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Geldanlage

24.05.2019

Aktien oder lieber Festgeld? So legen Rentner am besten Geld an

Wer sein Geld in Aktien anlegt, muss nicht nur die Kurse im Auge behalten, sondern sollte auch etwas vom Geschäftsmodell des jeweiligen Unternehmens verstehen, raten die Experten.
Bild: Archiv: Martin Gerten, dpa (Symbolbild)

Auch Rentner haben oft noch Geld, das sie anlegen möchten. Die Anlage soll sicher sein und das Geld schnell verfügbar. Ein paar Experten-Tipps, die allen helfen.

Wer in den Ruhestand geht, möchte meist auch seine Finanzen in ruhigerem Fahrwasser wissen. Ist der tägliche Lebensunterhalt gesichert, kann man sich mit dem Ersparten beschäftigen. Wo liegt was, und liegt es dort noch gut? Für welche Vorhaben und Wünsche sollte Geld verfügbar sein? Machen Börsenanlagen im Alter noch Sinn? Welche Prioritäten zu setzen sind, wie man Risiken minimiert und wie man einen guten Anlagemix auch mit Ü60 noch hinbekommt, dazu informierten unsere Experten am Lesertelefon. Hier eine Auswahl von Fragen und Antworten:

Ich will mir aus meiner Lebensversicherung, die fällig wird, monatlich eine bestimmte Summe für den Lebensunterhalt auszahlen lassen. Ist ein Fondsauszahlplan oder eine private Rentenversicherung besser?

Der Vorteil bei der privaten Rentenversicherung ist, dass Sie einen festen Betrag bis zum Lebensende sicher haben. Allerdings ist es auch eine Wette auf ein langes Leben. Beim Fondssparplan können Sie die Auszahlungssumme selbst bestimmen – also mal mehr, mal weniger entnehmen. Sie haben außerdem die Chance auf eine annehmbare Rendite und können das Restkapital in voller Höhe vererben. Auszahlungen sind aber nur so lange möglich, wie Kapital vorhanden ist. Welche Variante besser zu Ihnen passt, müssen Sie leider selbst entscheiden.

Ich bin 64 und werde Mitte des Jahres aus einer Lebensversicherung rund 30.000 Euro erhalten. Da ich das Geld nicht für den täglichen Lebensunterhalt benötige, möchte ich es gut anlegen. Lohnt sich in meinem Alter noch ein Fonds?

Wichtig bei der Fondsanlage ist ein Anlagehorizont von mindestens fünf, besser zehn Jahren. Dies sollte bei Ihnen gegeben sein. Bei der Auswahl sollten Sie überlegen, in welchem Umfang Sie Wertschwankungen akzeptieren können. Gemischte Fonds weisen in der Regel geringere Schwankungen auf als Aktienfonds. Dafür haben Aktienfonds in der Vergangenheit meist höhere Erträge erbracht. Am besten, Sie suchen sich drei verschiedene Fonds und verteilen den Betrag darauf.

Die drei Experten am Lesertelefon (von links): Peter Klipp von der Stiftung Warentest/Finanztest, Frank Schöndorf vom deutschen Fondsverband BVI und Michael Siegle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Ich habe mir einen Aktienfonds ausgesucht, um 20.000 Euro anzulegen. Wie kann ich vermeiden, zu einem ungünstigen Zeitpunkt mit hohen Kursen einzusteigen?

Indem Sie nicht den gesamten Betrag an einem Tag anlegen, sondern die Fondskäufe zeitlich staffeln, zum Beispiel über ein Jahr in zwölf Monatsraten. Dann werden Sie mal zu höheren, mal zu niedrigeren Preisen einsteigen und damit einen günstigen Durchschnittskurs erzielen.

Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem „klassischen“ Fonds?

Bei einem „klassischen“ Fonds entscheidet ein Fondsmanager, welche Wertpapiere ein Fonds erwirbt oder verkauft. Bei einem börsengehandelten ETF ( exchange-traded fund) gibt es dagegen kein aktives Fondsmanagement. Der Fonds orientiert sich stattdessen an einem Index wie dem Dax und hält genau jene Papiere, die Bestandteil des Index sind. Folglich wird sich ein ETF genauso entwickeln wie der zugrunde liegende Index. Der Fonds schneidet nicht schlechter, aber auch nicht besser ab als der Index. Ein guter Fondsmanager kann dagegen den Index schlagen. Da keine Ausgabeaufschläge oder andere Aufwendungen für das Fondsmanagement anfallen, ist ein ETF in der Regel kostengünstiger.

Ich bekomme demnächst Geld aus einer Versicherung, das möglichst sicher angelegt sein soll. Bisher habe ich das immer über das Sparbuch gemacht. Aber das bringt ja nichts. Was empfehlen Sie stattdessen?

Vom Sparbuch raten wir derzeit ab, da die Verzinsung fast im Minusbereich liegt. Auf ein Tagesgeldkonto bei einer Online-Bank können Sie immerhin bis zu 0,65 Prozent Zinsen bekommen. Auch eine Festgeldanlage käme infrage. Für zwei Jahre bekommen Sie unter Umständen 1,21 Prozent Zinsen. Sie können auch die sogenannte Treppenstrategie anwenden. Das bedeutet, Sie legen Ihr Geld über verschiedene Laufzeiten als Festgeld an, also für ein Jahr, zwei Jahre bis hin zu fünf Jahren. Das Geld, das frei wird, können Sie dann erneut anlegen.

Ich habe etwa 40.000 Euro, die ich zur Hälfte verfügbar haben und die andere Hälfte noch für einige Jahre anlegen möchte, aber mit minimiertem Risiko. Was raten Sie?

Für die eine Hälfte suchen Sie sich Tages- und Festgeldangebote. Den zweiten Teil können Sie in einen gemischten Fonds legen.

Wir haben beide noch etwa acht Jahre bis zur Rente und wollen monatlich 150 Euro anlegen. Welche Variante käme infrage?

Legen Sie das Geld in einen Fondssparplan. Je nach Risikoneigung suchen Sie sich einen gemischten oder einen Aktienfonds.

Bis zu welcher Höhe ist Festgeld abgesichert?

In Deutschland gilt wie im gesamten EU-Raum die europäische Einlagensicherung. Das sind 100.000 Euro pro Bank und Anleger, bei Gemeinschaftskonten 200.000 Euro. Bei uns gibt es noch einen Zusatzschutz. Die meisten Privatbanken gehören dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken an, der Einlagen in Millionenhöhe absichert. Auch öffentliche Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben eigene Systeme, die über die europäische Absicherung hinausgehen.

Was bedeutet „kostengünstig“ bei einem ETF? Was kostet er wirklich?

Auch ein ETF verursacht natürlich Kosten. Aber da er lediglich einen Index abbildet – beispielsweise den Dax oder MSCI World – und nicht aktiv gemanagt wird, fallen diese mit Werten von meist unter einem Prozent relativ gering aus. Managementgebühren für aktiv gemanagte Fonds liegen deutlich höher.

Ende des Jahres gehe ich in Rente. Ich habe einen Aktien-Fondssparplan, in den ich seit Jahren monatlich 100 Euro eingezahlt habe. Was mache ich jetzt damit? Auflösen oder weiterführen? Ich bin nicht unbedingt auf das Geld angewiesen.

Insofern sind Sie in einer komfortablen Situation und können den Fondssparplan einfach weiterlaufen lassen. Da Fondssparpläne sehr flexibel sind, können Sie auch weniger einzahlen, sollten Ihnen die 100 Euro monatlich demnächst zu hoch sein. Sie können die Zahlung auch jederzeit stoppen oder nur sporadisch vornehmen. Sollten Sie Geld benötigen, so ist auch der tägliche Zugriff auf das Ersparte möglich.

Da ich mit fast 70 Jahren eine Anlage mit geringen Schwankungen suche, hat mir mein Berater zu offenen Immobilienfonds geraten. Ist dies eine sinnvolle Investition?

Offene Immobilienfonds haben in der Regel nur sehr geringe Wertschwankungen. In den letzten fünf Jahren lag die Wertsteigerung im Schnitt bei drei bis vier Prozent pro Jahr. Dies ist in der jetzigen Niedrigzinsphase nicht wenig. Offene Immobilienfonds sind allerdings nicht für die kurzfristige Anlage gedacht. Sie sollten auf jeden Fall einen zeitlichen Horizont von mindestens fünf Jahren vorsehen. Der Gesetzgeber schreibt zudem eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren vor.

Mein Bankberater hat mir einen Fonds empfohlen. Gibt es eine neutrale Stelle, bei der ich mich über die Qualität von Fonds informieren kann?

Sie können sich auf www.test.de informieren, wo regelmäßig die Entwicklung verschiedener Fonds beobachtet und bewertet wird. Auf der Internetseite des deutschen Fondsverbandes BVI, www.bvi.de, finden Sie außerdem die Wertentwicklung der meisten in Deutschland angebotenen Fonds über unterschiedliche Zeiträume. Die Aufstellung ist nach Fondstypen untergliedert, sodass Sie vergleichen können, welche Fonds zuletzt besonders gut oder weniger gut abgeschnitten haben.

Ich bin Mitte 60, habe aus einem Hausverkauf 150.000 Euro frei und möchte diese in verschiedenen Fonds anlegen. Was empfehlen Sie?

Das Geld kann fünf bis zehn Jahre liegen bleiben. Einzelne Fonds können wir Ihnen leider nicht empfehlen. Aber Sie bekommen eine gute Mischung, wenn Sie sich einen Aktien-, einen offenen Immobilien- und einen gemischten Fonds suchen. Je länger Sie das Geld liegen lassen können, desto besser lassen sich Wertschwankungen ausgleichen.

Mir sind die Risiken einzelner Aktien zu hoch. Welche Möglichkeiten außer Festgeld gibt es noch?

Sie können Ihr Geld auch in einen gemischten Fonds legen. Hier ist das Risiko von Wertschwankungen ein wenig geringer. Gemischte Fonds investieren zum Teil in Aktien und zum Teil in festverzinsliche Wertpapiere. Möglich wäre auch ein ETF, zum Beispiel auf den MSCI World. Dieser enthält mit 1600 Papieren weltweit eine breite Streuung. Mit einem langen Anlagehorizont lassen sich Wertschwankungen ausgleichen. Im Fall der Fälle kämen Sie aber auch jederzeit an Ihr Geld heran.

Wir sind jetzt 75 und haben etwa 40.000 Euro, die wir anlegen möchten. Kommen Aktien noch infrage?

Das würden wir in Ihrem Fall nicht empfehlen. Aktien können über mehrere Jahre auch einmal ins Minus rutschen, sodass Sie hohe Verluste erleiden können, sollten Sie das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigen. Sie können eine Hälfte des Geldes als Tagesgeld anlegen, sodass Sie es jederzeit verfügbar haben und auf Eventualitäten reagieren können. Die andere Hälfte können Sie als Festgeld, gern gestaffelt über verschiedene Zeiträume, anlegen. Das bringt Ihnen noch ein paar Zinsen.

Ich bin 70 Jahre alt, habe offene Immobilienfonds und verschiedene Aktienfonds. Die Anlagen laufen gut, aber ich überlege, ob ich wegen des Alters etwas umschichten sollte.

Wenn die Anlagen gut laufen und Sie das Geld nicht benötigen, können Sie alles so weiterlaufen lassen. Jedes Umschichten ist zudem mit Kosten verbunden.

In etwa drei Jahren werde ich in den Ruhestand gehen. Schon seit langem habe ich in Aktienfonds und Rentenfonds angelegt. Voraussichtlich werde ich das Geld nicht gleich benötigen. Dennoch möchte ich wissen, ob ich im Notfall meine Fonds jederzeit verkaufen kann.

Aktien- und Rentenfonds können Sie börsentäglich verkaufen. Sie sind hier also flexibel.

Wir sind 65 und möchten etwa 20.000 bis 30.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren anlegen, einen Teil davon in Aktien, den anderen in Aktienfonds. Was sollten wir beachten?

Überlegen Sie auf alle Fälle, wie hoch das Risiko für Sie mit diesen Anlagen ist und ob Sie es eingehen möchten. Bei Einzelaktien empfehlen wir wegen der Kosten einen Mindestanlagewert von 5000 Euro. Kaufen Sie außerdem nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodell Sie auch wirklich verstehen.

Ich habe Aktienfonds, gemischte Fonds und Festgeld. Jetzt könnte ich noch 15.000 Euro neu anlegen. Was empfehlen Sie?

Von der Mischung haben Sie Ihr Geld gut angelegt. Jetzt liegt es an Ihrer Risikoneigung, wo Sie die Summe anlegen – ob Sieins Risiko gehen wollen oder ob Sie eine Sicherheitsvariante wählen.

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