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Silvester 2018

30.12.2018

So gigantisch viel Feinstaub verursacht das Silvester-Feuerwerk

Silvester und Raketen gehören für viele zusammen.  
Bild: Christophe Gateau, dpa

Millionen Böller und Raketen werden an Silvester gezündet. Aber warum ist das Feuerwerk so bunt? Und wie viel Feinstaub produzieren die Silvesterknaller?

Woher kommen die bunten Farben?

Natürlich hat da jeder Feuerwerker sein eigenes Geheimrezept. Die Leuchterscheinungen lassen sich aber im Großen und Ganzen auf bestimmte Metalle beziehungsweise deren Salze zurückführen, die für die bunten Farben verantwortlich sind. Ein richtig intensives Rot entsteht beispielsweise durch Strontiumsalze. Kalziumchlorid leuchtet wunderschön orange und Natrium ergibt ein hell leuchtendes Gelb. Für gelb-grüne Töne werden unter anderem Bariumsalze verwendet, für blau-grüne Farben Kupfer, und für blaue, die besonders schwer zu erzeugen sind, Kupferchlorid. Violett wird das Feuerwerk durch Kalium. Ohne Silber und Gold geht es natürlich gar nicht. Silber beziehungsweise weiß leuchtet das Schauspiel am Himmel durch Aluminium, Magnesium und Titan (Silberfunken). Gold kann durch Eisen und Kohle erzeugt werden.

Wie groß ist der größte Feuerwerkskörper der Welt?

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Als größten Feuerwerkskörper der Welt verzeichnete das Guinnessbuch der Rekorde lange Zeit den „Yonshakudama“, der 2014 beim Katakai-Matsuri-Festival in der Präfektur Niigata auf Honshu, Japan, detonierte. Der Feuerwerkskörper hatte einen Umfang von 1,2 Metern, wog fast eine halbe Tonne und explodierte mit einem gigantischen Feuerregen von 800 Metern Durchmesser. Aber das war einmal. Das Jahr 2018 wurde nämlich mit einem neuen Weltrekord begrüßt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde vor den Augen von 100.000 Zuschauern ein Feuerwerkskörper von über einer Tonne Gewicht in den Himmel geschossen. Es dauerte mehr als dreizehn Sekunden, bis der Feuerwerkskörper seine Position am Himmel erreicht hatte, um detonieren zu können. Die Lichteffekte der Explosion hatten einen Durchmesser von einem ganzen Kilometer.

Wie viel Feinstaub verursacht das Feuerwerk?

Das Umweltbundesamt in Dessau geht davon aus, dass Silvester jährlich etwa 5000 Tonnen Feinstaub der Partikelgröße PM10 in die Luft geblasen werden. Das entspräche in etwa „17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge“.

Kann man vom Weltraum aus das Silvester-Feuerwerk auf der Erde sehen?

Vom Mond aus könne man nicht einmal die Chinesische Mauer erkennen, sagt kein Geringerer als der US-amerikanische Astronaut James Irwin, der im Rahmen der Apollo-15-Mission als achter Mensch den Mond betreten hat. Die Chinesische Mauer ist zwar ganz schön lang, aber eben nur relativ schmal. Zudem ist der Mond richtig weit weg, ganze 384.000 Kilometer beträgt die mittlere Entfernung zur Erde. Doch wie sieht es mit der Internationalen Raumstation ISS aus, wenn es dann auch noch um ein richtig hell leuchtendes Silvesterfeuerwerk geht? Die ISS umkreist die Erde schließlich nur in einer Entfernung von etwa 400 Kilometern Höhe. Einer, der die Antwort kennen muss, ist der Astronaut Michael Fincke, der den Jahreswechsel 2008/2009 als Kommandant auf der ISS erlebt hat. Er sagt, er habe zwar gesucht und gesucht - aber leider nichts vom Feuerwerk auf der Erde gesehen.

Könnte man mit den kleinen Silvesterraketen eigentlich bis zum Mond fliegen?

Rechnen wir doch einfach einmal nach. Eine Mondrakete entwickelt eine enorme Schubkraft, die fünf F1-Triebwerke der Saturn-V immerhin rund 34 Millionen Newton. Das ist eine ganze Menge. Gehen wir einmal davon aus, dass einer typischen Silvesterrakete rund zwei Newton zur Verfügung stehen, dann bräuchten wir 17 Millionen derartiger Silvesterraketen, um die gleiche Schubkraft erzeugen zu können. Wenn wir die nun alle zusammenkleben würden, um zum Mond zu fliegen, gäbe es da allerdings ein Problem. Der Schub reicht nämlich nur für wenige Sekunden, dann ist auch schon wieder Schluss. Vielleicht stoßen wir so in eine Höhe von 50 Metern vor, eventuell sogar in 100 Meter, aber bis zum Mond reicht das nicht. Da ist die Saturn-V ganz klar im Vorteil. Ihre Triebwerke können den enormen Schub nämlich über einen sehr viel längeren Zeitraum zur Verfügung stellen. 161 Sekunden lang können die fünf F1-Triebwerke die Saturn-V antreiben. Und das Beste kommt sogar noch, denn es gibt ja auch noch eine zweite und zur Not auch noch eine dritte Stufe, die über eigene Triebwerke verfügen. Der zweiten Stufe stehen fünf Triebwerke vom Typ J-2 mit einem Gesamtschub von über 5 Millionen Newton zur Verfügung. Ganze 390 Sekunden lang können sie die Rakete antreiben. Die dritte Stufe der Saturn-V-Rakete wird von einem Triebwerk des Typs J-2 angetrieben: 890000 Newton stehen hier ganze 475 Sekunden lang zur Verfügung.

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01.01.2019

"Das Umweltbundesamt in Dessau geht davon aus, dass Silvester jährlich etwa 5000 Tonnen Feinstaub der Partikelgröße PM10 in die Luft geblasen werden. Das entspräche in etwa „17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge“."
Nicht wenige Städte im Lande erwägen bzw. errichteten bereits Fahrverbotszonen für die verhassten Dieselfahrzeuge, weil sie angeblich die Verursacher von Feinstaub sind. Was sind dann die Weihnachtsböller-Schützen, die in einer einzigen Nacht (!!!) fast ein Viertel davon verursachen? Diesen Umstand kann man selbstverständlich wegen Arbeitsplatzverluste und Umsatzeinbußen des Handels (bei eventuell angedachter Abschaffung) problemlos tolerieren.

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31.12.2018

Glückwunsch, den Beitrag gleich mal wieder mit einer "Negativüberschrift" mit Panikcharakter beginnen.
Zur Erinnerung, die Menschheit besteht auch aus kleinen Freuden, hier beim Feuerwerk einmalig im Jahr.
PS: Ich schieße keine Böller in die Luft, sondern erfreue mich jährlich als Zuschauer!!!

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