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Höhere Verbraucherpreise
30.07.2021

Inflation: Bundesbank-Chef Weidmann lag mit seiner Prognose richtig

Die Inflationrate ist in Deutschland deutlich gestiegen.
Foto: Patrick Pleul, dpa

Waren und Dienstleitungen verteuern sich. Bundesbank-Chef Weidmann hatte den Trend bereits im Februar in einem Interview mit unserer Zeitung angekündigt.

Die Verbraucherpreise in Deutschland ziehen an. Waren und Dienstleitungen verteuerten sich im Jahresvergleich um 3,8 Prozent. So viel, wie seit 13 Jahren nicht mehr. Das gab das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekannt.

Damit lag die jährliche Inflationsrate in Deutschland erstmals seit August 2008 wieder über der Marke von drei Prozent. In der damaligen Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Teuerung wiederholt über drei Prozent gelegen.

Einen Anteil an den gestiegenen Verbraucherpreisen hat die Steigerung der Spritkosten.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Überraschend kommt das nicht. Zumindest nicht für Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Der sagte schon im Februar im Interview mit unserer Redaktion: "Die Inflationsrate bleibt nicht auf Dauer so niedrig wie im vergangenen Jahr." Damals hatten sich die Verbraucherpreise in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2020 um 0,5 % gegenüber 2019 erhöht. Verbraucher müssten sich in Corona-Zeiten erst einmal darauf einstellen, dass etwa die Preise für Fleisch, Obst und Gemüse zulegen werden.

Die Mehrwertsteuer ist ein Grund für die teureren Preise

Als Grund nannte Weidmann die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer. "In Deutschland ist die Mehrwertsteuer wieder auf ihr altes Niveau angehoben worden. Das schlägt auf die Preise durch." Mit der Maßnahme wollte die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum ankurbeln. Seit dem 1. Januar gelten wieder die üblichen Sätze. Auch das Statistische Bundesamt nennt jetzt die gesenkte und wieder angehobene Mehrwertsteuer als Grund für die aktuellen Zahlen.

"Die Inflationsrate bleibt nicht auf Dauer so niedrig wie im vergangenen Jahr", sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Februar.
Foto: Arne Dedert, dpa

Zudem steigen laut Statistischem Bundesamt seit Monaten die Energiepreise überdurchschnittlich. Vor einem Jahr waren die Rohölpreise mit Ausbruch der Corona-Krise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt eingebrochen. Seither hätten sie sich erholt. Weidmann ergänzt: "Hinzu kommt die CO2-Bepreisung, die ebenfalls die Inflationsrate erhöht." Seit Januar sind in Deutschland 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Und wie geht es jetzt weiter? "Aus heutiger Sicht dürfte die Inflationsrate gemäß dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex in Deutschland zum Jahresende hin über drei Prozent liegen", sagte Jens Weidmann im Februar. Heute geht der Bundesbank-Chef davon aus, dass die Inflation wohl weiter steigen wird. "Meine Fachleute erwarten etwa für Deutschland zum Jahresende 2021 Raten, die in Richtung 5 Prozent gehen könnten", sagte er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (joni, dpa)

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Die Diskussion ist geschlossen.

31.07.2021

Ich finde Jens Weidmann hat zwar sehr recht und auch in seinen Vorjahren recht behalten, aber gegen die EZB können wir nicht viel erreichen leider. EU wird immer im Vorteil sein und die Deutschen müssen es leider mittragen. Ich bin zwar für eine EU, aber auch mit Augenmaß. Was den null Zins angeht, stolpert die Europäische Union in eine Große Schuldenfalle. Immer kann das nicht weiter gehen, denn das veranlasst viele Länder nur Schulden machen, aber keines Wegs zum Aufruf Sparen.

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30.07.2021

Knapp vier Prozent Preissteigerung: Müssen wir uns Sorgen machen? Nun, die Stabilität des Euro beruht auf zwei Säulen, dem Stabilitätspakt und einer soliden Geldpolitik.

Eine Kontrolle dieser Pfeiler zeigt deutliche Risse, die schnell tiefer werden könnten: überschuldete EU-Staaten und eine ultralockere Geldpolitik. Doch anstatt notwendige Reparaturen vorzunehmen, schickt Europa die Kontrolleure nach Hause. Das Inflationsziel ist inzwischen schon weicher, und beim Stabilitätspakt gibt es ähnliche Bestrebungen.

Auf "Nachfrage" nach dem Zustand des Bauwerkes "reagiert" Brüssel mit einem Vertragsverletzungsverfahren. Und die EZB scheint Inflationsrisiken eher kleinreden zu wollen.

Also: Inflation kein Thema? Abwarten! Jedenfalls könnte die Entwicklung der Preise im Vorfeld der kommenden Bundestagswahl doch noch zum Thema werden.

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30.07.2021

Ich stelle hier nur eine gezielte Frage.

Was geenkt den die Bundesbank nun zu unternehmen? Wie groß ist ihr Einfluß bei der EZB, die ja ihre Null-Zinspolitik damit begründet, dass die Inflation unter 2% liegt. Nun liegt die besagte Rate schon länger über dieser Marke und wird, wie in dem Artikel geschrieben, auf absehbare Zeit auch noch immer weiter steigen.

Wann endlich bewegt sich mal die EZB?

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29.07.2021

Irgendwie war das doch zu erwarten. Gefühlt, und größtenteils auch in der Realität, wird alles teurer. Man hat den Eindruck, daß viele versuchen ihre Zwangsschließungsverluste weiter zu geben, obwohl die zu einem gewiassen Teil durch unseren Staat ersetzt wurden.. Mir fält das insbesondere in Gaststätte und Restaurtants auf. Da wird ganz schön hingelangt.

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