Ein Fehlpass von Torhüter Fabian Rosner, ein Griff gegen den zum Tor eilenden Duracher Stürmer, eine leuchtend Rote Karte. Da erzitterte selbst der hünenhafte Verteidiger Daniel Hadwiger, Spitzname „Tower“, für einen Moment. „Ich habe schon vor meinen Augen gesehen, dass es das für mich gewesen ist in dieser Saison“, gewährt der Abwehrspieler des Landesligisten FC Stätzling Einblick in seine Gefühlswelt nach dem Platzverweis in der Partie gegen den VfB Durach.
Was wäre das für ein Ende gewesen? Mehr als 25 Jahre im Verein und dann ein Abschied per Notbremse? „Noch dazu war es meine erste Karte überhaupt in dieser Saison“, merkt Hadwiger lachend an. Das Sportgericht beließ es bei einer kurzen Sperre, so dass der 32-Jährige am Sonntagnachmittag gegen den FC Kempten sein letztes Heimspiel im Dress des FC Stätzling auf dem Platz und nicht daneben genießen kann. Für den Defensivspieler ist nach dieser Saison Schluss.
Ebenso wie für Trainer Loris Horn, der eine Schaffenspause einlegt. Und da schließt sich ein Kreis. „Wir sind zusammen in Derching aufgewachsen, haben zusammen in Stätzling mit dem Fußballspielen angefangen. Es hat sich angeboten, dass wir nun auch beide zusammen aufhören.“ Dennoch sei ihm der Entschluss „sicher nicht leicht gefallen“, betont Hadwiger. Der Schritt schmerzt, ist aber unumgänglich - ähnlich wie ein Halten gegen einen durchbrechenden Stürmer.
„Die Zeit ist das Problem“, sagt Hadwiger, der mittlerweile in Batzenhofen lebt. Fordernder Beruf, eine Familie mit zwei Kindern, zehn und eineinhalb Jahre alt, ein Hund. Das ist mit Landesligafußball schwer zu vereinbaren. „Dieses Jahr habe ich mich noch durchsetzen können“, merkt er lachend an und seufzt: „Jetzt habe ich es lang genug gemacht. Es ist vertretbar, aufzuhören.“ Zumal er mit einer Saison wie der nun endenden abtritt, in der er 18 Mal in der Landesliga aufgelaufen ist, eine feste Säule in einer der besten Abwehrreihen der Liga war. „Ich habe es mir selbst noch einmal bewiesen“, blickt er zurück: „Die Jahre davor habe ich nur wenig spielen können, umso stolzer bin ich darauf. Und auch dankbar.“ Es sei, so sagt er, „der richtige Zeitpunkt“ abzutreten.
Vermissen werde er sie trotzdem, die Anlage an der St.-Anton-Straße, an der er einen Großteil seines Lebens verbrachte, sogar mal als Platzwart aushalf. Die Kabine werde ihm fehlen, die Jungs. „Auch jetzt mit der neuen Spielergeneration war es immer eine Megagaudi“, sagt Hadwiger, der als „prägendste Zeit“ beim FCS allerdings die Saison 2015/16 nennt, als er mit Horn Teil der Elf um Markus Rolle war, die in der Relegation gegen Meitingen in die Landesliga aufstieg. „Mit den meisten habe ich seit der Jugend zusammengespielt. Leider hat es dann nur noch ein Jahr lang gehalten.“ Viele der Spieler wechselten in höhere Ligen oder wurden anderswo Spielertrainer.
Hadwiger blieb - bis heute. „Ich spiele Fußball seit ich denken kann, das Spiel war eine feste Routine in meinem Alltag“, beschreibt er: „So richtig realisieren, was da wegbricht, werde ich erst, wenn es tatsächlich vorbei ist.“ Noch sind es zwei Spiele, erst gegen Kempten (15 Uhr), zum Abschluss noch einmal ins rund 130 Kilometer entfernte Niedersonthofen. Dann steht der „Tower“ nur mehr am Spielfeldrand. Und zwar nicht nur an der St.-Anton-Straße. Sein zehnjähriger Sohn spielt ebenfalls Fußball, allerdings nicht beim FC Stätzling sondern beim CSC Batzenhofen.
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