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Haushalt
13.06.2021

Ich krieg die Motten! Was jetzt zu tun ist

Ihr Name verrät ihr Ziel: Eine Dörrobstmotte mag Trockenobst. Im Haushalt sind immer wieder diese Tierchen anzutreffen.
Foto: Andrea Warnecke, dpa

Sie sind winzig und gefräßig. Es ist kein Spaß, wenn Motten über unsere Pullis oder das Lieblingsmüsli herfallen. Hauswirtschaftsmeisterin Rosemarie Weber weiß, was nun hilft.

Frau Weber, sind Motten heute tatsächlich noch ein Problem?

Rosemarie Weber: Aber ja, Mottenbefall ist eines der häufigsten Themen bei uns in der Beratung! Jetzt im Frühling, wenn es warm wird, sehen wir sie vermehrt fliegen.

Mit welchen Tierchen haben wir es denn zu tun?

Weber: Probleme bereiten uns zwei, die Lebensmittelmotte sowie die Kleidermotte. Kleidermotten sind etwas kleiner, maximal einen Zentimeter lang und haben gelbliche, an den Rändern etwas fransige Flügel, während die Mehlmotte etwa 1,3 Zentimeter lang wird. Typisch für sie sind etwas dunklere, gezackte Linien auf den Flügeln. Oft bemerkt man Lebensmittelmotten erst, wenn sich die erwachsenen Falter zur Fortpflanzung und auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Ablegen der Eier in der Wohnung bewegen. Die Falter sind nachtaktiv. Tagsüber sitzen sie ruhig an den Wänden. Da kann man sie auf dem helleren Hintergrund gut erkennen. Befruchtete Weibchen können nur sehr kurze Strecken fliegen, sie bewegen sich eher krabbelnd oder in kleinen Sprüngen vorwärts.

Wie kommen sie überhaupt zu uns in die gute Stube?

Weber: Sie flattern selten durchs offene Fenster. Meist schleppen wir sie über Lebensmittel oder Verpackungsmaterial wie Pappkartons, die bereits mit Eiern oder Larven befallen sind, ins Haus. Das ist schwer zu vermeiden, weil die Eier winzig klein und mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Apropos: Nicht die Motten sind die Übeltäter, sondern die Larven, ihre Babys. Sie futtern sich den Ranzen voll, um schnell zu wachsen.

Rosemarie Weber ist Hauswirtschaftsmeisterin und Leiterin des DHB-Netzwerks Haushalt in Augsburg.
Foto: Andrea Schmidt-Forth

Woran laben sie sich bevorzugt?

Weber: Kleidermotten fliegen auf tierische Fasern wie Wolle, Seide, Federn. Wollteppiche, alte stoffbezogene Sessel vom Speicher, ich sag nur Vintage!, oder ausgestopfte Tiere sind für sie ein gefundenes Fressen. Bei Kleidung genügt schon ein Wollanteil von 20 Prozent. Auch Hautschüppchen und Spuren von Schweiß auf getragener Kleidung ziehen sie magisch an. Lebensmittelmotten mögen fast alles, was wir in der Küche bunkern: Mehl und Müsli, Getreideflocken, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Zucker und besonders gern Trockenobst.

Kann man kontaminierte Lebensmittel noch essen, wenn man die Tierchen vorher beseitigt?

Weber: Nein, sie sind ungenießbar und müssen weg, denn über Kot und Häutungsreste können Bakterien, Viren und Pilzsporen übertragen werden, die zu Beschwerden verschiedenster Art führen. Bekannt sind Bindehautentzündung, Hautreizungen, Atemwegsbeschwerden, Darmerkrankungen und allergische Reaktionen. Deshalb sollten befallene Lebensmittel beseitigt werden – auch die, bei denen nur der Verdacht besteht, dass die Tierchen auf sie übergegangen sind. Die befallenen Lebensmittel gehören gleich nach draußen in die Tonne. Manchmal heißt es, man solle die Motten vor dem Entsorgen extra abtöten, etwa indem man die befallenen Vorräte mit heißem Wasser überbrüht. Aber ich glaube nicht, dass das dringend erforderlich ist.

War es das dann?

Weber: Oh nein, anschließend müssen noch der oder die Behälter sowie der Schrank gesäubert werden, mit einem feuchten Lappen oder Staubsauger beispielsweise.

Also einmal wischen und fertig?

Weber: Je gründlicher, desto besser. Die Tierchen sitzen ja nicht auf dem Brett und lachen Sie an! Sie sollten dazu auch in die Nischen, Bohrlöcher und Ecken gehen, notfalls mit dem Wattestäbchen. Und abschließend nehmen Sie den Föhn und eliminieren die letzten Spuren und Gelege in den Ritzen durch heiße Luft.

Könnte man den Motten auch gleich mit dem Dampfreiniger zu Leibe rücken?

Weber: Besser nicht. Denn wer weiß, was der heiße Dampf mit den Möbeln macht. Am Schluss bildet sich dort, wo sich Feuchtigkeit niederschlägt, Schimmel. Das hieße, den Teufel mit dem Belzebub austreiben.

Und wie erkennt man, ob Motten im Kleiderschrank waren?

Weber: An Fraßlöchern in der Kleidung. Außerdem hinterlassen die Tierchen klebrige Spuren und Fadengespinste. In diesem Fall muss alles raus aus dem Schrank, gewaschen, gereinigt oder tüchtig ausgebürstet und gelüftet werden. Ist der Schrank ausgewischt, können Sie ihn wieder einräumen und dabei gleich Gegenmaßnahmen starten.

Die heißen?

Weber: Deponieren Sie Lavendel, Zitronella oder Zedernholz in Duftsäckchen zwischen Woll- und Seidensachen. Alles, was für unsere menschliche Nase intensiv und aromatisch riecht, schreckt Kleidermotten ab. Auf die früher übliche Chemie in Form von Mottenkugeln, Mottensprays oder Mitteln für Verdampfer sollte man lieber verzichten. Denn dabei besteht die Gefahr, dass sich die Chemikalien im Raum verteilen, an Möbel und Wände anheften und bei empfindlichen Menschen oder kleineren Haustieren zu Reizungen der Atemwege oder Haut führen könnten. Greifen Sie lieber auf natürliche Substanzen zurück. So gibt es im Handel inzwischen auch Mottenstreifen mit natürlichen ätherischen Ölen. Und da Vorbeugen immer besser als Reagieren ist, gilt: Wer seine Sachen schützen möchte, sollte sie nach dem Tragen entweder gut lüften, waschen, reinigen lassen oder so verpacken, etwa in einen Kleidersack, dass die ungebetenen Gäste keine Chance haben.

Noch ein Tipp für die Küche?

Weber: Lebensmittelmotten haben enorme Beißerchen. Selbst Kunststofftüten sind nicht vor ihnen sicher. Am besten füllen Sie deshalb Müsli, Rosinen, Mehl und dergleichen nach dem Einkauf zuhause in dicht schließende und für Lebensmittel geeignete Kunststoffdosen, Blechdosen oder Gläser um. Sollten Sie Schädlinge heimgetragen haben, kommen diese aus diesem Behälter nicht mehr raus. Und der Schaden hält sich wenigstens in Grenzen.

Im Internet werden Schlupfwespen als Gegenmittel angepriesen…

Weber: Ja, solche Nützlinge kann man sich bestellen und im Küchenschrank deponieren. Sie legen ihre Eier in den Eiern der Motten ab und verhindern so, dass diese sich weiter vermehren. Schlupfwespen selbst sind unschädlich und verschwinden ganz von alleine, sobald keine Motten mehr da sind. Zum Einsatz von Schlupfwespen würde ich aber nur bei ganz starkem Befall greifen.

Und was ist mit Pheromonfallen?

Das sind mit dem Sexualduftstoff der Weibchen ausgestattete Klebefallen, die man auf den Küchenschrank stellen kann. Sie sind aber kein Gegenmittel in dem Sinn, sondern dienen nur zur Kontrolle, ob man die Mottenplage in den Griff bekommen hat. Viel Glück!

Rosemarie Weber ist Hauswirtschaftsmeisterin und Leiterin des DHB-Netzwerks Haushalt in Augsburg.

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