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Gesundheit
15.09.2020

Übertriebene Hygiene: Warum zu oft duschen ungesund ist

Zu oft sollten wir nicht duschen, denn dabei wird der ph-Wert unserer Haut angegriffen und gutartige Keime werden weggespült.
Foto: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Auf unserer Oberfläche tummeln sich etliche Mikroorganismen. Warum zu oft duschen für diese Schutzwand jedoch schädlich und damit ungesund ist.

Landauf, landab herrscht die Meinung vor: Bakterien sind böse. Sie haben den Ruf von hinterhältigen Krankmachern, denen man möglichst radikal den Garaus machen muss. Daher gelten Waschen, Putzen und Desinfizieren als heldenhafte Alltagsbeschäftigungen, ganz nach dem Motto: Je weniger Keime, desto besser. Doch Studien von Allergologen und Umweltmedizinern haben längst ergeben, dass jeglicher Hygienefanatismus schädlich ist. Und das aus mehreren Gründen.

Zu oft duschen: Wer Körperkeime killt, tötet auch die guten

Wer wahllos Körperkeime killt, erwischt dabei auch nützliche – mit unabsehbaren Folgen für das Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Bakterien, Viren und Pilze, die in und auf dem Menschen leben. Allein auf der Haut leben Milliarden von Mikroorganismen. Interessant ist für Forscher aber weniger ihre Gesamtzahl als ihre Art. Vereinfacht lässt sich nämlich sagen: Wer viele verschiedene Arten von Keimen beherbergt, ist tendenziell gesünder. So hat man zum Beispiel festgestellt, dass die Haut von Neurodermitikern eine vergleichsweise geringe Keimvielfalt aufweist.

Die Keime sind auf der Haut höchst unterschiedlich verteilt. Auf trockenen Hautarealen, etwa den Unterarmen, findet sich zwar eine kleinere Zahl, dafür aber eine größere Vielfalt an Bakterien als in Regionen, wo die Haut warm, feucht oder reich an Talg ist. „So lebt in den Achselhöhlen und im Genitalbereich eine hohe Anzahl an Bakterien, aber viele gehören zu den gleichen Stämmen. Ähnlich verhält es sich im talgreichen Gesicht“, erklärt der Dermatologe Professor Cord Sunderkötter von der Universitätsklinik Münster.

Artenreichtum herrscht dagegen auf den Handflächen vor: Dort leben bis zu 150 verschiedene Spezies. Besonders viele tummeln sich bei den meisten Menschen auf der rechten Hand, ganz einfach aus dem Grund, weil sie damit – von der Computertastatur über den Mülleimer bis zur Gartenschaufel – viel anfassen.

Hygiene: Hundehalter tragen Hundekeime auf der Haut

Wie sich das Mikrobiom der Haut zusammensetzt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Eine Rolle spielen unter anderem Alter, Geschlecht, Erbanlagen und Umgebung. Dabei haben Forscher herausgefunden, dass sich die Mikrobiome von Menschen, die länger zusammenleben, angleichen. So gibt es innerhalb einer Familie, die unter einem Dach wohnt, eine gemeinsame Schnittmenge.

Noch ausgeprägter sind die Ähnlichkeiten bei Partnern. Auch Haustiere tragen offenbar zum „Keimpool“ der Familie bei. Hundebesitzer beherbergen nämlich viele Hundekeime auf ihrer Haut, wie Sebastian Jutzi in seinem Buch „Der bewohnte Mensch“ schreibt.

Im Allgemeinen beherbergen Frauen eine größere Artenvielfalt auf ihrer Haut, berichtet er darin. Der Grund sei möglicherweise, dass Männer einen geringeren pH-Wert haben als Frauen. Und das mögen viele Arten nicht. Überhaupt hat der pH-Wert der Haut, der im Allgemeinen bei um die fünf und damit im leicht sauren Bereich liegt, einen Einfluss auf das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bakterienarten: „Klassische Hautbewohner“ wie Staphylococcus epidermis, die dazu beitragen, gefährliche Keime zurückzudrängen, fühlen sich in diesem Milieu wohl. Einige andere Mikroben mit krankmachendem Potenzial gedeihen in saurer Umgebung dagegen nicht. Daher sprach man früher vom „Säureschutzmantel der Haut“.

Wie oft ist duschen sinnvoll? Trockene Haut sollte nicht zu häufig gewaschen werden

Macht man diese schöne Einrichtung der Natur durch Waschen kaputt? Also besser nicht duschen? So weit möchte Dr. Ernst Tabori, ärztlicher Direktor am Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg, nicht gehen. Zwar werden beim Waschen Keime in großer Zahl weggespült. „Aber Bakterien vermehren sich und das Mikrobiom der gesunden Haut erholt sich schnell wieder“, sagt Tabori. Übertriebene Körperpflege kann die Haut dagegen irritieren. Vor allem bei Menschen mit trockener Haut führt häufiges Duschen mitunter zu Ekzemen mit kleinen Hautrissen, in die Keime eindringen können.

„Man darf sich also nicht von der Werbung lenken lassen und meinen, dass man mindestens einmal täglich duschen muss“, sagt Tabori. In der Regel reicht es, wenn sich Büro-Menschen drei- bis viermal die Woche unter die Brause stellen. Zur Reinigung sollte man bevorzugt milde, hautfreundliche Produkte mit möglichst wenigen Zusatzstoffen verwenden – etwa Wasch-Syndets mit niedrigem pH-Wert.

Klassische Seifen sind oft alkalisch und können den pH-Wert der Haut zumindest vorübergehend erhöhen. Vor allem aber können Kosmetika mit aggressiven Zusatzstoffen – wie dem Bakterienhemmer Triclosan – der Haut mitsamt ihrem Mikrobiom schaden. „Dadurch kann das ausgeklügelte Ökosystem der Haut aus den Fugen geraten, sodass Bakterienarten gedeihen, die man nicht haben will“, erklärt Tabori.

Umgekehrt müssen ungeduschte Zeitgenossen nicht die Befürchtung haben, zur Keimschleuder zu mutieren: „Selbst ein ungewaschener Mensch, der einen rustikalen Schweißgeruch verbreitet, muss deswegen noch kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen“, betont der Hygiene-Experte.

Urbakterien bei ungewaschenen Menschen gefunden

Für Mikrobiologen sind Hygiene-Muffel sogar ein wertvolles Reservoir für seltene Keime: So untersuchten Forscher der North Carolina State University (USA) Abstriche aus den Bauchnabeln von 60 Testpersonen. Ein Teilnehmer gestand, sich jahrelang nicht gewaschen zu haben. Tatsächlich lieferte er einen ansehnlichen bakteriologischen Beitrag: Bei ihm entdeckten die Forscher gleich zwei Archaeen-Arten – das sind Einzeller, die man früher auch Urbakterien nannte. Ob sie ihm irgendwie nützlich sind, ist nicht bekannt.

Klar ist, dass die Mikroorganismen auf der gesunden Haut in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Dieses Gleichgewicht ist ein wichtiger Schutz vor potenziell gefährlichen Mikroben. Bei einer Reihe von Hautkrankheiten hat man festgestellt, dass dieses System offensichtlich gestört ist. Dazu zählen zum Beispiel Schuppenflechte (Psoriasis), Akne und Rosazea, eine chronische Entzündung der Gesichtshaut.

Eine große Rolle spielt ein Ungleichgewicht im Mikrobiom bei Neurodermitis: Die Bakterienart „Staphylococcus aureus“ kommt auf der Haut der Betroffenen nämlich viel häufiger vor als bei gesunden Menschen. Bei Neurodermitikern lösen giftige Ausscheidungen der Staphylokokken eine überschießende Immunreaktion aus, wie Professor Claudia Traidl-Hoffmann, Chefärztin der Umweltmedizin am Klinikum Augsburg und Direktorin des Instituts für Umweltmedizin der TU München, erklärt. Das führt zu einer Entzündung, die mit dem typischen quälenden Juckreiz verbunden ist.

Bekämpft man den Keim Staphylococcus aureus – etwa durch antibakteriell wirkende Silbertextilien – bessert sich das Hautbild der Neurodermitiker meistens. „Silbertextilien sind durchaus hilfreich“, sagt Traidl-Hoffmann. „Wenn alle Keime reduziert werden, besteht aber die Gefahr, dass auch nützliche dabei sind.“

In einer Pilotstudie verfolgte die Forscherin einen anderen, vielversprechenden Ansatz: Sie behandelte die Haut von Neurodermitikern mit einer speziellen Creme, die „gute“ Hautkeime nähren und dadurch Staphylococcus aureus zurückdrängen sollte. Tatsächlich gingen die Entzündungen auf der Haut durch diese Behandlung zurück. „Dazu ist jetzt eine größere Studie geplant“, berichtet die Dermatologin.

Überhaupt will Traidl-Hoffmann das Phänomen Neurodermitis gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern im großen Stil erforschen: Zusammen mit der Kühne-Stiftung arbeiten Experten aus Augsburg, München, Davos, Zürich und St. Gallen an einem neuen Neurodermitis-Register. Die groß angelegte Datenbank soll helfen, die Krankheit besser zu verstehen und Therapien für verschiedene Verlaufsformen zu entwickeln. Auch aus den Mikrobiomen der Teilnehmer erhoffen sich die Forscher dabei Rückschlüsse auf die verschiedenen Neurodermitis-Formen. Patienten können sich dafür ab sofort im Klinikum Augsburg registrieren lassen, heißt es.

Mehr hilfreiche Informationen finden Sie hier in unserem Ratgeber zum Thema Gesundheit.

Hinweis der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Beitrag aus unserem Online-Archiv.

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