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Verkaufsstopp gefordert
24.10.2019

Foodwatch-Test: Mineralölspuren in Milchpulver für Babys

Die Organisation Foodwatch hat in Milchpulver von mehreren Herstellern Mineralöl-Rückstände gefunden.
Foto: Armin Weigel, dpa

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat in verschiedenen Baby-Milchpulvern Spuren von Mineralölen gefunden. Nun fordert sie die Politik zum Handeln auf.

In mehreren Milchpulver-Produkten für Säuglinge sind laut der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch Rückstände potenziell krebserregender Mineralöle gefunden worden.

Bei drei von vier in Deutschland gekauften Produkten seien Verunreinigungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) nachgewiesen worden, teilte Foodwatch am Donnerstag mit. Es bestehe keine akute Gesundheitsgefahr, sagte ein Foodwatch-Sprecher auf Anfrage. Vived, eine der Firmen, teilte mit, man nehme die Testergebnisse sehr ernst und habe mit dem Hersteller entsprechende Untersuchungen eingeleitet. "Inwieweit die Vorwürfe nachvollziehbar sind, können wir zurzeit noch nicht beantworten", so Vived.

Mineralöl in Milchpulver: Foodwatch rät von betroffenen Produkten ab

Foodwatch fordert Null-Toleranz beim Gehalt dieser Stoffe in Lebensmitteln - einen gesetzlichen Grenzwert gibt es bisher nicht. Es geht um Werte zwischen 0,5 und 3 Milligramm pro Kilo. Die Organisation, die sich auf unabhängige Laboranalysen berief, forderte einen sofortigen Verkaufsstopp und den Rückruf der betroffenen Produkte in Deutschland und Österreich. Eltern sollten Kinder vorsorglich nicht mit betroffenen Produkten füttern, hieß es.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte mit Blick auf die Testergebnisse, sie verlange hier Transparenz. "Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen." Lebensmittel müssten sicher sein.

In diesen Baby-Milchpulvern ist Mineralöl enthalten

Das Ministerium erläuterte, die vorliegenden Daten müssten analysiert werden. Angestrebt werde dazu eine europäische Lösung, weil die Lebensmittel EU-weit gehandelt würden. Deutschland habe dafür gesorgt, dass die EU-Kommission tätig geworden sei und Daten aus allen Mitgliedstaaten auswerte. Zudem werde ein Verordnungsentwurf zu Lebensmittelverpackungen aus Altpapierstoffen vorbereitet. Ziel sei eine Verpflichtung für Unternehmen, diese so zu gestalten, dass Mineralölrückstände nicht in das Lebensmittel übergehen können.

Laut Foodwatch wurden die Rückstände in "Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an" und "Beba Optipro 1, 800 g, von Geburt an" von Nestlé nachgewiesen, außerdem in der "Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g". Nestlé wollte sich nach Angaben eines Sprechers noch im Laufe des Tages zu den Vorwürfen äußern.

Der Lebensmittelverband Deutschland erklärte generell, dass es eine Nulltoleranz für Mineralölkohlenwasserstoffe und ähnliche Substanzen "auch aufgrund der umweltbedingten und folglich unvermeidbaren Grundbelastung kaum geben" könne. Aus heutiger Sicht sei dies auch gesundheitlich nicht problematisch. Die Lebensmittelwirtschaft arbeite aber kontinuierlich daran, zur Reduzierung des Eintrags beizutragen.

Die Mineralölspuren kommen aus den Verpackungen der Lebensmittel

Dass solche Ölbestandteile in geringen Mengen aus Verpackungen auf Lebensmittel wie Reis übergehen können, ist seit Jahren bekannt. Als Ursache standen bisher vor allem recycelte Kartons im Fokus: Für die Herstellung wird bedrucktes Altpapier verwendet, und die Druckfarben können Mineralöle enthalten. Foodwatch vermutet im aktuellen Fall, dass Weißblechdosen, in denen manche Hersteller ihr Milchpulver anbieten, Quelle der Verunreinigungen sein könnten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezeichnet diese Art von Verunreinigungen auf seiner Webseite generell als "unerwünscht". Übergänge auf Lebensmittel sollten minimiert werden. "Eine gesundheitliche Bewertung ist aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich", hieß es. Bei früheren Funden von Mineralölspuren, etwa in Schokolade aus Adventskalendern, verwiesen Experten auf geringe tägliche Aufnahmemengen. (dpa)

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