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Gesundheit
24.09.2019

Schützen Vitamin- und Immunpräparate vor Erkältung?

Gerade während der Erkältungszeit gibt es unzählige Immunpräparate und Vitaminkuren zu kaufen.
Foto: Matthias Hiekel, dpa (Symbolbld)

In der Erkältungszeit werden viele rezeptfreie Mittel angeboten, die das Immunsystem fit machen sollen. Ein Apotheker und ein Arzt erklären, wie wirksam sie sind.

Viele Menschen greifen in der Erkältungszeit zu allerlei Mitteln aus der Apotheke, dem Supermarkt oder dem Internet, die die Abwehrkräfte stärken sollen. Vitamin- und Mineralienkuren, Immunpräparate oder pflanzliche Essenzen sind beliebt. Doch was bringen solche Stoffe tatsächlich? Wie wirksam sind sie?

Es gibt keine Studien, die die Wirksamkeit nachweisen

Um das zu beurteilen, muss man die Stoffe zunächst in zwei Gruppen einteilen, erklärt Ulrich Koczian, Apotheker aus Augsburg. Fachleute unterscheiden zwischen zugelassenen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. "Die ersten Gruppe muss ihre Wirksamkeit nachweisen, um zugelassen zu werden. Studien müssen zeigen, dass sie tatsächlich die Immunabwehr verbessern und die Antikörper erhöhen. Das ist bei der zweiten Gruppe nicht der Fall."

Zu solchen Nahrungsergänzungsmitteln gehören auch Vitamin- und Mineralstoffpräparate, die besonders während der Erkältungszeit viel gekauft werden. Koczian: "Es gibt da eine extrem große Auswahl an Produkten, die sich aber oft gar nicht wirklich unterscheiden." Aus Erfahrung weiß der Apotheker, dass vor allem Produkte beliebt sind, die Vitamin C, Zink und Selen enthalten. Die drei Wirkstoffe spielen bei der Immunabwehr und dem Zellschutz eine Rolle. Doch mit einer Einschätzung, inwieweit sie vor einer Erkältung schützen können, ist Apotheker Koczian zurückhaltend: "Logischerweise gibt es viele Kritiker, die sagen, dass die Wirksamkeit solcher Mittel ja nicht bestätigt ist. Und ich denke, sie sind nur dann sinnvoll, wenn man aufgrund einer Erkrankung die nötige Menge nicht aufnehmen kann oder einen erhöhten Bedarf hat."

Vitamin C zum Beispiel habe einfach ein gutes Image während der Erkältungssaison, sagt Apotheker Koczian. "In unser Gesellschaft hat aber eigentlich niemand einen Mangel an Vitamin C, weil wir uns in der Regel alle ausgewogen genug ernähren." Zwar könne man mit solchen Vitaminpräparaten sich nicht schaden, allerdings scheidet der Körper einfach wieder alles aus, was er nicht aufnehmen kann.

Kapsel schlucken und schon hat man ein Gefühl der Sicherheit

Anders ist das bei Zink und Selen. Zwar kommen die beiden Stoffe in Spuren in verschiedenen Nahrungsmitteln vor, können aber oft schlecht vom Körper aufgenommen werden oder gehen bei der Zubereitung verloren. "Seine Depots aufzufüllen, auch über einen längeren Zeitraum, kann dem ein oder anderen durchaus zugute kommen. Aber ob sie wirklich gegen Erkältungen helfen, ist nicht bestätigt."

Doch warum gibt es dann einen derart großen Markt und warum kaufen so viele Leute solche Mittel, wo doch eigentlich die Wirksamkeit umstritten ist? "Zum einen werden sie stark beworben. Zum anderen scheint es für viele Leute so einfach. Einfach eine Kapsel schlucken und schon hat man ein Gefühl der Sicherheit, etwas für sein Immunsystem getan zu haben." Koczian beobachtet: Die Menschen seien immer mehr beruflich eingebunden und am ehesten bereit, Zugeständnisse bei ihrer Ernährung zu machen. Sie essen einfach schnell etwas, die Qualität des Essens lässt aber oft zu wünschen übrig. "Es gibt also durchaus Patienten, für die solche Immun- und Vitaminpräparate sinnvoll sind. Aber niemals für alle."

Tipp vom Hausarzt: wirkungsvoll, wenn die Erkältung beginnt

Auch Jakob Berger, Allgemeinmediziner in Herbertshofen im Landkreis Augsburg, hat viele Erfahrungen mit Immunpräparaten und Vitaminkuren gemacht. Er sagt: "Natürlich gibt es keine gesicherten Nachweise, dass solche Mittel wirken. Aber in den vielen Jahren als Hausarzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie trotzdem eine gewisse Wirkung haben." Allerdings weist er darauf hin: "Ich stelle fest, dass diese Stoffe vor allem dann anschlagen, wenn man sie nicht durchgehend einnimmt, sondern dann, wenn die ersten Erkältungssymptome auftreten."

Jakob Berger setzt trotz seiner positiven Erfahrungen verstärkt auf natürliche Hilfsmittel, die in der Erkältungszeit helfen, zum Beispiel eine gesunde Lebensweise, ausreichend Schlaf, möglichst wenig Stress, Wechselduschen und körperliche Bewegung.

Viel kritischer sieht Berger den Umgang mit Arzneien, wenn zu der Erkältung auch Fieber hinzukommt. "Fieber ist ein Symptom des Körpers, um Viren abzutöten und Immunzellen zu bilden. Es mit Medikamenten zu unterdrücken, halte ich nicht für gut." Das schade vielmehr den eigenen Abwehrkräften. Außerdem fühle man sich oft besser und nehme sich zu viel vor, obwohl man eigentlich noch krank ist. "Man sollte stattdessen versuchen, das Fieber mit Wadenwickeln abzuleiten."

Mehr hilfreiche Informationen finden Sie hier in unserem Ratgeber zum Thema Gesundheit.

Hinweis der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Beitrag aus unserem Online-Archiv.

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