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Ratgeber

30.01.2019

Warum Sie Kassenzettel unbedingt aufbewahren sollten

Kassenzettel gehören nicht ins Altpapier. Das Thermopapier muss im Restmüll entsorgt werden.
Bild: Andrea Warnecke, dpa

Plus Viele Kunden werfen Belege noch im Laden weg. Warum das ein Fehler ist, wie lange man Kassenbons behalten sollte und wo man sie auf keinen Fall hintun darf.

Diverse Gartenartikel will der Kunde eines fränkischen Obi-Marktes kaufen, darunter zwölf Säcke Spielsand für den frisch angelegten Sandkasten seiner Kinder. Die Sandsäcke lagern auf Paletten auf dem Baumarkt-Parkplatz – und so sagt der Mann dem Kassierer beim Bezahlen der übrigen Artikel, dass er zusätzlich noch die zwölf Sandsäcke erwerben wolle. Der Kassierer tippt etwas in seine Kasse und sagt, die Sandsäcke könne man sich dann auf dem Parkplatz selbst ins Auto laden. Der Kunde bezahlt, schnappt sich den Kassenzettel und fährt – ohne den Bon näher zu kontrollieren – zu den Sandsack-Paletten. Dort lädt er zwölf Säcke in sein Auto und will gerade losfahren, als der Marktleiter hinzukommt und um den Kassenbon bittet. Die böse Überraschung für den Kunden: Darauf standen nur zwei Säcke Sand. Der Marktleiter beschuldigt den Kunden daraufhin des Ladendiebstahls, ruft die Polizei und erstattet Anzeige.

Der Marktleiter mag überzogen auf den offensichtlichen Tippfehler des Kassierers reagiert haben und die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren umgehend ein. Doch auch den Kunden traf durchaus eine Mitschuld. Er hätte vor dem Verladen der Sandsäcke den Kassenbon überprüfen müssen. Denn auch wenn im Zeitalter elektronischer Kassensysteme eigentlich niemand mehr mit Problemen bei der Abrechnung rechnet, „ist eine Kontrolle des Kassenzettels nach wie vor sinnvoll“, betont Dunja Richter-Britsch, Juristin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Kassenzettel sofort kontrollieren - und nicht gleich wegwerfen

Sofort kontrollieren Das gilt auch für Supermarkt-Einkäufe: Mal funktioniert die Kassenwaage nicht richtig, mal werden vier statt drei Joghurts berechnet oder der Preis am Regal stimmt nicht mit dem Preis an der Kasse überein. „Lassen Sie sich nach dem Bezahlvorgang den Kassenbon aushändigen, prüfen Sie das Wechselgeld und anschließend noch im Laden den Bon“, rät die Verbraucherschützerin. „Bei Unstimmigkeiten sollte man sofort reklamieren, denn später ist die Beweisführung häufig schwierig.“

Nicht gleich wegwerfen Der Kassenbon wird oft ignoriert und landet mitunter direkt im Papierkorb. Dabei kommt ihm rechtlich gesehen eine große Bedeutung zu: Juristisch hat der Kassenzettel die Funktion des Kauf- und Bezahlnachweises. Hat der Kunde mehr bezahlt, als er gemusst hätte, kann der Abgleich von Waren und Kassenbon helfen. Umgekehrt lässt sich damit auch ein Diebstahlsverdacht aus der Welt schaffen: Hat der Verkäufer den Verdacht, der Kunde könne etwas gestohlen haben, kann dieser mithilfe des Kassenzettels nachweisen, was genau er bezahlt hat. Und nicht zuletzt ist ein Kassenzettel auch für die Steuererklärung als Kaufnachweis wichtig, wenn es sich um eine beruflich bedingte Anschaffung handelt, die etwa im Rahmen von Fahrt- oder Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden soll.

Umtauschen Der Kassenzettel ist auch dann notwendig, wenn man etwas Gekauftes wieder loswerden möchte: Ein Recht auf Umtausch, das viele Menschen als selbstverständlich betrachten, gibt es zwar nur im Online-Handel und nicht im stationären Einzelhandel. Hier gilt eigentlich der Grundsatz: Gekauft ist gekauft. Doch „viele Händler gewähren aus Kulanz einen Umtausch“, erklärt Christian Kotz, Rechtsanwalt aus Kreuztal bei Siegen. Viele große Handelsketten haben Umtauschrechte in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen festgeschrieben. Manchmal ist eine entsprechende Bestätigung auch schon auf dem Kassenbon aufgedruckt. Die meisten Händler, die einen Umtausch gewähren, geben ihren Kunden dafür zwei bis vier Wochen Zeit. Es gibt aber auch Unternehmen, bei denen der Umtausch unbenutzter Ware sogar ein Jahr ab dem Kaufdatum möglich ist.

Will man Produkte auf Grundlage der allgemeinen Geschäftsbedingungen umtauschen, sollte man natürlich als Kaufnachweis den Kassenzettel zur Hand haben. Nur in Ausnahmefällen gibt es auch ohne Bon Geld zurück – etwa, wenn es sich um Eigenmarken des jeweiligen Geschäfts handelt, die nur dort gekauft worden sein können. Das ist etwa bei den wöchentlichen Aktionsangeboten von Discountern wie Aldi oder Lidl der Fall. Auch hier gibt es aber keine rechtliche Verpflichtung für den Händler, die gekaufte Ware zurückzunehmen.

Reklamieren Aus einem Grund ist es ganz besonders wichtig, seinen Kassenzettel aufzubewahren. Denn den braucht man auch, wenn das gekaufte Produkt sich von vornherein als defekt erweisen sollte oder nach kurzer Zeit kaputt geht. In diesem Fall hilft Verbrauchern die gesetzliche Gewährleistungspflicht – sie dürfen das fehlerhafte Produkt innerhalb von zwei Jahren ab dem Kauf reklamieren. Juristisch betrachtet verlangt der Käufer dann vom Verkäufer die sogenannte Nacherfüllung. „Der Verkäufer kann die Ware reparieren oder austauschen“, erläutert Rechtsanwalt Kotz. „Schlägt die Nacherfüllung fehl, so kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern.“

Schützen Kassenbons sollte man am besten vor Licht geschützt an einem kühlen Platz aufbewahren. Anderenfalls könnten sie unter Umständen schon nach kurzer Zeit nicht mehr lesbar sein. Der Grund dafür ist, dass die meisten modernen Kassensysteme Thermodrucker verwenden. Hierbei ist das Papier mit der Chemikalie Bisphenol A beschichtet, die auf Wärme reagiert. Der Nachteil: Die Bons bleichen dann schnell aus – und sind mitunter gegen Ende der zweijährigen Gewährleistungsfrist nicht mehr lesbar. Auch die Angewohnheit, Kassenbons in Klarsichthüllen zu schieben und in einem Ordner abzuheften, ist eher kontraproduktiv. Der Grund: In den Hüllen sind Weichmacher, die mit dem Thermopapier reagieren und es schneller altern lassen. Auch Leder-Hüllen sind wegen der im Leder enthaltenen Gerbstoffe für das Aufbewahren von Kassenzetteln nicht geeignet, im Geldbeutel bleichen Kassenbons daher besonders schnell aus. Am besten bewahrt man Kassenbons in einem verschließbaren Karton auf. Bei besonders wichtigen Belegen sollte man auf Nummer sicher gehen und eine Kopie anfertigen.

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