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Interview
16.10.2019

Verletzungsgefahr für Hunde und Katzen: Darauf sollten Besitzer achten

Wodurch verletzen sich Hunde und Katzen in Augsburg am häufigsten? Eine Tierärztin gibt Tipps für Besitzer.
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Wodurch verletzen sich Hunde und Katzen in Augsburg am häufigsten? Eine Tierärztin gibt Tipps für Besitzer.
Foto: Zacharie Scheurer, dpa (Symbolbild)

Wodurch verletzen sich Hunde und Katzen am häufigsten? Können Besitzer etwas tun, um die Verletzungsgefahr zu minimieren? Eine Tierärztin gibt Tipps.

Frau Müller, mit welcher Art von Verletzungen kommen Vierbeiner und deren Besitzer am häufigsten in Ihre Praxis?

Bettina Müller: Sowohl bei Katzen als auch bei Hunden kommt es am häufigsten zu Bissverletzungen durch Raufereien untereinander. Hunde haben außerdem häufig Schnittverletzungen an ihren Pfoten durch Glasscherben.

Was muss ein Katzenhalter bezüglich einer Bisswunde wissen?

Müller: Bei Katzen sind Bissverletzungen häufig schlecht sichtbar. Die Eckzähne von Katzen, die sie eigentlich zum Mäusefangen benutzen, sind lang und spitz. Sie durchdringen die Haut und hinterlassen nur ein stecknadelgroßes Loch. Darüber bildet sich eine Kruste, die Wunde verschließt sich sofort wieder und man sieht die Bissverletzung nicht mehr. Wenn sich in der Wunde Bakterien vermehren, entzündet sie sich und beginnt zu eitern. Tiere mit Bissverletzungen verstecken sich, lassen sich oft nicht mehr anfassen oder humpeln. Das können Anzeichen für Besitzer sein, dass ihre Katze gebissen wurde. Bei einem Tierarztbesuch wird die Wunde gespült und ein Antibiotikum verschrieben, so verschließt sie sich meist von selbst.

Was unterscheidet eine Bissverletzung bei einem Hund von der einer Katze?

Müller: Hunde schütteln den anderen Hund bei Raufereien. Die Bissverletzungen sind hier großflächiger und somit besser sichtbar. Generell sollte der Tierarzt bei großen oder tiefen Bissverletzungen immer ein Antibiotikum verschreiben, da sich in der Maulhöhle von Tieren zahlreiche Bakterien befinden, die schwere Wundinfektionen verursachen können.

Was kann man als Besitzer tun, um Bissverletzungen vorzubeugen?

Müller: Meist ist es besser, wenn Hunde unangeleint aufeinandertreffen. Aber natürlich nur, wenn der Besitzer es verantworten kann, seinen Hund frei laufen zu lassen. Denn Hunde verstehen sich meist besser, wenn sie nicht an der Leine sind. Sie fühlen sich durch ihr Herrchen sicher, bestärkt und werden anderen Hunden gegenüber frech. Am ungünstigsten ist es, wenn ein Hund an der Leine ist und der andere nicht. Ohne Leine passiert meist weniger. Selbst wenn sich die Hunde kurz anraunzen, regeln sie das im Normalfall ohne Blutfließen.

Wieso treten vor allem Hunde häufig in Glasscherben?

Müller: Hunde haben vor allem im Sommer häufig Schnittverletzungen an ihren Pfoten, also Ballen. Wenn manche Menschen ihre Glasflaschen, die sie an den Lech mitbringen, nicht wieder mit nach Hause nehmen, dann wird es für Hunde gefährlich. Es gibt Zeiten im Sommer, da gehe ich mit meinen Hunden auch nicht mehr an den Lech. Die Gefahr ist zu groß, dass sie sich verletzen. Falls sich ein Hund schneidet, gibt es wasserdichte Überziehschuhe aus Neopren, die über den Pfotenverband gestülpt werden. Mit diesen können die Hunde trotz Verletzung spazieren gehen.

Was sollte man als Hunde -oder Katzenbesitzer in Form einer Art "Notfallapotheke" immer zuhause haben?

Müller: Bei oberflächlichen Wunden kann ein Desinfektionsmittel helfen. Bei einer tieferen Verletzung hilft das allerdings nichts mehr, da das Desinfektionsmittel nicht tief genug in die Wunde eindringt. Hier muss der Tierarzt dann mit antibiotischen oder entzündungshemmenden Tabletten arbeiten. Generell ist im Erste-Hilfe-Kasten für Menschen eigentlich alles drin, was man braucht. Wenn eine oberflächliche Wunde am nächsten Tag nicht eitert und nässt, muss man nicht immer zum Tierarzt gehen.

Wie oft kommt es vor, dass Tiere von Hunden- beziehungsweise Katzenhassern vorsätzlich verletzt werden?

Müller: Katzen essen nicht alles, was man ihnen vor die Nase legt. Deshalb ist es zum Beispiel auch schwerer ihnen Medikamenten über das Futter zu verabreichen. Somit sind sie weniger Ziel. Bei Hunden sieht das anders auch: Erst letztens hat mein Sohn in der Hammerschmiede mit Heftklammern präparierte Wiener gefunden. Auch in der Kuhseegegend gibt es immer wieder Vorfälle.

Was sollten Hundebesitzer tun, wenn der Verdacht besteht, dass der Hund ein solches Präparat gegessen hat?

Müller: Als Besitzer kann man selbst nichts tun. Es herrscht der Irrglaube, dass es hilft, seinem Hund bei einer Vergiftung Milch zu füttern. Das ist falsch: Es gibt sogar bestimmte fettlösliche Gifte, die durch Milch besser aufgenommen werden. Wenn der Hund Symptome, wie Durchfall, Erbrechen oder neurologische Auffälligkeiten zeigt, schnell einen Tierarzt aufsuchen, in akuten Fällen am besten gleich eine Tierklinik.

Bettina Müller führt die "Tierarztpraxis Hammerschmiede" seit 2012.
Foto: A. Ender (Archiv)

Zur Person: Bettina Müller führt die "Tierarztpraxis Hammerschmiede" in Augsburg seit 2012. In ihrer Praxis behandelt sie Kleintiere.

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