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Low-Tech-Gebäude
20.03.2019

Wie viel Technik braucht ein Haus wirklich?

Digitale Technik verspricht viel Komfort im Eigenheim. Doch welche technischen Feinheiten sind wirklich für den Hausbau sinnvoll?
Foto: Robert Kneschke, stock.adobe.com

Wer ein Haus bauen will, sollte sich überlegen, was in das Gebäude kommt. Denn weniger Technik heißt auch: Der Bau wird günstiger.

Weniger ist manchmal mehr. Das gilt für viele Lebensbereiche – auch beim Hausbau, zum Beispiel, wenn es um die Größe des neuen Traumhauses geht: Weniger Wohnfläche bedeutet niedrigere Bau- und Unterhaltskosten. Daneben stellt sich die Frage: Wie viel Technik braucht ein modernes Haus? Muss es ein aufwendiges System sein, das dem Besitzer erlaubt, per Handy oder Tablet die Heizung, Lüftung, Jalousien oder Beleuchtung zu steuern? Will ich wirklich eine All-in-One-Lösung haben? Denn das birgt die Gefahr, dass beim Ausfall einer Komponente das ganze System zusammenbricht. Und so weiter...

Die Kosten für Technik im Haus sind stark gestiegen

Bei der Hausplanung sollte man immer bedenken: Technik kostet Geld, muss gewartet werden und kann kaputt gehen. Die Kosten für die Technik sind in den vergangenen Jahren immer die Kostengruppe mit den höchsten Steigerungsraten gewesen. Daher lohnt es sich, gründlich zu überlegen, welche technischen Hilfsmittel man benötigt. Natürlich kommt man nicht umhin, die Grundbedürfnisse – Luft, Licht, Wärme und Warmwasser – zu befriedigen. Was Bauexperten in diesem Zusammenhang immer wieder betonen: eine gut gedämmte Gebäudehülle ist die Basis für das komfortable und nachhaltige Wohnen mit einer reduzierten Haustechnik. Erstere garantiert nicht nur niedrige Energiekosten, sondern auch ein angenehmes Wohnklima. Und was nicht unterschätzt werden darf: Ist das Gebäude gut gedämmt, reicht schon eine kleines Heizsystem aus, um den Wärmebedarf zu decken. Paradebeispiel ist das Passivhaus, das mit einer minimalen Heizleistung auskommt. Und: Es ist ein Low-Tech-Gebäude. Braucht also wenig Technik.

„Low-Tech-Gebäude“ reduzieren Haustechnik auf ein Minimum

Das Forschungsprojekt „Low-Tech-Gebäude“ beschäftigt sich explizit mit der Frage, wie sich die eingesetzte Haustechnik auf ein Mindestmaß reduzieren lässt. Die untersuchten Beispiele zeigen, dass eine durchdachte Architektur dabei eine zentrale Rolle spielt. So kann durch Dach- oder Geschossüberstände zum Teil auf einen zusätzlichen, oft elektrisch angetriebenen Sonnenschutz verzichtet werden. Die Überstände schützen im Sommer vor einer direkten Sonneneinstrahlung und damit vor einer Überhitzung, ermöglichen aber im Herbst oder Winter, wenn die Sonne flacher steht, solare Gewinne. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch bewusst geplante Fenstergrößen.

Gebäudemasse speichert die Wärme

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der planerische Umgang mit Gebäudemassen, die Wärme im Haus speichern können, um sie langsam wieder abzugeben. Dies verzögert einerseits das Auskühlen eines Gebäudes in der kalten Jahreszeit und gleichzeitig das Aufheizen an heißen Sommertagen. Die im Winter, einfallende Sonnenwärme wird im Inneren des Hauses in passiven Wärmespeichern, wie massiven Böden, Wänden und Decken gespeichert und nachts wieder an die Räume abgegeben. Material, Größe und Anordnung derartiger Speichermassen im Haus sind von großer Bedeutung. Das Haus wird komfortabel mit wenig Heizung und ohne Klimaanlage.

Auf eines sollte man in einem Haus mit einer hochwärmegedämmten und luftdichten Gebäudehülle nicht verzichten: die Lüftungsanlage. Sie sorgt für eine permanente Frischluftzufuhr und führt Feuchtigkeit ab, ohne Kälte ins Haus zu holen. Das verhindert der Wärmetauscher, der die Wärme der Abluft an die Zuluft abgibt.

Zum Autor: Martin Sambale ist Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!

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