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Arbeitsrecht

01.05.2020

Nebenjob bei Kurzarbeit: Wann lohnt sich das in der Corona-Krise?

In der Landwirtschaft werden Arbeitskräfte momentan dringend gesucht. Ein Nebenjob dort gilt als systemrelevant - der Verdienst wird meist nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.
Bild: Andreas Arnold, dpa (Symbol)

Plus Wer in Kurzarbeit ist, muss auf Gehalt verzichten - hat aber mehr Zeit, in einem Nebenjob dazu zu verdienen. Gerade in der Corona-Krise kann sich das lohnen. Was zu beachten ist.

Angesichts schlechter Auftragslage und sinkender Einnahmen in der Corona-Krise haben viele deutsche Unternehmen in diesem Frühjahr Kurzarbeit angemeldet. Für Arbeitnehmer bedeutet das: Sie müssen mit teils deutlich weniger Gehalt auskommen. Über die Arbeitslosenversicherung werden ihnen zwar 60 Prozent der Einbußen erstattet, wenn sie Kinder haben sind es 67 Prozent.

Einige Arbeitnehmer müssen oder wollen ihre Gehaltsverluste aber zusätzlich auf anderem Weg ausgleichen - ein Nebenjob während der Corona-Zeit kann sich dabei lohnen. In vielen Branchen werden Arbeitskräfte gerade besonders dringend gesucht, etwa in der Landwirtschaft. Doch rund um Kurzarbeit und Nebenjob gibt es einiges zu beachten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was muss ich beachten, wenn ich meinen Nebenjob schon vor der Kurzarbeit begonnen habe?

Nichts. Hat ein Arbeitnehmer seinen Nebenjob schon vor Beginn der Kurzarbeit ausgeübt, kann er diesem auch weiterhin nachgehen, bestätigt Daniela Ruhrmann, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Augsburg. Das aus dem Nebenjob erzielte Gehalt muss in diesem Fall nicht auf das Kurzarbeitergeld aus der Hauptbeschäftigung angerechnet werden.

Nebenjob bei Kurzarbeit: Wann lohnt sich das in der Corona-Krise?

Darf ich im Fall von Kurzarbeit einen Nebenjob anfangen - und muss das mein Hauptarbeitgeber wissen?

Sofern es der Arbeitsvertrag oder betriebliche Vereinbarungen des Hauptarbeitgebers zulassen, so Ruhrmann, darf man einen Nebenverdienst immer aufnehmen - ganz unabhängig von Kurzarbeit. Allerdings muss man seinen Hauptarbeitgeber gemäß deutschen Arbeitsrechts darüber informieren und ein Interessenskonflikt zwischen Hauptbeschäftigung und Nebenjob muss ausgeschlossen sein.

Wie wirkt sich ein neuer Nebenjob auf mein Kurzarbeitergeld aus?

Das Einkommen, das Arbeitnehmer in Kurzarbeit aus einem neu aufgenommenen Nebenjob erhalten, muss grundsätzlich auf das Kurzarbeitergeld angerechnet werden. Mit dem zusätzlichen Gehalt aus dem neuen Nebenjob erhöht sich nämlich der Betrag, der dem Arbeitnehmer tatsächlich zur Verfügung steht. Für die nun geringeren Gehaltseinbußen erhält er auch weniger Kurzarbeitergeld.

Wer sich in Kurzarbeit einen Nebenjob sucht, muss seinem Hauptarbeitgeber deshalb regelmäßig melden, wie viel er im Nebenjob verdient. So kann der Hauptarbeitgeber berechnen, wie viel Kurzarbeitergeld dem Mitarbeiter noch zusteht. Es gibt aber mehrere Ausnahmen.

Wird das Gehalt aus einem systemrelevanten Nebenjob auch auf das Kurzarbeitergeld angerechnet?

Nicht unbedingt, sagt Expertin Ruhrmann. Wenn während der Kurzarbeit in der Corona-Krise eine Nebentätigkeit in einem systemrelevanten Bereich aufgenommen wird, liegt ein Sonderfall vor. In der Zeit von 1. April 2020 bis 31. Oktober 2020 gilt folgendes: "Das Einkommen aus dem Nebenjob muss nicht auf Kurzarbeitergeld angerechnet werden, solange zusammen mit dem Gehalt aus Hauptbeschäftigung und Kurzarbeitergeld nicht mehr als das reguläre Einkommen verdient wird."

Wer jetzt kurzarbeiten muss, kann mit einem systemrelevanten Nebenjob also im besten Fall wieder auf 100 Prozent seines vorherigen Lohns kommen, ohne dass ihm das Kurzarbeitergeld gekürzt wird. Allerdings müssen Arbeitnehmer ihrem Hauptarbeitgeber gegenüber die Systemrelevanz des Nebenjobs bescheinigen, erklärt Ruhrmann. "Ein entsprechendes Dokument kann der Arbeitgeber, der als systemrelevant gilt, ausgeben."

Systemrelevante Branchen und Berufe sind zum Beispiel:

  • medizinische Versorgung, ambulant und stationär, auch Krankentransporte
  • Versorgung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mit Lebensmitteln und Verbrauchsmaterialen
  • Versorgung mit unmittelbar lebenserhaltenden Medizinprodukten und Geräten
  • Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln
  • Labordiagnostik
  • Apotheken
  • Güterverkehr zum Beispiel für die Verteilung von Lebensmitteln an den Groß- und Einzelhandel
  • Lebensmittelhandel – zum Beispiel Verkauf oder Auffüllen von Regalen
  • Lebensmittelherstellung, auch Landwirtschaft
  • Lieferdienste zur Verteilung von Lebensmitteln

Welche Auswirkungen hat ein 450-Euro-Job auf das Kurzarbeitergeld?

Gar keine. Eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) mit einem Verdienst von bis zu 450 Euro im Monat bleibt vollständig anrechnungsfrei und hat keinerlei Folgen für den Bezug des Kurzarbeitergeldes.

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