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Entgiftung
29.08.2019

Was Detox-Kuren dem Körper wirklich bringen

Detox-Kuren sollen helfen, den Körper zu entschlacken und vor Übersäuerung zu schützen. Doch bringen Smoothies, Kräutertees und Flohsamen wirklich einen Mehrwert?
Foto: stock.adobe.com

Detox: Die einen glauben an Entgiftungseffekte, für die anderen ist es Geldmacherei. Muss man den Körper wirklich "entschlacken"? Und was hilft am besten?

Den Körper reinigen und von Giften befreien – das verspricht eine Detox-Kur. Solche Diäten liegen derzeit im Trend. Sie sollen den Organismus dabei unterstützen, all die Gifte und Chemikalien auszuscheiden, die er aufnimmt und alleine nicht bewältigt. Der Begriff Detox kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt Entgiftung. Warum eine Detox-Kur nötig sein soll? Anhänger nennen als Grund eine ungesunde Ernährung. Aber auch Umweltgifte, Stress, Alkohol, Nikotin. Spezielle Produkte, die im Handel zu kaufen sind, sollen helfen, den Körper zu entschlacken und vor Übersäuerung zu schützen.

Einer, der von Detox-Kuren viel hält, ist der Schleswig-Holsteiner Heilpraktiker René Gräber aus Preetz. Er schwört darauf, ein- bis zweimal im Jahr eine Fastenkur zu machen – für ihn ist das „Detox pur“. „Zunächst gibt es drei sogenannte Entlastungstage“, sagt Gräber. Dabei erfolgt mithilfe eines Pulvers aus Flohsamen – auch bekannt als Heilpflanze Plantago ovata – eine Darmentleerung. Wer kein Flohsamen-Pulver einnehmen möchte, kann den Darm auch mithilfe von speziellen Kapseln entleeren. Nach den Entlastungstagen werden fünf Tage lang Wasser, Kräutertees sowie Gemüsesäfte getrunken. So sollen Darm und Stoffwechsel angeregt werden. Nach den Safttagen folgen drei Aufbautage.

Die Detox-Kur wird häufig mit Massagen und Bädern ergänzt

Auf dem Speiseplan stehen Obst und Gemüse oder Rohkostsäfte. Die Rückkehr zur normalen Kost erfolgt schrittweise. „Eine solche Kur setzt positive Energie frei und führt auch zur Gewichtsabnahme“, berichtet Gräber. Ergänzt wird eine solche Diät häufig mit Massagen und Bädern. Auch Saunagänge und Spaziergänge an der frischen Luft sowie Yogaübungen sollen das Wohlbefinden stärken und dem Hüftgold zu Leibe rücken.

Die angepriesenen Effekte klingen vielversprechend. Doch Ernährungsexperten mahnen zur Vorsicht. Was gegen Detox-Kuren spricht: Dass sie tatsächlich wirken, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Zudem besteht das Risiko eines JoJo-Effekts: Nach einer strikten Diät kann es sein, dass Betroffene einen Heißhunger auf die Nahrungsmittel entwickeln, denen sie sich verweigert haben. Dann kann die Waage wieder ganz schnell ein paar Kilos mehr als gewünscht anzeigen.

Während der Detox-Kur soll zudem auf „übersäuernde“ Lebensmittel wie etwa Wurst und Fleisch verzichtet werden, heißt es. „Allerdings kann der Körper nicht übersäuern“, betont der Professor Johannes Georg Wechsler, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner ist. Hält er es überhaupt für tatsächlich nötig, den Körper zu entgiften? Für Ernährungsmediziner Wechsler steht fest: Nein.

„Der menschliche Organismus kümmert sich um seine Entgiftung selbst, er scheidet von alleine nicht verwertbare Produkte aus“, betont der Münchner Professor, der zugleich Facharzt für Innere Medizin ist. Haut, Lunge, Leber, Nieren und Darm entledigen sich auch so von allem Unbrauchbaren, wie der Mediziner betont. Anders sieht es bei akuten Vergiftungen aus. Das kann etwa die versehentliche Einnahme von Medikamenten oder von Reinigungsmitteln sein. „Solche Fälle sind Notfälle, in denen ein Arzt zum Beispiel ein Gegengift verabreicht“, betont Wechsler. Ein gesunder menschlicher Körper müsse nicht entgiftet werden.

Spezielle Detox-Produkte benötigt der Körper laut Wechsler nicht

Aber sind Detox-Kuren deshalb sinnlos? „Natürlich kann es nicht schaden, mal eine Zeit lang keinen Alkohol zu trinken oder nicht zu rauchen“, stellt Wechsler klar. Keinesfalls benötige der Organismus aber zum Entgiften spezielle Detox-Produkte wie Tabletten, Nahrungsergänzungsmittel oder Fußpflaster, ist der Professor überzeugt: „Solche Erzeugnisse sind reine Geschäftemacherei, sie sind absolut unnötig“, betont Wechsler.

Ähnlich sieht es auch die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Sogenannte Detox-Tees seien oft teuer – und das zu Unrecht. Denn in der Regel seien es übliche Kräutermischungen. Dass die Bestandteile darin Giftstoffe binden und ausschwemmen könnten, sei eine Falschbehauptung. „Den entgiftenden Effekt gibt es nicht“, betont Ernährungswissenschaftlerin Gahl. „Detox-Anhänger werben mit vielen falschen Aussagen“, kritisiert die Expertin.

So gebe es etwa den Mythos Entschlacken, sagt Expertin Gahl. Doch sie stellt klar: „Im Darm lagern keine „Schlacken“ ab.“ Alles, was in den Darm gelangt, scheidet der Körper aus. Entschlacken, etwa durch Einläufe mit Öl oder Darmspülungen, sei wenig wirksam und sogar gefährlich, betont die Ernährungswissenschaftlerin. Vor allem eine dauerhafte Detox-Kur ist aus Sicht von Gahl nicht empfehlenswert.

„Dies kann zu einem Nährstoffmangel etwa an Protein und Fett führen“, sagt sie. Ebenfalls wichtig: Gemüse und Obst in Form von Saft oder Smoothies liefern zwar in flüssiger Form Energie. Allerdings sättigen sie kaum. Dem Körper werden nur wenige Ballaststoffe zugeführt, dafür jede Menge kalorienreicher natürlicher Zucker, der im ausgepressten Obst steckt.

Inzwischen gibt es sogar sogenannte Detox-Partys, auf denen Smoothies angeboten werden – einschließlich Bewegungseinheiten in Form von Work-outs. „Keine Frage, Detox ist zurzeit stark in Mode. Aber Verbraucher sollten kritisch sein und sich nicht verblenden lassen“, betont Medizinprofessor Wechsler. Aus seiner Sicht sind solche Partys „reine Geldzieherei“.

Detox-Kuren können der Einstieg in ein verändertes Essverhalten sein

Besser für den Darm sei es, sich ballaststoffreich zu ernähren, sagt Ernährungswissenschaftlerin Gahl. Sie verweist auf die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag sowie der Verzehr von Getreide- und Vollkornprodukten. Verteufeln will die Expertin die Detox-Kuren aber nicht: Sie schließt nicht aus, dass sie Einstieg in eine Änderung des Essverhaltens sein kann – hin zu einer bewussteren und ausgewogeneren Kost. Die Kur sollte aber am besten unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Das gilt vor allem dann zwingend, wenn Interessenten Medikamente einnehmen.

Es gibt übrigens ein unter Medizinprofessor Wechler, Expertin Gahl und Heilpraktiker Gräber ein völlig unumstrittenes Mittel, das ganz natürlich wirkt und obendrein auch noch vergleichsweise kostengünstig ist. „Wasser trinken“, sagt Heilpraktiker Gräber. Anderthalb bis drei Liter pro Tag sollten es je nach Größe und Körpergewicht des Trinkenden sein. (dpa)

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