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Krankheit

04.07.2016

Tag der Workaholics: Ab wann sind Menschen arbeitssüchtig?

Workaholics schaffen ihre Arbeit oft aus Angst vor dem Scheitern erst recht nicht.
Bild: Benedikt Siegert

Arbeiten Sie zu viel? Die meisten Menschen würden wohl mit "Ja" antworten. Ein krankhaftes Arbeitspensum haben aber eher diejenigen, die darauf "Nein" sagen.

Für sie gibt es neben der Arbeit oft nichts anderes, der Job ist Lebensinhalt Nummer Eins. Genannt werden sie "Arbeitssüchtige" oder "Workaholics". Der 5. Juli ist ihnen gewidmet.

Nach Schätzungen des Experten und Psychologen Stefan Poppelreuter hat die Zahl der Arbeitssüchtigen von 2001 bis 2008 um 80 bis 100 Prozent zugenommen. Laut AOK ist jeder neunter Arbeitnehmer arbeitssüchtig. "Wir schätzen, dass rund 400.000 Menschen in Deutschland arbeitssüchtig sind", sagt Poppelreuter. Dazu komme eine hohe Zahl von potenziell gefährdeten Menschen. Bei den Angestellten sei das etwa jeder Siebte.

Arbeitssüchtige haben sogar Entzugserscheinungen

Die Betroffenen schaffen häufig fast gar nichts mehr -  vor lauter Angst, den Anforderungen nicht gerecht zu werden. "Sie können nicht delegieren, keine Prioritäten setzen und eignen sich nicht, mit anderen zusammenzuarbeiten", sagt Poppelreuter. Im Gegensatz zu Menschen, die einfach nur viel Zeit mit ihrem Job verbringen, leiden Arbeitssüchtige meistens unter Kontrollverlust und Entzugserscheinungen.

Tag der Workaholics: Ab wann sind Menschen arbeitssüchtig?

Mit der Zeit leidet nicht nur das Umfeld der Arbeitssüchtigen. Zu den oft überspielten und mit noch mehr Arbeit verdrängten seelischen Beschwerden der Workaholics treten auch körperliche. Poppenreuther fordert deshalb, dass Arbeitssucht endlich genauso wie Glücksspiel- und Kaufsucht als eine ernstzunehmende Krankheit anerkannt wird.

Der Begriff des "workaholism" wurde in Anlehung an den Ausdruck "alcoholism" im Jahr 1971 vom US-amerikanischen Psychologen Wayne Oates erstmals geprägt, berichtet etwa die AOK. Als Arbeitssüchtigen werde ein Mensch definiert, der den unaufhörlichen Drang oder Zwang hat, ständig arbeiten zu müssen. Dieses exzessive Bedürfnis nehme ein so hohes Maß an, dass sowohl seine Gesundheit und sein Wohlbefinden als auch seine privaten Beziehungen beeinträchtigt werden.

Für Workaholics gibt es unterschiedliche Hilfsangebote

Unter den Erkrankten gibt es übrigens zwischen Männern und Frauen, was die Zahl der Betroffenen angeht. Allerdings seien in den helfenden und kreativen Berufen sowie unter den Selbstständigen mehr Menschen mit einer Neigung zum Suchtverhalten vertreten, sagt Poppelreuter. Arbeit ist dabei häufig eine Flucht vor anderen Konflikten im Leben. Workaholics sind nicht selten Getriebene.

Wer sich in die Sucht getrieben sieht, findet Hilfe nicht nur in professionellen Therapien. In Selbsthilfegruppe speziell für Workaholics können sich Betroffene austauschen und die Ursache ihrer Sucht ergründen.  Die "Anonymen Arbeitssüchtigen" etwa haben eine eigene Website, auf der die Gruppen verzeichnet sind. AZ

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