„Das ist einfach unglaublich! Wir fahren zu den süddeutschen Meisterschaften!“ So richtig begreifen konnten es Liv Seeringer, Luisa Sedlmaier und Elena Enderle am Ende des langen Wettkampftages noch nicht. Es waren nervenaufreibende bayerische Meisterschaften für die fünf Gymnastinnen des TSV Friedberg gewesen. Mathilda Beer, Katharina Schütz, Sedlmaier, Seeringer und Enderle hatten die lange Reise nach Hof zum Bayerncup der rhythmischen Gymnastik auf sich genommen. Die Erwartungen waren groß, starteten mit Sedlmaier, Seeringer und Enderle gleich drei amtierende Gaumeisterinnen. Hinzu kamen mit Beer und Schütz zwei ebenfalls starke Turnerinnen. Doch die fünf Mädchen machten es spannend.
Bei mehr als 50 Starterinnen aus ganz Bayern war die Konkurrenz riesig. Die Aufregung spürbar. Vor allem in der Altersklasse der K8, der Elf- bis 14-Jährigen war der Wettkampf durch häufige Unterbrechungen des Kampfgerichts gekennzeichnet. Für Sedlmaier und Beer, die hier starteten, keine einfache Situation. Fast unbeeindruckt davon zeigte Sedlmaier, warum sie beim TSV zu den herausragendsten Nachwuchsgymnastinnen gehört. Sowohl in der Seil- als auch in der Ballübung turnte sie mit absoluter Sicherheit und trotz ihrer erst 13 Jahre äußerst ausdrucksstark. Elegant präsentierte sie schwierigste Würfe und Sprünge. Mit dem winzigen Rückstand von 0,14 Punkten sicherte sie sich den bayerischen Vizemeistertitel und die Qualifikation zum Regio Cup.
Durch eine Oberschenkelverletzung gehandicapt, konnte Beer nicht ihr volles Potenzial abrufen. Vor allem in der Seilübung schlichen sich winzige Unsicherheiten ein. Besser lief es in der Ballkür, in der sie in der Einzelwertung den achten Platz erlangte. Am Ende hieß es Platz zwölf.
In der K9 der 15- bis 17-jährigen Turnerinnen starteten mit Seeringer und Schütz zwei absolute Topgymnastinnen des TSV. Für beide hieß es: Nerven bewahren. In unnachahmlicher Weise gelang dies Seeringer. Nach einer fast perfekten Seilübung zeigte sie mit dem Ball eine außergewöhnliche Performance. Ihre Interpretation von Christina Aguileras „Express“ zum Thema Burlesque faszinierte Zuschauer und Kampfgericht gleichermaßen. Mit dem dritten Platz sicherte sich die Friedbergerin das Regio-Cup-Ticket. In der Ball-Einzelwertung holte sie den bayerischen Vizemeistertitel.
Schütz haderte zunächst mit ihrer Seilübung. Ein nicht lösbarer Knoten ließ die Hoffnung auf ein Weiterkommen platzen. Doch die vielseitige Gymnastin zeigte mentale Stärke und turnte eine kraftvolle, dynamische und innovative Ballkür, erturnte sich in der dieser Einzelwertung den vierten Platz - einer der emotionalen Höhepunkte des Wettkampftages, der über Gesamtplatz 13 mehr als hinwegtröstet.
Enderle spielte in der Altersklasse K10 18+ ihre ganze Routine aus. Mit Reifen, Ball und Seil präsentierte sie drei technisch anspruchsvolle und ausdrucksstarke Übungen. Besonders ihre bezaubernde Reifenübung überzeugte die Jury: Elegant, sicher und mit einer fein abgestimmten Choreografie gewann sie die Einzelwertung dieses Geräts. In ihrer Ballübung blieb sie trotz einiger kleinerer Unsicherheiten konzentriert. In der Gesamtwertung ergab dies den Vizetitel, gleichbedeutend mit der Qualifikation zum Regio-Cup.
Trainerin Ramona Folter, die gemeinsam mit Enderle auch als Kampfrichterin im Einsatz war, zeigte sich stolz: „Unsere Mädchen haben heute gezeigt, wie viel Leidenschaft und Disziplin in ihnen steckt. Jede von ihnen hat auf ihre Weise geglänzt.“ Im Mai geht es zum Regio Cup Süd nach Brebach bei Saarbrücken. Hier kann sich das TSV-Trio für den Deutschland-Cup qualifizieren, dem prestigeträchtigsten nationalen Wettkampf der Rhythmischen Gymnastik. (anse)
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