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Interview

03.08.2020

Müllvermeidung im Urlaub: "Bordverpflegung in Plastik ablehnen"

Messer und Gabeln aus Plastik stehen in Europa vor dem Aus, werden aber im Flugzeug häufig noch angeboten.
Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild, dpa

Auch durch die Corona-Epidemie wachsen die Berge an Kunststoff-Müll - auch in Urlaubsländern. Martina von Münchhausen erklärt, was Reisende dagegen tun können.

Schwimmende Müllinseln im Meer, tote Vögel mit Mägen voller Plastikmüll: Der WWF hat errechnet, dass alljährlich allein aus den Urlaubsländern eine halbe Million Tonnen Plastikmüll ins Mittelmeer gelangt. Und in Corona-Zeiten wird das nicht weniger. Nun hat Wanderreisen-Veranstalter Wikinger zusammen mit dem WWF eine Broschüre zur Vermeidung von Plastikmüll herausgebracht. Wir sprachen mit Martina von Münchhausen über die Initiative und darüber, was Touristen zur Vermeidung von Plastikmüll beitragen könnten.

Frau von Münchhausen, Plastik vermeiden, wiederverwenden, recyceln raten Sie in Ihrer Studie „Stopp die Plastikflut“ den Hoteliers. Doch gerade in Corona-Zeiten kehren Einweg-Packungen zurück. Dazu noch Einweg-Masken und Einweg-Handschuhe. Kein guter Termin für Ihre Initiative?

Martina von Münchhausen: Doch, die Maßnahmen sind auch in Corona-Zeiten dringend und notwendig. Gesundheit und Sicherheit stehen an erster Stelle, aber das muss nicht einhergehen mit einer fortgesetzten Vermüllung der Meere. Die Hotels und Reiseveranstalter haben verantwortungsvolle Hygienekonzepte installiert. Für Hygiene-Einwegprodukte, die nun unweigerlich Teil unseres Lebens werden, gilt besonders in Urlaubsländern mit mangelndem öffentlichen Müllmanagement: Mehrweg – zum Beispiel – statt Einweg und natürlich die richtige Entsorgung. Plastikmüll, achtlos in der Natur oder an den Stränden weggeworfen, ist weder ein guter Beitrag für unsere Gesundheit noch der Gesundheit der Meere. Eine verstärkte „Take Away Kultur“ mit Wegwerfprodukten ist auch in Corona-Zeiten eine Unsitte und Umweltverschmutzung. Die eigenen wiederverwendbaren Utensilien für ein Picknick am Strand schützen und reduzieren das Müllaufkommen.

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Einwegflaschen für Trinkwasser sind der größte Müllverursacher an den Stränden. Nicht nur Wikinger auch andere Veranstalter bieten ihren Kunden eigene Wasserflaschen zum Nachfüllen an. Aber nicht in allen Urlaubsländern ist Leitungswasser trinkbar. Wie lassen sich trotzdem Einweg-Wasserflaschen vermeiden?

von Münchhausen: Es ist richtig, dass Leitungswasser nicht in allen Urlaubsländern weltweit über die Qualität verfügt, die wir von zu Hause gewohnt sind. Aber in vielen von uns besonders stark besuchten Urlaubszielen ist dies durchaus der Fall. Sich vorher, oder im Urlaubsort angekommen, über die Trinkwasserqualität zu informieren, hilft immens weiter, das Plastikmüllaufkommen zu reduzieren. An vielen Orten gibt es Apps, die zu Trinkwasserspendern führen, zum Beispiel in Mallorca. Hotels verfügen oft auch über Wasseraufbereitungsanlagen, die ihren Gästen eine anständige Qualität bieten. Mittlerweile gibt es auch Trinkflaschen mit eingebautem Filter für exotischere Reiseziele. Und wer trotzdem abgepacktes Trinkwasser kaufen will: Auch in Urlaubsländern gibt es bereits Pfandflaschen, Mehrweg-Plastikflaschen und Glasflaschen. Bitte auf jeden Fall die leeren Flaschen ordentlich entsorgen.

Nach einer EU-Richtlinie sollen ab 2021 Einwegprodukte aus Kunststoff verboten werden. Bis 2029 sollen dann Trinkwasserflaschen getrennt gesammelt werden, um sie besser recyceln zu können. Warum kommt das alles so langsam in Gang?

von Münchhausen: Ganz ehrlich, die EU ist da gar nicht so langsam gewesen. Im Jahr 2017 hat man EU-Bürger befragt und 87 Prozent waren sehr besorgt über die Umweltfolgen von Plastik. Selten hat Brüssel so schnell reagiert. Die EU Richtlinie gilt seit März 2019, aber die Mitgliedsländer haben zwei Jahre Zeit, um diese Richtlinie in ihre nationale Gesetzgebung zu übertragen. Allerdings gibt es auch Schwächen bei der Richtlinie: So bleibt der Export von Plastikmüll weiterhin erlaubt und es gibt bislang kein Verbot zur Verwendung von Mikroplastik, zum Beispiel in Kosmetikprodukten.

Touristen freuen sich in den Hotels über die „Vanity-Kits“ mit Shampoo-, Duschgel- und Bodylotion in Gläschen. Auch das sorgt für Müll. Worauf sollten umweltbewusste Menschen in ihren Hotels achten?

von Münchhausen: Nicht alle freuen sich darüber. Und die Zahl der Touristen wächst, die sich darüber bewusst sind, dass sich der Wert einer Reise nicht an der Vielzahl der angebotenen plastikverpackten Serviceleistungen im Hotel bemisst, sondern an einer abfallfreien Landschaft, an sauberen Stränden und gesunden Meeren. Ein 5-Sterne- Urlaub bedeutet saubere Strände und gesunde Meere und nicht Plastikmüll im Hotelzimmer.

Schon bei der Anreise fällt reichlich Plastikmüll an. Das gilt vor allem fürs Fliegen, wo Plastikbecher um Plastikbecher Wasser gereicht wird, die Kopfhörer in Plastikhüllen stecken und derzeit die ganze Bordverpflegung Einweg ist. Was können Touristen tun, um solch unnötigen Müll zu vermeiden?

von Münchhausen: Die in Plastik verpackte Bordverpflegung einfach dankend ablehnen und sich selbst was mitbringen. Es sind ja ohnehin keine kulinarischen Highlights, die man im Flieger angeboten bekommt. Und Kopfhörer haben die meisten vermutlich sowieso im Gepäck.

Plastik an Stränden wie hier in Ghana ist zum Problem geworden. Der WWF setzt sich dafür ein, auch unterwegs Plastik zu vermeiden.
Bild: Christian Thompson, dpa

Ganz schön viel, was Sie den Touristen an Verantwortung aufbürden, Frau von Münchhausen. Dabei hat Reinhard Schneider, Inhaber von Werner & Mertz, mit der Marke Frosch das Prinzip der Kreislaufwirtschaft demonstriert. Er meint, man dürfe „den Menschen nicht zu viel abverlangen, sonst lehnen sie es ab“. Sind Sie trotzdem optimistisch, dass die Appelle der Broschüre auf offene Ohren stoßen? Oder fällt durch Corona eher noch mehr Plastikmüll an?

von Münchhausen: Wir glauben, dass der Verzicht auf Einwegplastik keine großen Einschränkungen bedeutet und es verstärkt mit Wohlwollen honoriert wird, wenn Hotels hier aktiv vorangehen und ihre Gäste miteinbeziehen. Die Müllfischer, die in den Sommermonaten vor den Balearen eingesetzt wurden, um das Schlimmste zu beseitigen, werden uns nach der Saison mitteilen können, was sie alles rausgefischt haben. Vielleicht ist ihr Einsatz schon bald nicht mehr notwendig.

Zur Person: Martina von Münchhausen arbeitet als Tourismusexpertin für die Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) in Deutschland.

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03.08.2020

Coca-Cola verbraucht jährlich 60.000 Tonnen Kunsstoff für ihre Flaschen, davon landet der größte Teil auf Müllhalden, in der Natur und im Meer. Gerade in den Entwicklungsländernist die Fa Cola stark vertreten, wo es keine geordnete Entsorgung oder Wiederverwertung gibt. Ich gehöre ja zur Generation (Oma ist ne Umweltsau) die am wenigsten Müll produziert hat. In meinem 1 Pers. Haushalt, fällt pro Woche nie mehr als 500 Gr Müll pro WOCHE an. Während die jungen Nachbarn jede Woche 70 Ltr und mehr haben.Es ist so einfach, wenn mann und frau wollten.

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03.08.2020

Das ist alles schön und recht, dass man auf einer Reise etwas Plastikmüll einsparen kann. Viele Hotels sind bereits darauf eingegangen. Aber das ist doch nur die eine Seite der Medaille. Wieviel Plastikmüll wird bspw.in Deutschland eingesammelt, angeblich, um ihn zu recyceln, aber dann kriegt man mit, dass er tonnenweise rund um den Globus verteilt und eben nicht recycelt, sondern in die Umwelt und ins Meer gelangt? Die Deutschen sind so stolz auf ihren gelben Sack, aber was passiert wirklich mit dem Zeug? Und die Anstengung, Plastik bereits durch den Handel einzusparen, ist minimal. Warum? Bequemlichkeit der Verbraucher? Zögerliche Gesetzgeber? Lagerkosten? Transportkosten? Ja vielleicht, aber was ist das gegen steigende Kosten für Umwelt und Gesundheit?

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