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Energiekolumne
21.04.2021

So umweltfreundlich sind E-Bikes wirklich

Wer für den Weg zur Arbeit vom Auto auf das E-Bike umstellt, verbessert seine persönliche Klimabilanz deutlich.
Foto: Freepik, Adobe Stock

Der Boom der Fahrräder mit Elektroantrieb hält an. Doch wer einsteigen will, um sein grünes Gewissen zu beruhigen, muss aufpassen.

Wer statt mit dem Auto auf dem Fahrrad zum Arbeiten oder Einkaufen fährt, tut der Umwelt, aber auch sich selbst Gutes. Beides gilt auch dann, wenn das Rad nicht nur mit Muskelkraft, sondern zusätzlich mithilfe eines Elektromotors angetrieben wird. Keine Frage: Die Herstellung eines E-Bikes wirkt sich auf die Umwelt aus, insbesondere was den Akku betrifft. Aber auch wenn man die Akku-Produktion mit einrechnet, liegt der CO2-Ausstoß laut einer Analyse der Vrije-Universität in Brüssel bei einem E-Bike pro Kilometer nur bei circa sieben bis acht Gramm. Zum Vergleich: Ein Auto mit Verbrennungsmotor stößt in der Regel mehr als das 20-fache an CO2 aus.

Das sorgt dafür, dass schon nach weniger als 200 Kilometern, die mit dem E-Bike statt mit dem Auto zurückgelegt werden, die CO2-Emissionen der Akku-Herstellung, dies sind für einen Akku mit 500 Wattstunden rund 30 Kilogramm CO2, ausgeglichen sind.

E-Bikes boomen seit Jahren

Klingt alles prima. Allerdings muss man deutlich sagen: Ist das E-Bike nur Ersatz für das herkömmliche Fahrrad oder wird es nur als Sportgerät genutzt, dient das natürlich nicht dem Klimaschutz. Tatsächlich gibt es aber immer mehr Menschen, die ein E-Bike anstelle des Autos regelmäßig nutzen – zum Beispiel für den täglichen Weg zur Arbeit. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die teils lästige Parkplatzsuche fällt weg, die gelenkschonende Bewegungseinheit auf dem E-Fahrrad tut Körper und Seele gut. Und dank der Elektromotor-Unterstützung kommt man auch nicht verschwitzt zur Arbeit. Häufig spielen ökologische Gesichtspunkte ebenfalls eine wichtige Rolle. Fakt ist jedenfalls, dass der E-Bike-Boom weiter anhält.

Mit elektrischem Rückenwind: Besser nur mit Helm und nach ausführlicher Einweisung mit dem E-Bike durchstarten.
Foto: Christin Klose, dpa

Jedes dritte in Deutschland verkaufte Fahrrad ist inzwischen ein E-Bike. Stellt sich die Frage, was der enorme Zuwachs bei den Elektrorädern für den Stromverbrauch bedeutet? Die Antwort: alles kein Problem. Im Durchschnitt liegt der Stromverbrauch eines E-Bikes bei circa 0,6 bis 0,8 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Sollte irgendwann einmal die Hälfte aller Fahrräder in Deutschland mit E-Motoren ausgestattet sein und würden damit doppelt so viele Kilometer wie mit klassischen Rädern zurückgelegt werden, ergäbe das 112 Millionen Personenkilometer und einen jährlichen Stromverbrauch von 0,2 bis 0,3 Terawattstunden, haben Experten ausgerechnet. Das ist ein Tausendstel des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Auch das Umweltbundesamt kommt zu dem Ergebnis, dass E-Bikes angesichts ihres geringen Stromverbrauchs für das Stromnetz völlig unproblematisch sind.

Akkus können manchmal auch repariert werden

Wie bereits anfangs erwähnt, hängt die Ökobilanz des E-Bikes vor allem vom Akku ab. Und diese wird umso besser, je länger die Lebensdauer des Akkus ist. Ein stückweit kann man das als Besitzer selbst beeinflussen – indem man ihn nämlich richtig pflegt. Unter anderem sollte man den Akku keinen extremen Temperaturen aussetzen, ihn im Warmen und Trockenen überwintern und ihn weder vollständig auf- noch entladen. Macht sich im Lauf der Zeit dennoch ein starker Leistungsabfall bemerkbar, muss das nicht gleich das Aus für den Akku sein. Unter Umständen kann er repariert werden, was nicht nur preiswerter, sondern auch aus ökologischer Sicht besser ist.

Martin Sambale ist Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!

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26.04.2021

Einen Akku reparieren bedeutet die Akku Zellen zu tauschen. Die alten werden entsorgt. Es bleiben nur Gehäuse und Platine. Das ist ökologisch fast genauso katastrophal wie einen neuen Akku anschaffen. Denn das problematische sind eben die Akku Zellen, sowohl bei der Beschaffung der Rohstoffe, deren Verarbeitung als auch Entsorgung.

Der Strom kommt zudem nicht nur aus der Steckdose und ist alles andere als sauber.

Am saubersten ist ein Fahrrad ohne Akkus.

Der Vergleich Auto zum Fahrrad hinkt. Der kann nur gezogen werden, wenn mit beiden Fahrzeugen stets die gleiche Anzahl von Personen und Ladung befördert werden.

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26.04.2021

Wenn mein böser Akku nur die Hälfte der versprochenen Zyklen lebt, dann sind das - ausgehend von der bisherigen Reichweite pro Zyklus laut Auslesung - 50.000km bei meinem B....-Akku. Und danach lassen sich die Akkus recyceln. Verbranntes Benzin ist weg. Für immer.
Noch sauberer als ein Rad ohne Akku wäre zu Fuß gehen. Denn auch ein normales Rad braucht Ressourcen bei der Herstellung. Schuhe hingegen hat man so oder so an. Ok, sie nutzt schneller ab beim Laufen. ;-)
Sie unterschlagen beim E-Bike aber die Gesamtbetrachtung der Verkehrsleistung. Mit einem E-Bike werden vorallem längeren Strecken im Alltag abgedeckt die vorher mit dem Auto gefahren worden wären/sind. Ob da ein Bio-Bike ökologischer ist, ist nicht die Frage, weil die Strecken wären oft mit einem Bio-Bike garnicht erst gefahren worden.
Klar, es mag einige sehr wenige geben, die auch mit E im Bike nicht mehr fahren als vorher (also bis zum Bäcker, falls es 20 Grad und mehr hat), aber das ist meiner Erfahrung nach aus dem weiteren Umfeld nicht der Standard. Je nach vorheriger Aktivität werden die Fahrleistungen teilweise verzigfacht, eben weil es einfacher und müheloser geht. Vorallem steigen aber auch die zurückgelegten Streckenlängen deutlich.

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23.04.2021

Der Satz "Ist das E-Bike nur Ersatz für das herkömmliche Fahrrad oder wird es nur als Sportgerät genutzt, dient das natürlich nicht dem Klimaschutz." lässt schon daran zweifeln, dass der Autor jemals eines gefahren ist. Ich kenne keinen E-Bike-Neufahrer (und ich kenne viele), dessen Kilometerzahl dadurch nicht deutlich angestiegen ist und vorallem die einzelnen Streckenlängen deutlich zugenommen haben. Wo man früher noch mit dem Auto 4km zum Baumarkt wegen drei Schrauben gefahren ist, wird jetzt mit dem E-Bike gefahren. All das sind Einsparungen an CO2. Natürlich ist es so gesehen irrelevant ob die Radtour jetzt 40 statt nur 20km am Sonntag ist, aber die vielen zusätzlichen "Alltagskilometer" machen es aus. Die 200km sind jedenfalls sehr schnell wieder reingeholt und ab da geht der Zeiger nach oben.
Auch im Sportbereich bringt der Akkuschub natürlich Umweltschutz mit weil dann viele zum Sportradeln nicht erst mit dem Auto anreisen sondern auch gleich die Strecke am Rad zurücklegen weil es leichter und schneller geht. Man muss aber auch sagen, dass das Segen und Fluch zu gleich ist, weil durch die E-Kraft jetzt Radler an Orte kommen, die waren allenfalls ein paar "Wahnsinnigen" vorbehalten waren. Heute stehen die Rentnerräder hundertfach vor den Almhütten wo vor 5 Jahren noch ein 6er-Radständer locker gereicht hat und man über die wenigen Radler den Kopf geschüttelt haben die sich da hoch gequält hatten.

PS: Ich fahre seit Januar 2020 viel aktiver Rad, von ungefähr 500 auf 2000km im Jahr. Im Juli 20 Umstieg auf ein E-Bike, die km-Leistung hat sich dadurch mehr als verdoppelt, ich bin jetzt bei über 4000km seit dem Kauf, die Marke von 5000km/Jahr werden ich vermutlich knacken. Das Auto steht oft mehrere Wochen unberührt in der Garage. Zuletzt getankt Silvester 2020.

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