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Ratgeber

12.04.2018

Haarausfall: Was bringen Shampoos, Medikamente und Co.?

Werden die Haare der Männer erblich bedingt dünner, helfen keine Shampoos oder ein gesünderer Lebensstil.
Bild:  Andrea Warnecke (dpa)

Immer mehr Männer leiden unter Haarausfall. Der Markt für Koffeinshampoos und Medikamente boomt. Einige Mittel halten, was sie versprechen.

Eine volle Haarpracht ist der Traum vieler Frauen. Doch auch immer mehr Männer wünschen sich Haare, in denen die Finger versinken und die bei einem Luftstoß nicht gleich den Blick auf die Kopfhaut offenbaren.

Die Regale in den Drogeriemärkten und Apotheken stehen voll mit angeblichen Wundermitteln. Im Internet gibt es zahlreiche Medikamente und Ernährungstipps, die eine füllige Mähne versprechen.

Nur, was bringen die Mittel bei anlagebedingtem Haarausfall? Ist eine Haartransplantation am Ende der einzige Ausweg? Hier die wichtigsten Antworten.

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Wie viele Männer leiden unter Haarverlust?

Der anlagebedingte Haarausfall ist ein Problem, das fast jeden Mann betrifft. Bei den Betroffenen treten Geheimratsecken oder die kreisrunde kahle Stelle am Hinterkopf auf. Diese Form des Haarausfalls ist bei Männern die häufigste. Rund 95 Prozent sollen davon betroffen sein. "Viele, teils auch sehr junge Männer suchen wegen des Haarausfalls Dermatologen auf", erklärt Professor Julia Welzel, Chefärztin am Klinikum Augsburg.

Dabei ist der Umgang mit dem Haarverlust sehr verschieden. "Es gibt Männer, die den Haarverlust als natürlichen Alterungsprozess hinnehmen", sagt Dr. Andrea Sauter von der Praxis für Eigenhaartransplantation in München. Andere würden mehr darunter leiden. "Der Hauptleidensdruck kommt aus meiner Erfahrung von innen, aus dem Patienten selbst, da durch den Haarverlust der Prozess des Alterns verdeutlicht wird und das Äußere oft nicht mehr zum subjektiv empfundenen jüngeren Ich passt." Nur selten führe die Kritik Außenstehender zu Unzufriedenheit. Dies erlebe Sauter eher bei jüngeren Patienten.

Was bringen Koffeinshampoos und -tinkturen?

Das Geschäft mit Shampoos und Tinkturen für mehr Haarwuchs boomt. Die Regale sind voll mit den Wundermitteln, genau wie die heimischen Duschkabinen. "Koffein erhöht die Durchblutung der Haarwurzel", sagt Welzel. Doch durch das Ausspülen sei die Kontaktzeit sehr kurz, sodass kaum Effekte erzielt werden würden. Dr. Christoph Liebich, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in München, sieht das ähnlich: "Die bringen nichts und helfen nur den Herstellern und Apotheken, nicht den Betroffenen."

Welche Nährstoffe fehlen dem Haar, wenn es ausfällt? Was bringt es, einen gesünderen Lebensstil anzustreben?

Ist der Haarausfall erblich bedingt, bringt auch der Verzicht auf Alkohol oder zu viel Fleisch nichts. "Das hat nichts mit der Ernährung oder dem Lebensstil zu tun. Die Haare fallen ja auch nur in bestimmten Arealen am Kopf aus, während am Körper der Haarwuchs gleichzeitig meist zunimmt", sagt Dermatologin Welzel.

Es gebe andere Formen von Haarausfall, die bei Mangelernährung oder Hormonstörungen auftreten können. Zu viel Sonne auf der Kopfhaut begünstige laut Christoph Liebich aber auch den genetisch veranlagten Haarausfall weiter.

Gibt es Medikamente, die den Haarausfall stoppen können?

In frühen Stadien lasse sich das Fortschreiten des erblich bedingten Haarausfalls mittels bestimmter Medikamente aufhalten, sagt Andrea Sauter. Solche Mittel gibt es gerade im Internet zur Genüge. Der Nutzen hierbei sei laut Welzel allerdings oft nicht belegt. Die einzigen zugelassenen Wirkstoffe, die nachweislich bei Haarausfall helfen, sind Minoxidil und Finasterid. Beide Mittel könnten auch vorbeugend eingesetzt werden, so Welzel. Ebenso wie das mit Finasterid verwandte Dutasterid. Doch es sei Vorsicht geboten.

"Finasterid kann die Libido beeinflussen", erklärt Liebich. Das heißt, Männer können während und auch nach der Einnahme unter Erektionsstörungen leiden und im schlimmsten Fall impotent werden. "Die Dosierung dieser Medikamente bei Haarausfall ist aber so niedrig, dass es nur selten zu Nebenwirkungen kommt", sagt Welzel. In höheren Dosen können die Medikamente auch zu Brustschwellungen führen.

Wann kann über eine Haartransplantation nachgedacht werden?

Spätestens seit Jürgen Klopps neuer Mähne ist eine Haartransplantation für viele nicht mehr ganz auszuschließen. "Männer aller Altersstufen interessieren sich für eine Haartransplantation. Es ist aber wichtig, insbesondere bei jungen Männern, den möglichen Fortschritt des Haarausfalls zu bedenken und in diesem Sinne zukunftsorientiert zu planen", sagt Sauter. Wie bei jeder Operation könne es auch bei einer Haartransplantation zu Komplikationen kommen. Insgesamt beurteilt die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie den Eingriff aber eher als risikoarm.

Die Kosten richten sich nach der Anzahl benötigter Transplantate, den Vorstellungen der Patienten sowie dem Schwierigkeitsgrad des Eingriffs. Die Summe reicht von 800 bis 7000 Euro. "Das ist ein kostspieliger operativer Eingriff, der gut durchdacht werden sollte. Aber wenn kein Medikament hilft und der Leidensdruck so groß ist, ist die Haartransplantation eine Möglichkeit", sagt Liebich.

Ist von einer günstigeren Haartransplantation im Ausland abzuraten?

Fachlich qualifizierte Ärzte gibt es nicht nur in Deutschland. Doch eine Haartransplantation verlange eine hohe Fachexpertise, sagt Welzel. "Wenn Haartransplantationen schlecht gemacht wurden, sieht man beispielsweise eine wie mit dem Lineal gezogene Haargrenze, Büschelhaare oder hinter den verpflanzten Haaren ein Fortschreiten der Glatzenbildung." Außerdem besteht im Ausland das Problem der Entfernung. "Treten im Nachhinein Komplikationen und Probleme auf, sollte der Arzt vor Ort sein", betont Liebich.

Ähnliches gelte, so Sauter, für die Beratung vor dem Eingriff. "Eine solche Untersuchung sollte in ausreichendem Zeitabstand vor dem geplanten operativen Eingriff erfolgen, um dem Patienten Zeit für eine durchdachte Entscheidung zu geben." Bei einer Operation im Ausland sei das oft nicht möglich.

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