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Smart-TV

28.09.2020

Nicht ausspionieren lassen: Wie sicher sind Smart-TVs?

Fast jeder neue Fernseher ist heute internetfähig: Das eröffnet viele neue Möglichkeiten, ist aber auch ein Einfallstor für Spione.
Bild: Andrey Popov, Imago Images

Smart-TVs sind mit dem Internet verknüpft: Wie Cyberkriminelle abgewehrt und eigene Daten geschützt werden können.

Streamen, im Internet surfen, Videos abrufen: Smart-TVs können viel mehr als herkömmliche Fernseher. Aber Vorsicht: Die Geräte sind ein mögliches Einfallstor für Cyberkriminelle und Datensammler, wie eine neue Untersuchung zeigt. Wie man sich schützen kann – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie sicher sind Smart-TVs? Welche Gefahren gibt es?

Fast jeder neu gekaufte Fernseher ist heute ein Smart-TV, also internetfähig. Das macht die Geräte verwundbar. „Es handelt sich um ein weiteres Endgerät, das wie ein Computer, Tablet oder Smartphone sorgfältig eingerichtet und gewartet werden muss“, sagt Julia Gerhards, Referentin für Verbraucherrecht und Datenschutz der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Ist ein TV-Gerät mit Schadsoftware infiziert, können Internet-Betrüger die „elektronische Identität“ des Gerätebesitzers übernehmen, warnt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Gibt es einen Schutz gegen Hacker-Angriffe am Smart-TV?

Auch wenn die TV-Bildschirme nicht viel anders aussehen als früher: Es gelten dieselben Vorsorgeregeln wie für andere internetfähigen Geräte – Stichwort Updates. „Software und Apps müssen aktuell gehalten werden, Apps sollten vor der Installation auf Sicherheit geprüft werden“, betont Verbraucherschützerin Gerhards. Wichtig beim Kauf: Darauf achten, für wie lange der Anbieter Sicherheitsupdates zusagt. „Hier ist der Zeitraum mit nur zwei bis drei Jahren nach Herausgabe eines Modells bei manchen Herstellern erschreckend kurz“, so die Expertin.

Was ist ohne Update so gefährlich?

Weist beispielsweise eine Video-Streaming-App eine Sicherheitslücke auf, können Angreifer diese dazu verwenden, „die Kontrolle über das Gerät zu erlangen“, erläutert das BSI. Damit wird es Betrügern auch möglich, Straftaten mittels des Smart-TVs zu begehen, also etwa Spam-Mails zu versenden, um an fremde Bankdaten zu kommen. Tipp: Apps, die nicht benötigt werden, am besten sofort deaktivieren oder deinstallieren.

Wer einmal anfängt nachzuschauen, wird überrascht sein, wie viele personenbezogene Daten Internetkonzerne, Onlinehändler, Firmen oder Vereine sammeln.
Bild: Christin Klose, dpa-tmn

Wenn mein Gerät schon älter ist?

Laut einer aktuellen Studie des Bundeskartellamtes können die Verbraucher nicht davon ausgehen, dass die Software eines Smart-TVs auch nach Jahren noch sicher ist. Falls sich die Software nicht mehr aktualisieren lässt, sollte eine Trennung des Geräts vom Internet und der Kauf eines externen Zuspielgeräts, etwa einem TV-/Streaming-Stick, zur Nutzung von Smart-Funktionen erwogen werden, empfiehlt die Behörde.

Wie steht es um den Datenschutz bei einem Smart-TV?

Durch die Inhalte, die ein Nutzer am Smart-TV ansieht oder sucht, kann er laut Verbraucherzentrale „weitreichende Einblicke in seine Interessen, Vorlieben, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Ansichten geben“. Auch das Kartellamt stellt fest, dass Smart-TVs „über vielfältige Möglichkeiten verfügen, personenbezogene Daten zu erheben“. Dies betreffe nicht nur das generelle Fernsehverhalten (Dauer, Uhrzeiten, Sender) und die App- und Internetnutzung, sondern „auch biometrische Daten wie Stimme oder Cursorbewegungen sowie die im Einzelnen über den Fernseher abgespielten Inhalte“.

Wie kommt das?

Neben dem normalen Fernsehen dient ein Smart-TV dem Audio- und Video-Streamen, Surfen, Zugang zu sozialen Netzwerken oder sogar, wie in Corona-Zeiten, dem Abhalten von Videokonferenzen – und jeder Klick hinterlässt seine digitalen Spuren. Außerdem haben Smart-TVs einen „Rückkanal“, über den Nutzungsdaten abfließen können.

Kann ich darauf Einfluss nehmen?

Nach Angaben der Kartellbehörde besteht meist die Möglichkeit, die Einwilligung in die Verarbeitung persönlicher Daten – sei es durch den Hersteller, Fernsehsender oder etwa Empfehlungsdienste wie Samba TV – „vorab zu verweigern oder nachträglich in den Einstellungen des Fernsehers abzuschalten“. Allerdings seien die Geräte im Ausgangszustand häufig nicht datensparsam voreingestellt und die Nutzermenüs nicht neutral gestaltet. So werde der Verbraucher in Richtung bestimmter Auswahlentscheidungen gelenkt, die eine umfangreiche Datenverarbeitung erlauben.

Smart-TV: Was kann ich konkret für den besseren Schutz meiner Daten tun?

Käufer sollten gleich bei der Ersteinrichtung und auch sonst darauf achten, ob die auf dem Bildschirm hervorgehoben angezeigten Auswahloptionen „den eigenen Bedürfnissen und Interessen tatsächlich entsprechen“, rät das Kartellamt. Wer eine Verarbeitung der Daten verweigere, könne die Einwilligung bei Bedarf „später immer noch nachholen“.

Und wenn ich das nicht mache?

Das Problem bei allem ist, dass der Kunde so etwas wie die Katze im Sack erwirbt. Denn die Datenschutzbestimmungen der Hersteller weisen der Behörde zufolge „fast durchgehend schwerwiegende Transparenzmängel“ auf. So gebe es auf den Verkaufsverpackungen der Fernseher, mit einer einzigen Ausnahme (Samsung), keinerlei entsprechende Hinweise. Das heißt, der Käufer erkennt in der Regel erst bei der Inbetriebnahme, welche Datenschutzregeln gelten. „Ob das Gerät ordnungsgemäß und in vollem Umfang betrieben werden kann, ist möglicherweise von der Erteilung von Einwilligungen abhängig“, warnen die Kartellexperten.

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