Newsticker

Spahn: Corona-Tests bleiben kostenlos
  1. Startseite
  2. Geld & Leben
  3. Niedrige Zinsen: Wie lege ich mein Geld rentabel und nachhaltig an?

Geldanlage

17.07.2020

Niedrige Zinsen: Wie lege ich mein Geld rentabel und nachhaltig an?

Nachhaltige Geldanlagen werden für viele Bürger wichtiger.
Bild: ETAJOE, stock.adobe.com

Die Nulllzinspolitik stellt Sparer vor Herausforderungen. Experten sagen, wo es noch Zinsen gibt, wie man am Aktienmarkt Erfolg hat und welche Anlagen nachhaltig sind.

Nachdem die Aktienmärkte zu Beginn der Corona-Krise gefährlich absackten, hat sich das Börsengeschehen stabilisiert. Es kann wieder über eine Anlage nachgedacht werden – dabei rückt das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Vordergrund. Am Lesertelefon unserer Redaktion haben Fachleute informiert, wie Anleger ihr Geld so verteilen können, dass sie auch für Krisenzeiten gewappnet sind. Da wir nicht alle Anrufe entgegennehmen konnten, hier ein Überblick:

Ich bekomme in Kürze eine Lebensversicherung ausbezahlt. Die Volksbank gibt mir auf den sechsstelligen Betrag keine Zinsen, droht sogar mit Minuszinsen. Was kann ich tun?

Wenn Sie wenigstens eine geringe Verzinsung haben wollen, werden Sie nicht umhinkommen, das Geld auf ein Tages- oder Festgeldkonto bei einer Internetbank zu legen. Zins- und Laufzeittabellen finden Sie bei Finanztest. Alle dort genannten Banken unterliegen mindestens der europäischen Einlagensicherung. Danach sollten Sie aber überlegen, was Sie mit dem Geld weiter tun wollen, denn als Daueranlage ist Festgeld nur bedingt geeignet. Wenn Sie das Geld nicht für den Lebensunterhalt als Rentner benötigen, sollten Sie auch eine Anlage in Aktienfonds und gemischte Fonds erwägen, denn dort gibt es bessere Renditechancen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ich bin Mitte dreißig und habe von meinen Großeltern 50.000 Euro geerbt. Was soll ich am besten damit tun?

Parken Sie das Geld zunächst auf einem Tagesgeldkonto. Dann überlegen Sie in Ruhe, welche Pläne Sie für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre haben. Wollen Sie eine Immobilie erwerben, eine teure Wohnungseinrichtung, ein neues Fahrzeug? Dann bleibt dieser Betrag auf dem Tages- oder Festgeldkonto, um Kursverluste zu vermeiden. Für den Rest überlegen Sie, wie hoch Ihr Sicherheitsbedürfnis ist. Wenn Sie einen Teil des Geldes in eine Altersvorsorge stecken wollen, sind in Ihrem Alter Aktienfonds erste Wahl. Wählen Sie einen ETF auf einen weltweiten Index. Sie können alles in einen Aktienfonds legen oder einen Teil als Sicherheit auf einem Festgeldkonto belassen.

Mir ist es wichtig, immer Geld in Reserve zu haben, das natürlich auch sicher sein soll. Inwieweit ist das bei Festgeld gegeben? Ich habe verschiedene Summen über verschiedene Zeitspannen angelegt.

Bei Festgeld kommt die gesetzliche Einlagensicherung zum Tragen. Diese beträgt 100.000 Euro pro Bank und Anleger, bei Gemeinschaftskonten 200.000 Euro. Außerdem gehören die meisten Privatbanken in Deutschland dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an. Dieser sichert Einlagen in Millionenhöhe ab. Auch öffentliche Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben noch extra Sicherungssysteme.

Die besten Konditionen für Tages- oder Festgeld findet man ja meist bei ausländischen Onlinebanken. Ist das auch sicher?

Zwei Dinge: Achten Sie auf Banken im EU-Raum und dort auf Länder mit hoher Wirtschaftskraft. Denn für Banken im EU-Raum gilt die europäische Einlagensicherung mit bis zu 100.000 Euro pro Bank und Anleger, bei Gemeinschaftskonten bis zu 200.000 Euro. Banken in Ländern mit hoher Wirtschaftskraft empfehlen wir deshalb, weil bei wirtschaftsschwächeren Ländern die Entschädigung möglicherweise nicht in kurzer Zeit geleistet werden kann.

Meine Bekannte legt ihr Geld zum langfristigen Sparen in einen ETF. Was genau ist das?

ETF steht für Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Fonds. Der Unterschied zu klassischen Fonds besteht darin, dass es kein Fondsmanagement gibt. Stattdessen bildet ein ETF einen gewählten Index nach, beispielsweise den deutschen Aktienindex Dax oder den Weltindex MSCI World. Ein ETF entwickelt sich genau wie der Index. Er kann nicht schlechter abschneiden als dieser, allerdings auch nicht besser. Weil es kein Fondsmanagement gibt, sind die Kosten niedrig.

Ich bin Anfängerin bei der Geldanlage und würde gern einen ETF kaufen. Was muss ich beachten?

Wählen Sie einen ETF, der sich auf einen welt- oder zumindest europaweiten Index bezieht. Das sind zum Beispiel der MSCI World oder der MSCI Europe. Damit haben Sie eine Anlage, die viele Aktien aus vielen unterschiedlichen Ländern enthält. Beim MSCI World sind es beispielsweise 1600 Papiere. Das Verlustrisiko ist damit nicht so hoch wie eine auf den Dax begrenzte Anlage, der nur 30 deutsche Werte enthält. Sie benötigen auch ein Depot zur Aufbewahrung der Fondsanteile. Bitte beachten Sie, dass Sie Indexfonds nicht bei jeder Bank kaufen können. Fragen Sie zunächst nach. Günstige Depotgebühren bieten vor allem Onlinebanken.

Ich bin Mitte 60 und habe von der Sparkasse einen Nachhaltigkeitsfonds angeboten bekommen. Ist das sinnvoll?

Generell ist eine Fondsanlage sinnvoll, weil man durch die Streuung keine Einzelrisiken eingeht. Sie sollten aber auch einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren mitbringen, da die im Fonds enthaltenen Aktien- und Unternehmensanleihen im Kurs stark schwanken können. Hinzu kommt, dass man bei der Fondsanlage auch auf die Kosten achten sollte, da diese von der Nettorendite abgehen. Auch ein eventuell zu zahlender Ausgabeaufschlag ist zu beachten. Alternativ bieten sich börsengehandelte Fonds, ETF, an. Diese haben geringere Kosten als aktiv gemanagte Fonds.

Wie ist Nachhaltigkeit bei Fonds definiert? Gibt es eine Art Ökosiegel wie für Lebensmittel?

Bisher gibt es leider keine einheitlichen und verbindlichen Standards für Nachhaltigkeitsfonds. Man findet sie unter den Begriffen „ethische“ oder „grüne“ Fonds oder als „verantwortliches Investment“. Sie erweitern die klassischen drei Merkmale der Geldanlage – Rendite, Sicherheit, Verfügbarkeit – um ein viertes, die nachhaltige Verwendung des Kapitals. Jeder Fonds legt jedoch seine Kriterien selbst fest und wählt dann passende Unternehmen aus, deren Aktien in den Fonds passen. Oder er schließt Unternehmen aus, die zum Beispiel ihr Geld mit Atomkraft, Kriegswaffen oder Kohleverstromung verdienen.

Wo kann ich mich informieren, ob ein Fonds die von mir gewünschten Kriterien zur Nachhaltigkeit berücksichtigt?

Schauen Sie auf die Internetseite der Fondsgesellschaft. Dort ist in der Regel der letzte Rechenschaftsbericht zu finden. Er enthält eine genaue Aufstellung aller Anlagen des Fonds. Im Verkaufsprospekt finden Sie eine detaillierte Darstellung der Anlagegrundsätze mit ihrer Definition von Nachhaltigkeit. Außerdem gibt es bei Finanztest eine Fondsdatenbank, in der auf dem Markt befindliche Ökofonds nach bestimmten Kriterien untersucht und mit Nachhaltigkeitspunkten benotet werden.

Gibt es auch ETF, die nach ethischen Kriterien anlegen?

Es gibt einige Indizes, die den Markt der nachhaltig arbeitenden Unternehmen abdecken und auf die sich ETF beziehen können. Das sind zum Beispiel der MSCI World SRI oder der Dow Jones Sustainability World ex Alcohol. Die Auswahl an ETF ist aber noch recht überschaubar. Wenn Sie eine nachhaltige Anlagepolitik wünschen, bieten gemanagte Fonds derzeit eine größere Auswahl.

Seit vergangenem Jahr lege ich monatlich Geld in einen Aktienfonds, um später meine Rente aufzubessern. Seit einigen Wochen ist der Preis für Fondsanteile stark gestiegen. Sollte ich den Sparplan unterbrechen, bis der Kurs wieder günstiger ist?

Ob und wann es dazu kommt, kann niemand vorher sagen. Ein Sparplan ist eine langfristige Anlageform, die idealerweise über Jahre laufen sollte. In dieser Zeit wird es unterschiedliche Kurse geben. Die Anteilspreise sind mal höher, mal niedriger. Über die Langfristigkeit gleichen sie sich erfahrungsgemäß aus. So lange Sie nicht in Zahlungsschwierigkeiten stecken, sollten Sie den Sparplan weiter laufen lassen.

Ich habe etwa 80.000 Euro aus einer Lebensversicherung ausgezahlt bekommen, die ich in Aktienfonds anlegen möchte. Allerdings scheinen mir die Kurse derzeit sehr hoch zu sein, nachdem sie zu Beginn der Corona-Krise stark gefallen waren. Lohnt sich ein Einstieg noch?

In der Tat haben sich die Kurse nach dem bisherigen Tiefpunkt in kurzer Zeit schnell erholt. Weitere Schwankungen an den Kapitalmärkten sind aber in der nächsten Zeit durchaus möglich. Sie sollten Ihre Anlage langfristig betrachten, denn langfristig haben sich Aktienfonds im Schnitt positiv entwickelt. Verteilen Sie die Summe auf zwei bis drei Fonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Legen Sie das Geld nicht auf einmal an, sondern beispielsweise in monatlichen Raten über ein Jahr verteilt. So umgehen Sie, mit Ihrer gesamten Summe womöglich zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzusteigen.

Ich möchte für meine Enkelkinder monatlich langfristig 50 Euro sparen. Was bietet sich hier an?

Aufgrund des langen Anlagehorizontes bieten sich Aktienfonds an, etwa ein Fondssparplan auf einen ETF, der weltweit anlegt. Achten Sie bei der Anlage auch auf die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Dinge. Erfolgt das Sparen auf Depots der Enkel, sollten die dadurch eventuell erwirtschafteten Gewinne die Einkommensgrenze von 445 Euro monatlich nicht überschreiten, da ansonsten der Verlust der Familienversicherung bei der Krankenkasse die Folge sein könnte.

Ich bin im Ruhestand und habe 140.000 Euro aus einem Hausverkauf erlöst. Da ich das Geld nicht benötige, will ich es für meine Kinder anlegen. Was empfehlen Sie?

Teilen Sie das Geld auf verschiedene Aktienfonds auf, die global, europaweit und in deutschen Werten anlegen. Als Beimischung kämen ein gemischter Fonds sowie ein offener Immobilienfonds infrage. Beide haben in der Regel geringere Wertschwankungen als ein Aktienfonds. Kaufen Sie die Fondsanteile über einen Zeitraum von mehreren Monaten verteilt, nicht alle an einem Tag. So erreichen Sie einen guten Durchschnittskurs und vermeiden einen eventuell ungünstigen Einstiegstag.

Mir wurde als nachhaltige Geldanlage ein Fonds angeboten, mit dem ich mich an einem Windpark in Norddeutschland beteilige. Was halten Sie davon?

Es handelt sich hier um eine Unternehmensbeteiligung. Die sind immer mit sehr hohem Risiko verbunden. Geht das Unternehmenskonzept auf, ist alles gut. Gibt es aber Schwierigkeiten oder geht das Unternehmen gar in Konkurs, ist das Geld weg. Insofern raten wir von solchen geschlossenen Fonds ab. Wenn Sie nachhaltig anlegen wollen, nehmen Sie einen Aktien- oder Mischfonds, der seine Anlagen nach ethischen Gesichtspunkten auswählt und zudem für eine angemessene Risikostreuung sorgt.

Ich bin knapp sechzig, habe keine Kinder und bin gut versorgt. Ich möchte einen vierstelligen Betrag in Chemieaktien anlegen. Welche können Sie empfehlen?

Einzelaktien sind grundsätzlich nur dann zu empfehlen, wenn man sich in der Branche auskennt und die Qualität der Unternehmen beurteilen kann. Auch dann haben Sie bei einer Einzelaktie ein hohes Verlustrisiko. Man kann bequemer in Chemiewerte investieren, indem man einen Fonds kauft, der speziell in diese Branche investiert – einen sogenannten Branchenfonds. Solch ein Fonds investiert in viele Unternehmen und erreicht dadurch eine breite Streuung, was das Verlustrisiko deutlich verringert. Beachten sollte man, dass eine solche Anlage, also ein Branchenfonds, auf maximal zehn Prozent des Gesamtvermögens begrenzt sein sollte.

Hat es Sinn, sein Vermögen in Gold zu investieren?

Generell liefert Gold wie andere Edelmetalle keine planbaren Ausschüttungen wie Zinsen oder Dividenden. Der Goldpreis ist hauptsächlich von Spekulation geprägt, weniger von der Nachfrage als Rohstoff. Dennoch kann eine Depotbeimischung sinnvoll erscheinen, da gerade in wirtschaftlich unruhigen Zeiten Gold als Stabilitätsanker und als sicheres Investment in Zeiten hoher Inflation gilt. Sie sollten dennoch nicht mehr als zehn Prozent Ihres Vermögens in Gold anlegen und auch keine Goldbarren oder Unzen zu Hause lagern, um Dieben keine Gelegenheit zu schaffen. Die Lagerung in einem Schließfach ist jedoch mit Kosten verbunden. Eine Alternative wären Fonds, die in rohstofffördernde Unternehmen investieren.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren