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Geldautomat

08.06.2019

Bargeld im Urlaub: Diese Abhebe-Fallen lauern am Geldautomaten

Ob in den USA, der Schweiz oder in Thailand – wer Scheine in fremder Währung abhebt, sollte auf Kosten-Fallen achten.
Bild: kritchanut, stock.adobe.com

Wer im Ausland Scheine am Automaten holt, sollte sich vorher gut informieren. Denn sonst können hohe Kosten drohen.

Die Trickserei ist ein weltweites Ärgernis: Wollen Reisende im Ausland Bargeld abheben oder eine Rechnung online begleichen, müssen sie sich innerhalb von Sekunden entscheiden: Gleich bequem in Euro umgerechnet? Oder doch besser in der Landeswährung? Weil die meisten Touristen nicht sattelfest sind in Pfund, Dollar, Dirham oder Kronen, drücken sie in der Regel spontan die Euro-Taste. Doch das Ja zur Heimatwährung kann ins Geld gehen. Es verteuert jede Transaktion blitzartig um bis zu 13,7 Prozent, wie Michael Bäumer, Experte von Finanztest in Berlin warnt. Der Wechselkurs ist dann deutlich schlechter als bei der Bank daheim. Oft kommen auch noch Gebühren obendrauf. Nur wer sich vor Reisebeginn schlau gemacht hat, kann Kostenfallen entgehen.

Geschäftemacher überall: Was vor ein paar Jahren mit vereinzelten verdeckten Aufschlägen für den Euro-Kurs begann, hat sich zu einer Art moderner Wegelagerei entwickelt, wie Verbraucherschützer kritisieren. Nach einer neuen Untersuchung von Finanztest ist das verlockende Angebot, das ausbezahlte Geld oder die fällige Rechnung sofort bequem in Euro umrechnen zu lassen, in nahezu allen Nicht-Euro-Ländern inzwischen weit verbreitet. Ob in Metropolen wie London, Kopenhagen oder Prag, in Reiseländern wie Polen, den Arabischen Emiraten, in der Schweiz, Thailand oder USA – überall versuchen lokale Händler und Banken über die Kursumrechnung mitzuverdienen. Die Geschäftemacherei mit happigen Aufschlägen lauert nicht nur beim Geldabheben am Automaten. Sie ist auch beim Auschecken aus Hotels allgegenwärtig, beim Essengehen, Tanken, Shoppen oder beim Einkaufen in Supermärkten – immer dann, wenn Reisende bargeldlos zahlen wollen, ob mit ihrer Girocard, also der früheren ec-Karte, oder per Kreditkarte.

So wird getrickst: Auch wenn der Euro vertraut ist – auf Reisen ist der angezeigte Betrag in der Landeswährung immer die günstigere Variante. Denn: Die Automatenbetreiber vor Ort nehmen bei der Direktumrechnung einen schlechteren Kurs und mehr Provision als die Heimatbank zu Hause – und verdienen daran. Wer im Urlaub zum Beispiel insgesamt 700 Euro am Geldautomaten zieht, hat allein durch die Sofortumrechnung bis zu 70 Euro Mehrkosten am Hals und mehr. Aufgepasst: Oft wird auch noch trickreich nachgehakt und gezielt verunsichert. So kann zum Beispiel bei Geldautomaten plötzlich das Display rot blinken, wenn der Kunde auf die Umrechnung in Euro verzichtet. Das Warnsignal soll die Kundschaft aufschrecken und dazu verleiten, letztlich doch die Euro-Taste zu drücken. Beim Online-Bezahlen ist die Euro-Summe manchmal farbig hervorgehoben, damit der Kunde instinktiv die Okay-Taste drückt. Klappen die Tricks, müssen die Betreiber deutlich weniger Geld auszahlen als sonst üblich. Je kleiner der Betrag, desto mehr zahlen die Touristen in der Regel drauf.

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Standhaft bleiben: Die meisten Urlauber merken vor Ort gar nicht, dass sie mit der Sofortumrechnung in Euro ein schlechtes Geschäft gemacht haben. Auf den Displays der Geldautomaten werden die happigen Kosten jedenfalls nicht angezeigt. Die Aufschläge passieren im Hintergrund. An vielen Stationen zum Geldziehen steht sogar frech: „0% Commission“ – also keine Gebühren. Oder das Versprechen: „Garantierter Wechselkurs“. Es sei schwer, der Masche zu entgehen, so die Erfahrungen Bäumers. Nur wer den aktuellen Wechselkurs kennt, sich nicht beirren lässt und die Euro-Option verweigert, kann größere Verluste vermeiden. Das gilt auch fürs Bezahlen an Ladenkassen. Dann ist die lokale Bank gezwungen, den Betrag in Landeswährung an die Bank daheim zu melden. Und diese rechnet in der Regel zum deutlich besseren Kurs um.

Neue Fallen: In einigen Ländern schützt auch höllisches Aufpassen nicht mehr vor Verlusten beim Geldabheben. In Island, Polen, Serbien, Tschechien, Ungarn und der Türkei werden Urlauber meist immer zur Kasse gebeten. „Auch wer hier die Sofortumrechnung verweigert, kommt nicht wirklich günstig davon“, erläutert Bäumer. Entweder, die Urlauber müssen dann eine Geldautomatengebühr zahlen. Oder sie bekommen einen schlechten Wechselkurs, der teilweise noch mit einer Gebühr kombiniert wird. Wer kann, solle vor allem die Geldautomaten von Euronet meiden. Außerhalb Europas, etwa in USA oder Südostasien, werden häufig Extra-Gebühren an Geldautomaten verlangt – zwischen umgerechnet gut zwei Euro in Singapur bis zu sechs Euro in Thailand.

Das hilft: Wer auf Reisen in Nicht-Euro-Länder geht, sollte sich vorher über den aktuellen Wechselkurs informieren, empfiehlt der Bundesverband deutscher Banken. Dann kann man schlechte Wechselkurse besser erkennen. Vor Ort geht der Währungscheck ganz flink mit der kostenlosen App „Reise und Geld“ des Bankenverbands. Damit lassen sich rund 160 Währungen umrechnen und Fallen umschiffen. Die Finanztest-Experten haben in der Juni-Ausgabe eine Übersicht erstellt, in welchen Reiseländern die Sofortumrechnung allgegenwärtig ist.

Zusatztipp: Wer viel reist, sollte eine Karte nutzen, deren Einsatz möglichst geringe Gebühren kostet. Nur mit der DKB-Kreditkarte sind Geldabheben und Bezahlen im Ausland kostenfrei, so das Fazit der Berliner Tester.

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