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Verbraucherschutz

21.01.2019

Stapelchips von Lorenz sind "Mogelpackung des Jahres 2018"

Die "Chipsletten" von Lorenz Bahlsen Snacks sind von Verbrauchern zur "Mogelpackung des Jahres 2018" gekürt worden.
Bild: Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh)

Die "Chipsletten" sind die "Mogelpackung des Jahres 2018". Das ist bei einer Verbraucherumfrage herausgekommen. Doch nicht nur Snacks sind oft Mogelpackungen.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Internetnutzer befragt - und präsentiert jetzt die Stapelchips "Chipsletten" des Snackherstellers Lorenz Bahlsen als "Mogelpackung des Jahres 2018".

Mogelpackung des Jahres 2018 sind die "Chipsletten" von Lorenz

Noch nie sei das Votum der Verbraucher so klar ausgefallen wie bei der Wahl der "Mogelpackung des Jahres 2018", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Er findet, dass der Hersteller den Denkzettel völlig verdient hat und erklärt: "Der versteckte Preisanstieg bei den Chipsletten ist besonders krass, dreist umgesetzt und nicht der erste dieser Art."

Die neue Pappdose der Chipsletten sei kaum kleiner als die alte und zusätzlich mit einem sogenannten Servier-Teil aus Plastik und Frischefolie bestückt. "Verbraucher bekommen weniger Chips, aber bezogen auf den Inhalt mehr Müll für ihr Geld", so Valet.

Einige Händler, darunter Kaufland, hätten den Preis für das Produkt zwar zwischenzeitlich etwas gesenkt, doch Verbraucher zahlten am Ende immer noch fast 50 Prozent mehr als zuvor, so der Sprecher der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Chipsletten" sind Mogelpackung des Jahres - So äußert sich Hersteller Lorenz

Kunden bewusst zu täuschen, sei nie die Absicht gewesen, erklärt "Chipsletten"-Hersteller Lorenz auf Anfrage unserer Redaktion. Mit dem neuen Servier-Teil wollen man das Produkt so präsentieren, "wie es Freunde des knackigen Snacks über 30 Jahre lang kannten und liebten". Auch die Chips seien überarbeitet und neue Sorten entwickelt worden.

Auf den Vorwurf, "Chipsletten"-Käufer erhielten nun mehr Müll für ihr Geld, reagiert Hersteller Lorenz folgendermaßen: "Zugleich sollte in der Gesamtbilanz jedem klar sein, dass es sich bei der vorherigen Wickeldose um eine Verbundverpackung handelte, in der mehrere Materialkomponenten, wie Pappe, Folie, Kunststoff, Aluminium und Weißblech, fest miteinander verbunden waren. Ein Recycling-Albtraum." Die neue Chipsletten-Verpackung hingegen mache die Wiederverwertung einfacher. "Die neuen Materialien: Pappe, Frische-Folie und Kunststoff-Tray können getrennt entsorgt und so in den Recycling-Prozess gebracht werden", erklärt der Hersteller.

Zum neuen Produktkonzept der "Chipsletten" gehöre eine neue , geringere Füllmenge. Einhergehend damit habe der Hersteller eine reduzierte Preisempfehlung ausgesprochen. Doch, so rechtfertigt sich Hersteller Lorenz: "Über die Preise, zu denen unsere Produkte im Ladenregal angeboten werden, entscheidet allein der Handel."

Weniger Inhalt, mehr Verpackung - die Mogelpackungen des Jahres 2018

Dabei sind die Chipsletten kein Einzelfall in Sachen Mogelpackung. Auch bei anderen Produktmarken wie den Crunchips, Saltletts Brezeln, Naturals Chips und Erdnusslocken hat der Hersteller Lorenz Bahlsen Snacks in den vergangenen Jahren durch geringere Füllmengen versteckt die Preise erhöht.

Aber auch bei anderen Produkten aus Supermärkten gibt es das Phänomen der Mogelpackung. Nicht nur Snackhersteller sind eifrig darin, weniger Inhalt für mehr Geld zu bieten. Auch andere Lebensmittel wurden im Vergleich zum Vorjahr in kleineren Portionen und zu höheren Preisen verkauft. Eine Übersicht über die Top 5 der Mogelpackungen 2018 bieten wir hier.

Die Mogelpackungen des Jahres 2018 in der Übersicht

Platz 1 - Chipsletten von Lorenz Bahlsen Snack-World - 23.279 Stimmen - 58,7 Prozent

Platz 2 - Truthahnsalami Light 1A von Dulano (Lidl) - 6981 Stimmen - 17,6 Prozent

Platz 3 - Mini Babybel von Bel - 4006 Stimmen - 10,1 Prozent

Platz 4 - Smarties von Nestlé - 3450 Stimmen - 8,7 Prozent

Platz 5 - Obstwiese Rheinisches Apfelkraut von Grafschafter - 1917 Stimmen - 4,8 Prozent

Gegen Tricks der Hersteller und derartige Mogelpackungen sind Verbraucherschützer derzeit noch machtlos. Denn die Hersteller legen die Füllmenge fest, während die Händler die Preise gemäß dem Kartellrecht bestimmen. Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert deshalb die Politik zum Handeln auf. Allein im Jahr 2018 erhielten die Hamburger Verbraucherschützer rund 2000 Beschwerden über versteckte Preiserhöhungen.

Auch in den vergangenen Jahren hat die Verbraucherzentrale Hamburg im Internet Verbraucher befragt, welches Produkt sie für die "Mogelpackung des Jahres" halten. Zuletzt hatte eine Müsli-Mischung von Dr. Oetker den Negativpreis gewonnen, 2016 war es ein Mineralwasser von Evian und im Jahr 2015 war eine Creme von Bebe die Mogelpackung des Jahres. (zian)

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