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Partnerschaft

29.06.2018

Konflikte in Beziehungen: Wenn der Partner dem Streit ausweicht

Streits müssen nicht mit knallenden Türen und lautem Geschrei ausgetragen werden.
Bild: Monique Wüstenhagen, dpa-tmn (Symbolbild)

Bei Paaren, die nie streiten, herrscht pure Harmonie? Von wegen! Dass nie die Fetzen fliegen, kann auch daran liegen, dass eine Seite Konflikte abblockt.

Ein schmutziger Kaffeebecher in der Spüle - und schon ist sie wieder da, die große "Nie kümmerst du dich um irgendwas!"-Debatte. Auseinandersetzungen mit dem Partner sind in vielen Beziehungen Alltag. Doch geht es auch anders? Das vermitteln zumindest die Paare, die sich bei der Runde mit Freunden tief in die Augen schauen und anschließend beteuern: "Wir streiten uns nie!" Aber: Muss dicke Luft in einer Beziehung nicht ab und zu sein?

Wenn Partner sich nie streiten, muss das nicht zwangsläufig ungesund sein. "Es gibt Paare, die über Konflikte in Ruhe sprechen können. Die sich bemühen, eine gute Lösung zu finden und die es aushalten, wenn es keine einfache Lösung gibt oder ein Kompromiss nicht möglich ist", erklärt Berit Brockhausen, Psychotherapeutin und Paarberaterin in Berlin. Diese Paare tragen Konflikte nicht mit lauten Vorwürfen, verletzenden Worten oder knallenden Türen aus, sondern ruhig und sachlich.

Wer an diesen Punkt gelangen möchte, sollte sich Brockhausen zufolge eine Frage stellen: "Will ich Recht haben - oder will ich es gut mit meinem Partner haben?" Wer sich für die zweite Option entscheidet, konzentriert sich auf das Wesentliche: eine Lösung zu finden. Nebeneffekt: Diese Paare führen keine stundenlangen Diskussionen, die damit enden, dass einer wütend das Haus verlässt.

Sachlich orientierte Lösungen finden

Ein weiterer Grund, warum Paare nicht streiten, kann sein, dass es bisher keine schwierigen Interessenskonflikte gab, so Brockhausen, die unter dem Titel "Schöner Streiten" einen Ratgeber für Paare veröffentlicht hat. Gerade in der ersten Zeit einer Beziehung herrscht Harmonie: Alles ist frisch, rosarot - und die kleinen Macken des Partners erscheinen eher niedlich als nervig. Schlechte Nachricht: Dieser Zustand hält in der Regel nicht ewig. Eines Tages tauchen in jeder Beziehung Themen auf, die sich nicht innerhalb von fünf Minuten durch Nachgeben oder Kompromisse klären lassen.

Wenn Paare nicht streiten, kann das aber auch ungesund sein - etwa wenn die Partner heikle Themen unter den Teppich kehren oder ihre Gefühle herunterschlucken. Auseinandersetzungen zu vermeiden ist keine nachhaltige Lösung, sagt Henning Matthaei, Paartherapeut in Hamburg. Gerade sensible Fragen wie "Wollen wir ein Kind?" oder "Wo möchten wir in einigen Jahren leben?" müssen eines Tages geklärt werden, wenn die Beziehung eine Zukunft haben soll.

Besonders schwierig haben es Männer und Frauen, die gerne streiten möchten, deren Partner jedoch beim kleinsten Anzeichen einer Auseinandersetzung abblockt oder gar das Zimmer verlässt. Hier sollte das Paar klären, ob die Rahmenbedingungen des Gesprächs stimmen. "Manche Gespräche kommen einfach zur Unzeit, zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag oder gegen 23.00 abends", so Volker Hepp, Paartherapeut aus Inning am Ammersee (Bayern). In diesem Fall helfe es, die Auseinandersetzung zu verschieben.

Manchmal ist ein anderer Ort zum Streiten besser

Auch der Ort kann nicht der richtige sein. Große Beziehungsfragen tauchen nicht immer auf, wenn man gemütlich mit einer Flasche Rotwein am Küchentisch sitzt. Manchmal zeigt sich auch an der Bushaltestelle oder im Café Gesprächsbedarf - Orte, an denen sich einige Menschen nicht gerne streiten mögen. Hier ist ein Ortswechsel sinnvoll.

Was, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, der Partner dennoch ausweicht? "Wenn jemand im Gespräch blockiert, dann normalerweise, weil er mit dem nicht zurechtkommt, was der andere ihm sagt", erläutert Matthaei. Eine erste Maßnahme kann sein, nachzufragen, warum der Partner nicht ins Gespräch einsteigen mag. Antwortet er oder sie nicht, rät Matthaei, die Situation zu verlassen: "Meistens ist ein wenig Zeit und Raum hilfreich, um wieder aufeinander zugehen zu können."

Jeder Beziehungspartner tickt anders. Das zeigt sich besonders in Streitsituationen. Nicht jeder kann spontan überzeugende Argumente oder Einblicke in seine Gefühlswelt formulieren. "Vielleicht braucht der Partner Zeit, um sich zu sortieren, aber es wird eine schnelle Antwort erwartet", sagt Hepp. Was ebenfalls hinter einem Abblocken stecken kann, ist die Angst davor, dass die Beziehung zerbricht.

Jeder geht anders mit Konflikten um

Um langfristig damit umzugehen, dass der Partner ungern diskutiert, hilft vor allem Verständnis. Warum verhält sich der oder die Liebste so? Und: Was braucht mein Partner, um sich zu öffnen, und wie kann ich dabei helfen? Um diese Fragen zu klären, kann laut Hepp auch eine Paartherapie sinnvoll sein. Denn wer Streit vermeidet, trägt dieses Verhalten meist schon viele Jahre durch sein Leben.

"Es ist unbedingt sinnvoll, sich als Paar darüber auszutauschen, wie man Konflikte angeht", so Hepp. Fragen, die ein Paar in diesem Zusammenhang klären kann, sind etwa: Was braucht jeder Partner an Atmosphäre und Rahmenbedingungen, um sich in einem Streitgespräch wohlzufühlen? Wo sind die wunden Punkte, die zuverlässig einen Gefühlsausbruch auslösen, und wie kann man damit umgehen? Wenn dann auch noch Vertrauen, Respekt und Zuneigung dazukommen, hat das Paar gute Chancen, Konflikte dauerhaft zu lösen, so Matthaei. (dpa)

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