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Tipps
28.07.2021

Das sollten Sie über gesunde Ernährung wissen

Äpfel, Pilze, Tomaten: Wer viel Obst und Gemüse zu sich nimmt, macht schon einmal vieles richtig.
Foto: Ulrich Wagner

Was der Mensch täglich isst und trinkt, wirkt sich auf sein Wohlbefinden aus. Unsere Expertinnen beantworten die wichtigsten Fragen zu gesunder Ernährung.

Um die Ernährung ranken sich viele Mythen: Süßigkeiten sollen die Nerven beruhigen, Zucker per se sehr schlecht für den Körper sein. Wie viel Wahrheit steckt in solchen und ähnlichen Aussagen – und wo sollte man lieber auf seinen Körper vertrauen? Unsere Expertinnen Christine Fikentscher, Anja Schwengel-Exner und Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern haben am Lesertelefon unserer Zeitung viele solcher Fragen beantwortet. Ein Überblick über die Themen, die am häufigsten aufgegriffen wurden.

Ich liebe Süßigkeiten. Muss ich wirklich ganz darauf verzichten?

Nein. Aber Sie sollten versuchen, nur noch ab und zu Schokolade oder Ähnliches zu essen und sich die Stückchen auf der Zunge zergehen zu lassen. So lernt der Körper wieder, richtig zu genießen. Menschen, die gerne Süßes essen, haben ihr Geschmacksprofil im Laufe der Zeit verändert. Sie merken gar nicht mehr, wie süß Süßigkeiten wirklich schmecken. Wer eine Zeit lang weitgehend darauf verzichtet, schärft im Umkehrschluss sein Geschmacksprofil. Der zuckerarme Weg beginnt mit ungezuckerten Getränken. Auch selbst gemachte Süßspeisen und Gebäck können deutlich weniger gesüßt werden. Daneben sollten Sie Rituale durchbrechen und gesunde Alternativen suchen. Es empfiehlt sich auch, weniger andere Zuckerarten wie etwa Fruchtsüße, Honig, Frucht- und Traubenzucker sowie Süßstoffe zu essen. Denn es gibt kein ideales Süßungsmittel.

Aber Zucker ist doch Nervennahrung, oder?

Unser Gehirn braucht Kohlenhydrate, aber nicht in Form von Zucker. In Vollkorn, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst sind ebenfalls Kohlenhydrate enthalten. Der Vorteil: Sie werden langsam freigesetzt und in das Blut eingeschleust. Dadurch ist die Versorgung im Gehirn gleichbleibend gewährleistet. Kohlenhydrate in Form von Zucker aus Süßigkeiten und Getränken gelangen dagegen blitzschnell in den Blutkreislauf. Sie sorgen für einen rapiden Anstieg des Blutzuckerspiegels – ein Sekunden-Energieschub mit negativen Folgen. Der Blutzucker fällt nämlich sehr schnell wieder ab. Durch diese Berg-und-Tal-Fahrt entstehen Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder auch Heißhunger. Gute und gesunde Ernährung, viel Wasser und frische Luft stärken dagegen die Nerven. Oft hilft auch eine Tasse Tee, ein Milchkaffee, ein Stück Obst oder ein Stückchen dunkle Schokolade.

Die Expertinnen der Verbraucherzentrale waren am Lesertelefon (von links): Christine Fikentscher, Anja Schwengel-Exner und Heidrun Schubert.
Foto: Ulrich Wagner

Gesunde Ernährung: Ist dunkles Brot immer gesünder als helles?

Das lässt sich nicht ganz so leicht sagen. Wir raten zu Vollkornbrot. Wer aber glaubt, dass dunkles Brot auch immer Vollkornbrot ist, der irrt. Backwaren dürfen mit Mahlerzeugnissen gefärbt werden. Deshalb sollten Sie beim Kauf auf die Bezeichnung Vollkorn achten. Nur Brot, das zu 90 Prozent aus Vollkorn-Mahlerzeugnissen besteht, darf auch so genannt werden.

Ich habe gehört, man sollte lieber zu braunen als zu weißen Eiern greifen. Stimmt das?

Viele Deutsche essen übrigens lieber Eier mit dunkler Schale, weil sie glauben, sie würden von robusteren und damit gesünderen Hühnern stammen. Das stimmt aber nicht. Die Farbe der Eier ist genetisch bedingt. Entweder legt ein Huhn nur weiße Eier oder nur braune. Weiße Schalen sind nur etwas dünner, der Inhalt ist aber der gleiche wie bei braunen Eiern.

Meine Freundin sagt, wir sollten abends besser nichts mehr essen. Ist das wirklich gut?

Jein. Einfach ein- oder zweimal pro Woche auf das Abendessen zu verzichten oder zumindest abendliche Snacks zu vermeiden, ist durchaus sinnvoll. Der Stoffwechsel freut sich über eine Auszeit von Essen, Alkohol, Süßigkeiten und so weiter. So kann er sich über eine längere Zeit mit der Verdauung und der Produktion von wichtigen Hormonen auseinandersetzen und sich regenerieren. Sogar der Schlaf könnte intensiver ausfallen. Ein Versuch lohnt sich. Nicht vergessen: Wasser ist wichtig und natürlich erlaubt.

Unser Wasser ist sehr kalkhaltig. Sollte ich es lieber nicht direkt aus der Leitung trinken?

Kalk ist für die Kaffeemaschine schädlich, für den Menschen jedoch nicht. Die oft beschworene Arterienverkalkung hat damit nichts zu tun. Im Gegenteil: Das im Wasser enthaltene Kalzium kann sogar bei der Vorbeugung von Osteoporose helfen. Generell ist Leitungswasser in Deutschland immer eine gute Alternative zu Flaschenwasser, denn es ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel.

Wir nehmen zum Backen und Kochen nur noch Kokosöl, das soll so gesund sein. Ist das richtig?

Kokosöl enthält nur wenige ungesättigte und dafür etwa 90 Prozent gesättigte Fettsäuren. Wichtig für eine gesunde Ernährung sind aber möglichst viele ungesättigte Fettsäuren. In Maßen, aus fairem Handel und in Bio-Qualität ist es in Ordnung, denn das Öl ist wegen seines Geschmacks eine aromatische Zutat für asiatische Gerichte. Allerdings wird die Umwelt durch den Anbau enorm belastet. Und das Gute liegt so nah: Raps-, Walnuss- und Olivenöl liefern viel mehr gesundheitlich wertvolle Fettsäuren. Und noch etwas: Kokosöl hilft nicht beim Abnehmen.

Schimmel kann man doch abkratzen, oder?

Nein. Schimmelpilzgifte, sogenannte Mykotoxine, können beim Menschen zu unterschiedlichen Krankheiten führen: Die Entstehung von Krebs wird begünstigt, Nieren und Leber geschädigt, das Immunsystem beeinträchtigt oder Durchfall und Erbrechen verursacht. Neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sollten nahezu alle befallenen Lebensmittel entsorgt werden, auch Brot und Marmelade beziehungsweise Konfitüre. Lediglich bei stark geräuchertem rohen Schinken und bei Hartkäse wie beispielsweise Parmesan oder Emmentaler darf der Schimmelbelag großzügig entfernt werden. Denn diese Lebensmittel enthalten viel Salz und wenig Wasser. Die Schimmelsporen können sich so weniger leicht verbreiten.

Wirkt Kaffee wirklich entwässernd?

Untersuchungen haben ergeben: Wer Kaffee trinkt, scheidet bis zu 84 Prozent der aufgenommenen Flüssigkeit eines Tages wieder aus, wer reines Wasser trinkt, liegt auch bei 81 Prozent. Der Genuss von Kaffee kann also durchaus in die tägliche Flüssigkeitsbilanz aufgenommen werden. Zusätzlich sollte aber ausreichend Wasser getrunken werden, am besten peilen Sie etwa eineinhalb Liter an.

Zum Essen trinke ich oft Wein, danach einen Verdauungsschnaps. Was meinen Sie dazu?

Schweizer Wissenschaftler haben vor einigen Jahren 20 gesunde Erwachsene ein deftiges Käsefondue verspeisen lassen. Ein Teil der Menschen trank zum Essen schwarzen Tee, die anderen 300 Milliliter Wein. Außerdem bekamen manche nach dem Essen einen Schnaps, andere nur Wasser. Das Ergebnis: Je mehr Alkohol die Versuchsteilnehmer tranken, desto stärker hatte ihre Verdauung zu kämpfen. Schon der Wein sorgte dafür, dass der Magen sich langsamer entleerte. Der Schnaps bremste die Verdauung zusätzlich. Alkohol löst im Magen zwar vermehrte Magensäure-Produktion aus, das führt aber eher zu Sodbrennen als zu weniger Völlegefühl. Außerdem hemmt Alkohol nach dem Essen den Fettabbau, da er die Leber von ihrer Arbeit abhält. (AZ)

Mehr hilfreiche Informationen finden Sie hier in unserem Ratgeber zum Thema Gesundheit und in unserem Ratgeber zum Thema Ernährung.

Hinweis der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Beitrag aus unserem Online-Archiv.

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