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Zecken

13.06.2019

Gefahr durch Zeckenstiche: Wie hoch ist das Risiko für Borreliose?

Zecken können Borreliose-Erreger auf den Menschen übertragen. Eine Impfung zum Schutz vor den Bakterien gibt es bislang nicht.
Bild: Daniel Reinhardt, dpa (Symbolbild)

Bislang gibt es heuer 690 Fälle von Lyme-Borreliose in Bayern. Wie gefährlich ist die Krankheit? Und wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Der Frühsommer ist da und damit auch die Hochsaison der Zecken. Die Blutsauger sind nicht nur auf Gräsern und im Unterholz zu finden, sondern auch in Stadtparks oder im eigenen Garten. Zecken können durch ihren Stich Krankheitserreger wie FSME-Viren oder Borreliose-Bakterien übertragen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in Bayern drei neue Risikogebiete für Frühsommer-Meningoenzephalitis ausgemacht, erkrankt sind bundesweit bislang 51 Menschen (Stand: KW 21). Während man sich durch eine Impfung vor FSME-Viren schützen kann, lässt sich Lyme-Borreliose nur mit Antibiotika behandeln. In Bayern sind in diesem Jahr bereits 690 Fälle von Borreliose gemeldet worden , wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Donnerstag in München mitgeteilt hat. Im Vorjahreszeitraum seien 645 Fälle gemeldet worden.

Borreliose ist nicht in jedem Bundesland meldepflichtig

Lyme-Borreliose ist in Bayern seit 2013 meldepflichtig. Dem RKI zufolge sind im Freistaat im vergangenen Jahr insgesamt 5001 Menschen an Borreliose erkrankt, gefolgt von Sachsen (2146 Fälle), Rheinland-Pfalz (1579 Fälle) und Brandenburg (1556 Fälle). Die Zahl relativiert sich jedoch, wenn man die Fälle von Borreliose-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner betrachtet: In Brandenburg sind es rund 62, in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen je rund 53, in Rheinland-Pfalz rund 39 und in Bayern schließlich rund 38 Fälle.

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Doch auch diese Zahlen sind nicht unbedingt aussagekräftig - denn Borreliose ist nicht in jedem Bundesland meldepflichtig. Gesundheitsamt und Landesstellen melden dem RKI in diesen Fällen keine Erkrankungen. Für sieben der 16 Bundesländer liegen keine Zahlen vor, darunter Baden-Württemberg. Die genaue Häufigkeit der Erkrankung ist in Deutschland demnach unbekannt.

Zeckenstiche: Wie hoch ist das Risiko für Borreliose?

Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, wird durch eine Bakterieninfektion ausgelöst. Die Borrelien werden durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Von Mensch zu Mensch ist keine Ansteckung mit der Krankheit möglich.

Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz haben dem RKI zufolge durch den Nachweis von Antikörpern im Blut belegt, dass bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen nach einem Zeckenstich eine Infektion mit den Bakterien auftritt. Tatsächlich erkrankt jedoch anschließend nur ein kleiner Teil der Infizierten. Demnach ist bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen.

Wie lässt sich eine Infektion mit Borreliose-Erregern verhindern?

Im Gegensatz zu den FSME-Viren, die sich in den Speicheldrüsen der Zecken befinden und somit direkt in die Blutbahn des Betroffenen gelangen können, liegen die Borrelien im Darm der Zecken. Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge werden die Bakterien dadurch erst bei längerem Blutsaugen, in der Regel nach etwa zwölf Stunden, übertragen. Wer die Zecke rasch entfernt, senkt somit das Risiko einer Übertragung der Krankheit.

Um eine Infektion mit den Borreliose-Erregern zu verhindern, ist es logischerweise am wirksamsten, Zeckenstiche zu vermeiden. Doch worauf sollte man achten? Wer bei Spaziergängen auf festen Wegen bleibt und nicht durchs Unterholz oder hohes Gras läuft, verhindert den Hautkontakt zu Pflanzen und senkt somit das Risiko für Zeckenstiche. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald empfiehlt zudem feste Schuhe und helle, lange Hosen. Auf heller Kleidung sind die Zecken besser sichtbar, lange Hosen und Hemden wiederum erschweren es den Blutsaugern, sich auf der Haut festzusetzen.

Symptome und Therapie der Borreliose

Die Symptome sind nach einer Borreliose-Erkrankung von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bis die Krankheit ausbricht, können teilweise Monate und Jahre vergehen. In der Regel beträgt die Inkubationszeit dem RKI zufolge jedoch im Mittel sieben bis zehn Tage. Falls sich nach einer Infektion eine Krankheit entwickelt, können folgende Organe betroffen sein: Haut, Nervengewebe, Gelenke oder Herz. Am häufigsten tritt Wanderröte auf. In einer Studie aus den 1990er Jahren war die ringförmige Hautentzündung (Erythema migrans) bei 89 Prozent der Teilnehmer das einzige Symptom.

Behandelt wird Borreliose üblicherweise mit Antibiotika wie Doxycyclin oder Amoxicillin. Die Therapie ist jedoch von der individuellen Dauer und Schwere der Krankheit abhängig. Von Antibiotika zur Prävention der Lyme-Borreliose nach einem Zeckenstich rät das RKI aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen in jedem Fall ab.

Um bei Verdacht eine mögliche Erkrankungen auszuschließen, kann man sich beispielsweise beim Arzt auf Borrelienantikörper im Blut testen lassen. Wird Borreliose im Frühstadium erkannt und mit geeigneten Antibiotika behandelt, erholen sich Betroffene dem RKI zufolge schnell und vollständig von der Erkrankung. Schwere Krankheitsverläufe können so verhindert werden.

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