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Steuer 2020

01.12.2020

Homeoffice und Co: Wie Sie bis Jahresende Steuern sparen können

Viele Steuerzahler bekommen nach ihrer Steuererklärung Geld vom Staat zurück. Einige Chancen auf eine höhere Rückzahlung 2021 lassen sich 2020 noch nutzen.
Bild: Benjamin Nolte, dpa

Vom Bündeln von Krankheitskosten bis zur niedrigen Mehrwertsteuer: 2020 lassen sich besonders viele Steuersparchancen nutzen. Was in den kommenden Wochen noch geht.

Das Homeoffice fotografieren, die Freibeträge optimieren, den Corona-Bonus abholen und die geringere Mehrwertsteuer noch ausschöpfen: Es ist allerhöchste Zeit für den Schlussspurt in Sachen Steuern. In diesem Corona-Jahr kann es sich für Millionen Bürger besonders lohnen, die eigene Steuerlast auf den letzten Drücker zu senken. Der Zeitaufwand ist gering. Der Effekt für den Geldbeutel kann enorm sein, wie Isabel Klocke erklärt, Expertin beim Bund der Steuerzahler in Berlin. Bestenfalls lassen sich viele hundert Euro sparen. Das gilt für Arbeitnehmer, Rentner, Sparer, Unternehmer. Werden die Steuerkniffe nicht ausgeschöpft, sind sie mit dem Krachen der Böller an Silvester verloren. Hier sind die Steuersparchancen des Corona-Jahres 2020:

Steuer-Tipp im Corona-Jahr: Noch bis Silvester für den Job einkaufen

Was sich jetzt noch enorm rechnen kann, ist die gezielte Anschaffung von Arbeitsmitteln. Das drückt die Steuerlast – auch für alle, die daheim vom Küchentisch aus arbeiten. Wer bislang gezögert hat, ein neues Notebook, Smartphone oder einen Computer zu kaufen, den er auch beruflich nutzt, sollte das noch bis Silvester tun und nicht auf 2021 verschieben – wenn er es sich leisten kann. Dasselbe gilt für die Anschaffung von Büromaterialien, teuren Fachbüchern, einer neuen Aktentasche oder eines Schreibtisches.

Was Käufe auf den letzten Drücker zusätzlich attraktiv macht, ist die bis Jahresende noch abgesenkte Mehrwertsteuer von 16 statt 19 Prozent. Der Vorteil wird aller Voraussicht nach nicht verlängert. Generell gilt: Für Ausgaben rund um den Beruf rechnet der Fiskus jedem Beschäftigten 1000 Euro Werbungskostenpauschale an. Auch dann, wenn der Einzelne weniger Aufwendungen hatte. Wer über die Pauschale hinauskommt, für den lohnt es sich jetzt einzukaufen. Es kann sich zudem rechnen, auch die Gebühr für eine ins nächste Jahr geschobene Fortbildung oder ein berufliches Seminar noch bis Silvester zu überweisen.

Warum Sie Krankheitskosten für die Steuer bündeln sollten

In den meisten Familien kam übers Jahr so einiges an Ausgaben für die Gesundheit zusammen: Zahnspange, neue Brille, Hörgerät, Zahnersatz, Physiotherapie oder Medikamente. Solche Kosten sind aber erst ab einer bestimmten Hürde absetzbar. Je mehr Rechnungen und je weniger Einkommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Fiskus daran beteiligt. Wer 2020 schon viel für Behandlungen oder den Treppenlift ausgeben musste, sollte den Kauf der neuen Einlagen oder der Brille bis Silvester auch noch angehen, also Ausgaben bündeln, wenn es finanziell drin ist. Denn: Das Absetzen von außergewöhnlichen Belastungen wie Krankheitskosten ist seit geraumer Zeit deutlich leichter geworden.

Die Hürde der zumutbaren Eigenbelastung lässt sich jetzt früher überspringen. Zusammengezählt wird alles, was der Arzt verordnet hat und was von den Kassen nicht erstattet wird wie Rezeptzuzahlungen, Kuren, Massagen, Augenlasern, Therapien. Es kann sich sogar lohnen, eine Arztrechnung noch bis Silvester zu zahlen, obwohl die Behandlung erst 2021 weitergeht. Das kann einen Steuervorteil von einigen hundert Euro bedeuten.

 

Steuer 2020: Das sollten Sie bei Versicherungen beachten

Geld locker machen, um Steuern zu sparen, kann sich auch noch anderswo rechnen. Privat Krankenversicherte mit Finanzpolster sollten beispielsweise überlegen, ob sie bis Silvester schon die Beiträge für 2021 zahlen. Das geht, sogar bis zu 2,5 Jahre im Voraus. Und rentiert sich, wenn die Einkünfte dieses Jahr besonders hoch sind, etwa durch Boni oder Top-Umsätze, und wenn ein hoher Steuersatz gemindert werden soll. Dieser Kniff kann bis zu 2000 Euro und mehr sparen, je nach Beitragshöhe und Steuersatz.

Im Voraus die PKV-Prämie zu zahlen, lohnt sich steuerlich auch, wenn jetzt schon klar ist, dass jemand 2021 deutlich weniger verdient wegen Elternzeit, Mutterschaft, einer Auszeit im Job oder schlechter Auftragslage. Sparchancen gibt es außerdem mit Sonderzahlungen noch bis zum Jahreswechsel zur Altersversorgung, etwa in die staatliche Rentenkasse, in die Rürup-Versicherung oder in ein Versorgungswerk.

Jetzt das Homeoffice für die Steuer dokumentieren

Millionen Arbeitnehmer wurden in diesem Jahr von ihrer Firma dazu verdonnert, plötzlich von zu Hause aus zu arbeiten. Die meisten mussten sich praktisch über Nacht am Küchentisch installieren und haben seit Monaten höhere Kosten. Für alle mit Notbehelf zu Hause gilt jetzt: Fotos von der provisorischen Arbeitsecke machen, in der gearbeitet wird. Vom Arbeitgeber schriftlich bestätigen lassen, dass man wegen der Pandemie nicht ins Büro durfte.

Die Belege für Ausgaben wie Schreibtischstuhl, Laptop und für erhöhte Telefon- oder Stromkosten sammeln. Auch ein einfacher Arbeitsplatz daheim lässt sich steuerlich geltend machen. Die Bundesregierung will eine neue Homeoffice-Regelung mit einer Pauschale von 600 Euro im Jahr ins Jahressteuergesetz 2020 aufnehmen. Damit können nicht mehr nur die Beschäftigten profitieren, die ein separates Arbeitszimmer vorzuweisen haben.

Was Sie bei einem Corona-Bonus beachten sollten

Was häufig unterging: Arbeitgeber dürfen ihren Beschäftigten in diesem Jahr einen Corona-Bonus von bis zu 1500 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei auszahlen. Alternative: Die Prämie in Form von Sachleistungen gewähren. Voraussetzung: Die Sonderleistung für die Zeit zwischen dem 1. März und 31. Dezember gibt es zusätzlich zum regulären Arbeitslohn. Sie gilt quer durch alle Branchen und Berufe. Hat sich ein Betrieb bereit erklärt, den Bonus zu gewähren, aber noch nicht bezahlt, sollte das noch in diesem Jahr passieren, wie Klocke betont. Sonst kommt von der gut gemeinten Prämie deutlich weniger beim Mitarbeiter an. 2021 werden darauf aller Voraussicht nach wieder Steuern und Sozialversicherung fällig.

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