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Gesundheit

29.05.2020

Lebensmittel: Ist das noch gut - oder muss das weg?

Das Mindesthalbarkeitsdatum ist überschritten - kann man die Lebensmittel trotzdem noch essen?
Bild: Lino Mirgeler, dpa

Eine Hauswirtschaftsmeisterin erklärt, wie man erkennt, ob Lebensmittel noch gefahrlos genießbar sind. Und ob Schimmel wirklich gefährlich ist.

Irgendwie kauft man doch immer zu viel ein, mit der Folge, dass Essen im Müll landet. Etwa 64 Kilo pro Kopf und Jahr in Bayern.

Wie sich das vermeiden lässt und wie lange Lebensmittel haltbar sind, darüber sprachen wir mit Rosemarie Weber. Die Hauswirtschaftsmeisterin ist erste Vorsitzende des DHB-Netzwerks Haushalt in Augsburg.

Können wir die Steaksoße vom vergangenen Jahr noch aufbrauchen?

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Rosemarie Weber: Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) schon verstrichen? Es gibt an, wie lange der Hersteller für einwandfreien Zustand und Geschmack, im ungeöffnetem Zustand, garantiert. Auch wenn schon geöffnet, könnte die Soße noch genießbar sein.

Ich empfehle den Test mit allen Sinnen. Sieht die Soße noch appetitlich aus? Wie riecht sie? Schmeckt sie noch gut? Sonst ab damit in den Müll. Und in Zukunft lieber zu einer kleineren Packungsgröße greifen, beziehungsweise Soßenreste während der kalten Jahreszeit kreativ verarbeiten.

Eier sind lange haltbar - sollten aber nicht in der prallen Sonne stehen

Wie weiß ich, ob ein Ei noch frisch ist?

Weber: Eier sind ziemlich lange haltbar, vom Legedatum bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum sind es etwa vier Wochen. Sie müssen nicht zwingend die komplette Zeit im Kühlschrank aufbewahrt werden, sollten allerdings auch nicht in der prallen Sonne stehen. Das genaue Datum steht auf der Packung. Ältere Eier grundsätzlich lieber verbacken oder hart gekocht verzehren. Besser ist es, die Eier gleich nach dem Kauf zu kühlen und in die passende Vorrichtung in der Kühlschranktür umzupacken. Durch Salmonellen und andere Keime, die auf der Eierschale sitzen, könnten die Eierkartons verkeimt werden. Bitte auch das Mindesthaltbarkeitsdatum notieren.

Hat man das vergessen, zeigt der Schütteltest, ob das Ei noch gut ist. Ei zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und vorsichtig schütteln. Ist ein deutliches Glucksen zu hören, hat sich im Inneren eine Luftblase gebildet. Das Ei ist also schon älter und sollte bald verbraucht werden.

Ein frisches Ei macht kein Geräusch, wenn man es sanft hin- und herbewegt. Aufschluss gibt auch der Wasser-Test: Ei dazu in ein großes Glas Wasser legen. Ein frisches Ei sinkt zu Boden. Ein älteres Ei steigt dagegen auf und schwimmt an der Oberfläche – besser weg damit! Spätestens wenn man das Ei in eine Tasse aufschlägt, verrät schwefeliger Geruch, dass es verdorben ist.

Eier sind ziemlich lange haltbar - sollten allerdings nicht in der prallen Sonne liegen.
Bild: Friso Gentsch, dpa

Bei vielen Lebensmitteln hilft: Mit allen Sinnen testen

Eine Scheibe vom Brot ist schimmelig. Muss jetzt der ganze Laib weg?

Weber: Besser schon, denn durch die Struktur können sich die Sporen im kompletten Brot verteilen. Außerdem sollte man den Brotkasten gründlich mit Essigwasser säubern, einen Brottopf aus Keramik danach 20 Minuten im Backofen bei 200 Grad Celsius trocknen lassen. Schimmel ist ungesund und lässt sich auch nicht durch Erhitzen beseitigen. Befallene Lebensmittel gehören deshalb in den Müll, egal ob Obst, Gemüse, Gebäck, Nüsse oder Milchprodukte.

Eine Ausnahme bilden luftgetrocknete Würste oder Schinken bzw. Hartkäsesorten wie Parmesan oder Emmentaler. Sie haben einen hohen Salzanteil und wenig Wasser, dadurch kann sich der Schimmel nicht so schnell ausbreiten. Man kann die Stelle großzügig wegschneiden. Aber auch da gilt: mit allen Sinnen testen, im Zweifel lieber davon trennen.

Meine Oma hat Schimmel von der Marmelade immer weggekratzt. Reicht das nicht?

Weber: Früher hat man das so gemacht. Ich würde davon eher abraten, vor allem, wenn es sich um Fruchtaufstriche mit einem geringeren Zuckeranteil handelt, die zum Beispiel mit Gelierzucker 2:1 oder 3:1 bzw. 70 Prozent Fruchtanteil gekocht wurden. Je weniger Zucker, desto leichteres Spiel haben die Schimmelsporen.

Bei einer Packung eingeschweißter Wurstscheiben wölbt sich der Deckel, was nun?

Weber: Frische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch oder Wurst sind leicht verderblich. Zeigen sich an der Verpackung Auffälligkeiten, etwa Lufteinschlüsse, Verfärbungen oder Feuchtigkeit, wo sie nicht hingehört, weg damit!

Gleiches gilt, wenn auf der Verpackung ein Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“) angegeben ist. Anders als bei einem Mindesthaltbarkeitsdatum sollten diese Lebensmittel nach Ablauf des Datums nicht mehr verzehrt werden.

Konserven sind oft länger haltbar als auf den Dosen engegeben.
Bild: Paul Zinken, dpa

Gekochtes sollte man nicht länger als zwei bis drei Tage aufbewahren

Ich habe gehört, Konserven seien eigentlich viel länger haltbar als bis zum angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum?

Weber: Ja, das stimmt in vielen Fällen. Auch hier muss nicht alles gleich weg, nur weil das MHD abgelaufen ist. Da hilft wieder der sensorische Test: Wie sieht der Inhalt aus? Wie riecht er? Schmeckt er noch gut? Außerdem muss die Dose intakt sein. Hat sie eine Delle, könnte der Lack, der das Lebensmittel vor dem Metall schützt, beschädigt sein.

Weitere Gründe, die Konserve wegzuwerfen, wären ein zischendes Geräusch beim Öffnen oder schwarze Flecken im Deckel. Bei überlagerten Fisch- und Fleischkonserven bin ich besonders vorsichtig. Sind Konservendosen aufgebläht, darf der Inhalt auf keinen Fall mehr verzehrt werden. In ihnen könnte sich ein Keim ausbreiten, der zu einer schweren Lebensmittelvergiftung, dem sogenannten Botulismus führt.

Stimmt es, dass gekochte grüne Bohnen oder gekochter Reis nach zwei Tagen nicht mehr verzehrt werden sollten, selbst wenn man sie im Kühlschrank aufbewahrt hat?

Weber: Auch Gekochtes sollte man grundsätzlich nicht länger als zwei oder drei Tage aufbewahren, wenn man sich nicht den Magen verderben möchte! Die Devise ist: aus dem Kochtopf in ein kühles Gefäß umfüllen, so schnell wie möglich abkühlen und ab ins mittlere Fach im Kühlschrank.

Eine gute Alternative ist, portionsweise einfrieren. Dann hat man immer eine kleine fertige Zutat oder Mahlzeit parat. Und vermeidet, dass die Reste nach ein paar Tagen doch noch im Müll landen.

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