohl auch beim einen oder anderen Spiel vor Ort sein.

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Auch TSV-Trainer Fadil Kqiku absolviert in München einen Trainerlehrgang und wird sich dabei sicher einige Spiele anschauen. Die Friedberger schicken auch ihren Nachwuchs in die Landeshauptstadt. „Unsere B-Jugend wird am kommenden Mittwoch mit Johannes Bauer nach München fahren. Die erleben dann gleich einen Dreierpack an Spielen mit Spanien, Island und Kroatien“, erzählte Kreutzburg. Ob es beim TSV Friedberg ein Public-Viewing geben wird, das steht noch nicht fest. „Das machen wir auch ein bisschen vom Abschneiden der deutschen Mannschaft abhängig“, so der TSV-Handball-Boss. Der hofft auch darauf, dass die Mannschaft vom Publikum getragen wird. „Die Gruppenphase überstehen sie sicher und dann ist alles möglich – es ist schließlich eine Heim-WM“, meinte Kreutzburg. Und wen zählt der TSV-Abteilungsleiter zu den Favoriten? „Frankreich erwarte ich wieder vorne, dazu vielleicht Kroatien und Island“, sagte Kreutzburg.

Auch Kissings Abteilungsleiter Karl-Heinz Steiner hat die Franzosen, die vier der letzten fünf Weltmeistertitel geholt haben, ganz oben auf seiner Favoritenliste. „Die spielen einen sensationellen Handball und die sind uns gerade auch im Jugendbereich ein Stück voraus“, erläuterte Steiner. Der Kissinger traut auch Spanien, Kroatien und einer Überraschungsmannschaft wie Norwegen oder Dänemark einiges zu. Eine Wiederholung des Wintermärchens von 2007 glaubt Steiner indes nicht: „Ich wäre glücklich, wenn wir das Halbfinale erreichen würden. In den Tests hat das Team nicht überzeugt.“

Ausgesprochen gut findet Steiner, dass der Handball in die öffentlich-rechtlichen Sender zurückgefunden hat. „Das ist der richtige Weg, das kann sich nur positiv auf unseren Sport, der ja immer noch eine Randsportart ist, auswirken. Zumal auch die Übertragungszeiten am frühen Abend ab 18 Uhr auch denen zugute kommen, die selber trainieren müssen“, so Steiner. Public-Viewings gibt es beim Kissinger SC in „Ermangelung einer Sportgaststätte nicht“, das werde sich eher im Privaten abspielen, verriet der Kissinger. Auch vom KSC werden E-Jugendliche live vor Ort dabei sein. Am Donnerstag, 17. Januar, wenn Spanien auf Kroatien trifft.

Meringer organisieren Public-Viewing mit ihren Jugendlichen im Vereinsheim

Mit dem mit der Jugend nach München fahren hat es beim SV Mering nicht wie gewünscht geklappt und so werden die Meringer im Vereinsheim an den Wochenenden das eine oder andere Public-Viewing mit ihren Jugendlichen organisieren. Das erklärte der sportliche Leiter der Meringer Handballer, Steffen Meyer. Der 28-Jährige, der seit einem Jahr diesen Posten innehat, freut sich darüber, dass die WM wieder bei ARD und ZDF gelandet ist. „Handball wird dadurch publik, das ist sicher ein positiver Trend. Der Titelgewinn 2007 hat unserem Sport einen Schub gegeben und bei uns auch für ein Anwachsen der Mitgliederzahl gesorgt. Es wäre schön, wenn das heuer wieder so werden würde“, meinte Meyer. Der Meringer Funktionär wird selbst am 17. Januar in München sein und sich dabei auch das Spiel Spanien gegen Kroatien anschauen. Die Chancen der deutschen Mannschaft einzuschätzen, fällt dem MSV-Handballer nicht leicht. „Zu den Titelfavoriten zählt das Team von Trainer Christian Prokop nicht. Die Gruppenphase werden sie schon überstehen, sollte ihnen das in der zweiten Gruppenphase auch gelingen, dann wäre das super“, sagte Meyer. Die Tests seien ja ganz gut gelaufen, auch wenn die Begeisterung im Vergleich zu den Jahren davor in seinen Augen etwas nachgelassen hat. „Ich bin gespannt, aber wenn man die anderen sieht, muss man abwarten, was rauskommt“, sagte er. Für Steffen Meyer ist Frankreich der erklärte Favorit: „Die haben den Umbruch geschafft und haben ein Spitzenteam. Auch Spanien und Kroatien traue ich einiges zu.“

Ein Handballtrainer, der in der Region bestens bekannt ist, verfolgt die WM unter einem besonderen Aspekt: Hartmut Mayerhoffer. Der Coach, der in Aichach Trainer war und später auch erfolgreich in Diensten des TSV Friedberg, trainiert mittlerweile den Bundesligisten Frisch Auf Göppingen. Vor wenigen Tagen kehrte er vom Skifahren zurück, vor Beginn der WM nahm er in München auf Einladung des Weltverbandes an einem Symposium teil: „Man lernt nie aus.“ Am WM-Eröffnungstag, am Donnerstag, beginnt in Göppingen die Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde. Dabei werden drei Spieler fehlen, weil sie für ihre Heimatländer um den höchsten Lorbeer kämpfen werden. Ivan Sliskovic und Kozina Kresimir gehören zum Aufgebot von Kroatien, während Nemanja Zelenovic im serbischen Team zu sehen sein wird. Mayerhoffer freut sich uneingeschränkt mit diesem Trio: „Eine tolle Erfahrung auf diesem Niveau, davon profitiert jeder Spieler.“

In erster Linie wird Mayerhoffer das WM-Geschehen vor dem Bildschirm verfolgen. „Köln ist zu weit weg“, sagt er über den Spielort am Rhein. Sechs, sieben Mannschaften traut er zu, dass sie ganz weit vorne landen: „Es gibt eine breite, sehr starke Basis.“ Frankreich, Norwegen, Dänemark, Spanien, Kroatien und auch Deutschland zählt er zum Kreis der Favoriten. Eines ist für Mayerhoffer klar: Es werden wieder Kleinigkeiten entscheiden in diesem Spiel, das so unheimlich schnell geworden ist. Was der Attraktivität sicher dient. Ein gutes Abschneiden der Deutschen würde Mayerhoffer außerordentlich begrüßen: „Das wäre für unsere Sportart sehr wichtig.“ (mit Johann Eibl)

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