16.11.2009

Unterirdische Kissinger

Friedberg Ans Telefon ging gestern Andy Spöttl zu Hause - der Malermeister ist sonst nur am Handy zu erreichen. "Ich muss mich erholen, so schlimm war es." Ganz ernst meinte er es natürlich nicht. Aber was sein Kissinger SC zum Rückrundenauftakt in Lechhausen ablieferte, war wirklich "unterirdisch" - abgesehen von der Anfangsphase. Aber auch hier hätten Alex Vötter und Peter Frauenknecht eigentlich treffen müssen und so der Partie eine andere Richtung geben müssen. Eine "dilettantische" Gelb-Rote Karte, ein "Zweikampfverhalten wie eine Mädchenmannschaft" - Spöttl zieht ganz schön vom Leder. "Wären wir noch in der Kreisliga, wären wir nur einen Platz besser als die Sportfreunde Friedberg." Das habe mit Bezirksligafußball nichts mehr zu tun. Verunsicherung hin oder her, aber nach neun Wochen sollte man die langsam einmal abgelegt haben.

Ähnlich krass empfindet Reinhard Kindermann die Niederlage seines TSV Friedberg gegen den TSV Lengenwang. "Die haben uns jetzt mit drei Freistößen sechs Punkte abgeluchst - alle drei Standards kamen aus dem Niemandsland." Seinem Torhüter Andreas Auer will er aber keine Vorwürfe machen. Denn die Gäste schossen am Sonntag beim 2:0-Sieg nur insgesamt dreimal aufs TSV-Tor. Schlimmer ist für den Ex-Profi, dass in der ersten halben Stunde die Chancen leichtfertig vergeben wurden. Und dass nach der Pause mit Gewalt versucht wurde, über die Mitte zum Erfolg zu kommen. "Dabei war ausgemacht, dass wir über die Flügel spielen." Eine Aufgabe, deren Erfüllung von den "höherklassigen" Spielern hätte ausgehen müssen. "Namen interessieren mich nicht, ich will Leistung": Cahit Karakurt musste er aber wegen Leistenproblemen auswechseln.

Niederlagen kassierten zwar auch der BC Rinnenthal und der SV Wulfertshausen in der Kreisliga Augsburg. Beide versuchten aber wenigstens noch, sich dagegen zu stemmen. "Wenn uns der Anschlusstreffer etwas früher gelungen wäre, hätte es anders ausgesehen", ist sich BCR-Trainer Oliver Tuffentsammer sicher und trauert da vor allem der Chance nach, die Martin Seidl fünf Minuten nach der Pause hatte. Es war in der ersten Halbzeit schon beeindruckend, welch irres Tempo Spitzenreiter VfL Kaufering vorlegte. "Da hat man die ganze Klasse dieser Mannschaft gesehen." Tuffentsammer zieht aber auch den Hut vor der Aufholjagd seines Teams, das 0:3 zurück lag. "Das war ein richtiges Aufbäumen." Und Keeper Christoph Ankner hielt den BCR im Spiel, wenn sich bei ihm laut Trainer Licht und Schatten abwechseln.

Gar nicht gut angeschrieben zu sein scheint derzeit der SV Wulfertshausen bei den Schiedsrichtern. "Mit denen kann man ja nicht einmal mehr normal reden, die drohen einem gleich die Hinausstellung an", weiß Trainer Siggi Hilz.

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"Für mich ist dieses Experiment gescheitert"

Er sieht das Problem auch in dem Versuch, Nachwuchskräften an der Pfeife Erfahrung an der Linie sammeln zu lassen. "Da steht dann ein Bub mit vielleicht 13 Jahren und schaut jedes Mal, vor er etwas signalisiert, zum Schiedsrichter." Ihm sei ein Referee, der allein entscheiden kann und nicht noch auf die "Lehrlinge an der Linie" schauen müsse, lieber. "Für mich ist dieses Experiment gescheitert - und mit dieser Meinung steht ich nicht allein da", so Hilz. Dem 1:0 des SSV Margertshausen etwa ging eine glasklare Abseitsstellung des Stürmers voraus, der von den Wulfertshausenern dann gefoult wurde. Trotz des 3:4 macht Hilz ein Kompliment: "Wir hätten mit drei Mann weniger fast noch den Ausgleich geschafft."

Glänzend aufgelegt sind dagegen nach wie vor Alex Bartl vom SV Mering und Bobby Riedl vom FC Stätzling. Beider Vereine Serien in der Bezirksliga und der Kreisliga Ost gingen weiter. Merings Anil Zambak führt inzwischen die Torjägerliste an. "Die Mannschaft wollte Wiedergutmachung leisten", erklärt FCS-Trainer Bobby Riedl die enorme Leistungssteigerung im derby gegen den BC Adelzhausen. Gut aus der Affäre gezogen hat sich im Osten auf Kreisebene auch der TSV Dasing, der beim starken VfL Ecknach zu einem Punkt kam. Eine Liga tiefer (Kreisklasse Augsburg 2) rief das Derby in Bachern natürlich großes Interesse hervor. Da schoss Rieds Daniel Kramer gleich nach 30 Sekunden einen wunderschönen Treffer - ins eigene Tor. Auch das 2:0 ging auf die SVR-Kappe. Dass der Ball von Westiners Fuß ins eigene Tor sprang, war laut Trainer Andy Völk "fast nicht vermeidbar". Er kritisiert vielmehr, dass seine Mannschaft über das ganze Spiel hinweg nicht zur richtigen Einstellung fand - "für ein Derby war das zu wenig."

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