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Ausbildung
02.05.2020

So klappt die Lehrstellensuche in Corona-Zeiten

Viele Betriebe setzen in der Corona-Krise auf Online-Angebote, um Auszubildende zu finden. Auch die abgesagte Berufsorientierungsmesse „fitforJOB!“ soll ins Internet verlegt werden.
Foto: Robert Günther, dpa

Trotz Kurzarbeit ist die Nachwuchsgewinnung in vielen Betrieben weiterhin ein großes Thema. Was sich durch die Krise geändert hat.

Seit Montag sind die Schulen in Bayern für bestimmte Klassen wieder geöffnet. Trotz Corona-Krise soll es Schülern möglich sein, auch dieses Jahr ihren Abschluss zu machen. Das gilt auch für die Ausbildungsplatzsuche. Denn trotz der negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft ist für viele Betriebe die Nachwuchsgewinnung eine wichtige Aufgabe. Anette Göllner von der Handwerkskammer Schwaben (HWK) erklärt: „Gespräche mit unseren Betrieben haben ergeben, dass Azubis weiterhin gefragt sind.“ Sogar einen positiven Effekt kann die Leiterin der Abteilung Berufsausbildung feststellen: „Wir haben viele Unternehmen, die im September erstmals ausbilden möchten.“

Zwar fallen Messen und Infoveranstaltungen gerade aus, dafür sollen Online-Angebote den Betrieben und potenziellen Azubis helfen, in Kontakt zu kommen. Dazu gibt es bei der Handwerkskammer eine eigene Lehrstellenbörse sowie das Lehrstellenradar. Betriebe können dort kostenlos ihre freien Stellen veröffentlichen und Jugendliche darauf aufmerksam machen.

Programm „Passgenaue Besetzung der Handwerkskammer“

Außerdem, erklärt Göllner, könne das bundesweite Programm der HWK „Passgenaue Besetzung“ helfen. Dabei vermitteln die Berater besonders für kleine und mittlere Unternehmen einen Azubi. Die Möglichkeit, den Traumjob über ein Betriebspraktikum zu finden, ist derzeit aber schwierig. „Das wollen unsere Betriebe im Sommer wieder ermöglichen“, sagt Göllner. Wichtig seien die Vorgaben des Kultusministeriums, das im Rahmen des Infektionsschutzes über Schulpraktika entscheiden werde.

Trotz vieler Ungewissheiten rät Göllner angehenden Schulabsolventen, sich weiterhin um ihre Bewerbungen zu kümmern: „Es ist auch ratsam, einfach den direkten Kontakt zu Betrieben zu suchen“, erklärt sie. Neben Berufsberatungsangeboten über die Agentur für Arbeit oder der „Passgenauen Besetzung“, könnten Schüler Erfahrungen auch untereinander austauschen.

Ob Vorstellungsgespräche bald nur noch per Videokonferenz stattfinden werden, bleibt abzuwarten. Das Gespräch allein habe im Handwerk auch nur bedingt Aussagekraft, betont Göllner: „Das praktische Können der Bewerber ist für viele Ausbildungsbetriebe bei ihrer Wahl ausschlaggebend.“ Aus diesem Grund vermutet sie, dass Verträge dieses Jahr relativ knapp geschlossen werden: „Der Bewerbungsprozess hat sich gemeinsam mit den zu erwartenden Lockerungen der Kontaktbeschränkungen in den Sommer verlagert.“

IHK Schwaben: Absolventen sollen sich bei der Suche nicht unterkriegen lassen

Dass sich die Schüler von der aktuellen Situation nicht unterkriegen lassen, wünscht sich auch Wolfgang Haschner, Leiter des Fachbereichs Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK). Schon zu Beginn des Jahres hatte die Kammer aufgrund der konjunkturellen Lage einen leichten Rückgang der Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge feststellen müssen. Doch Haschner sagt: „Auch wenn in den Unternehmen aktuell andere Themen im Vordergrund stehen, weiß man um den mittelfristigen Bedarf an Fachkräften.“ Quer durch alle Branchen gebe es außerdem Bereiche, die sich in der Krise gut behaupten könnten und Personal benötigten.

Rund 1000 unbesetzte Lehrstellen in Schwabens Industrie und Handel

Die Lehrstellenbörse der IHK weist aktuell mehr als 1000 unbesetzte Ausbildungsstellen auf. „Wir gehen fest davon aus, dass der größte Teil dieser Stellen auch besetzt wird“, sagt Haschner. Um das Kennenlernen zwischen Betrieben und potenziellen Azubis zu erleichtern, hofft die IHK auf eine digitale Lösung der abgesagten Berufsbildungsmesse „fitforJOB!“, an der sie gerade arbeitet.

Für Absolventen hat Haschner einen Tipp: Wenn die wirtschaftliche Lage nicht rosig aussieht, können junge Menschen die Chance ergreifen und selbst Gesuche aufgeben. Bei individuellen Fragen helfe die IHK gerne weiter. „Die Chance für Unternehmen, einen guten Auszubildenden zu finden, ist in diesem Jahr so groß wie lang nicht“, sagt er. In den vergangenen Jahren waren viele Stellen unbesetzt geblieben.

Um nicht den Überblick zu verlieren, rät Wolfgang Schiessler von der Arbeitsagentur, den Kontakt zum Berufsberater aufrechtzuerhalten. Persönliche Gespräche sind zwar aktuell nicht möglich, dafür sind die Ansprechpartner per Mail oder Telefon erreichbar. „Unsere Berater stehen weiterhin für alle individuellen Fragen zur Verfügung“, betont er. Auch im Internet gibt es über die Agentur Angebote, die Schüler nutzen können, um sich mit ihren Stärken auseinanderzusetzen und über Berufe zu informieren.

Tipp: Über die „Leo“, die Lehrstellenoffensive unserer Redaktion, können junge Leute bis 7. Mai kostenlos ein Gesuch nach einer Lehrstelle aufgeben: www.leo-verbindet.de

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