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Ernährung

11.09.2019

Was ist eigentlich Bio-Mineralwasser?

Wann ein Mineralwasser das Prädikat Bio bekommt, ist gesetzlich gar nicht vorgeschrieben. Wer entscheidet es dann?
Bild: Roland Weihrauch, dpa (Symbolbild)

Bei Obst, Gemüse und Fleisch ist klar, was Bio heißt. Aber wann ist Wasser Bio? Um den Begriff und das zugehörige Zertifikat tobt ein Kampf.

Ein paar Tage ist es her, da stellte die Bissinger Molkerei Gropper ein neues Mineralwasser vor: Rieser Urwasser heißt es. Gewonnen wird es aus der Marienquelle, einer uralten Quelle, die Gropper auf dem Betriebsgelände entdeckt hatte. Das besondere an dem Mineralwasser: Es ist Bio-Wasser. Warum? Weil es besonders rein ist. Und diese Reinheit hat man sich mit dem Bio-Zertifikat bestätigen lassen. Das klingt erst einmal gut. Doch dann stellt sich die Frage: Was soll das eigentlich sein: Bio-Mineralwasser?

Ein gesetzliches Bio-Zertifikat für Mineralwasser gibt es nicht

Bei Nahrungsmitteln ist das ziemlich klar. Es gibt ein europäisches Siegel, das vorschreibt, welche Kriterien Bio-Lebensmittel einhalten müssen. Die Standards sind gesetzlich vorgeschrieben. Daneben gibt es mehrere Anbauverbände – zum Beispiel Demeter, Naturland oder Bioland. Landwirte, die diesen Verbänden angehören, erfüllen noch mal deutlich strengere Vorgaben, als jene, die das EU-Bio-Siegel vorschreibt. Doch allen Siegeln sind bestimmte Grundlagen gemein. Landwirte verzichten auf Pflanzenschutzmittel, düngen anders. Wie sich Bio-Landwirtschaft und konventionelle Landwirtschaft unterscheiden, scheint einigermaßen logisch: durch die Arbeitsweise der Landwirte. Aber bei Mineralwasser? Das kommt ja aus einem Brunnen. Die Quelle ist entweder da oder nicht, möchte man meinen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Eines stimmt aber: Weil Mineralwasser kein Produkt aus landwirtschaftlicher Erzeugung ist, gilt das EU-Bio-Siegel dafür nicht. Welche Stoffe in Mineral- und Trinkwasser enthalten sein dürfen, regelt die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung. Sie bestimmt, dass kein Wasser in Umlauf gebracht werden darf, das Stoffe in gesundheitsschädlichem Ausmaß enthält. Daneben gibt es für Mineralwasser noch Zusätze: Etwa Wasser, das für Babynahrung geeignet ist. Das muss dann strengere Grenzwerte einhalten. Und dann gibt es eben Bio-Zertifikate.

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Wann ist Mineralwasser dann Bio?

Eines kommt von der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser. Sie wurde von der Brauerei Neumarkter Lammsbräu ins Leben gerufen und hat inzwischen elf Mineralbrunnen nach ihren Kriterien zertifiziert – darunter auch jener der Molkerei Gropper. Mitglied der Qualitätsgemeinschaft sind auch die großen Bio-Anbauverbände, also Demeter, Bioland und Naturland.

Um das Bio-Siegel zu bekommen, müssen die Mineralbrunnen 48 verschiedene Kriterien erfüllen. Manche davon sind strengere Grenzwerte für Stoffe wie Nitrit, Arsen oder Fluorid. Dazu kommt, dass im Wasser keine Rückstände von Pestiziden, Kunststoffen und Süßstoffen enthalten sein dürfen. Dazu macht die staatliche Verordnung keine Vorgaben. Andere Regeln haben mit der Qualität des Wassers nichts zu tun. Da geht es dann zum Beispiel darum, dass die Mineralbrunnen-Betreiber sich dafür einsetzen, dass rund um ihren Brunnen der Anteil der Öko-Landwirtschaft steigt. Dass sie Maßnahmen zum Wasserschutz ergreifen oder soziale Arbeitsbedingungen bieten. Einmal im Jahr wird das alles kontrolliert.

Nun könnte man einwenden: Das Wasser aus der Bissinger Marienquelle ist mehrere tausend Jahre alt. Damals wurden noch gar keine Spritzmittel verwendet. Sie können sich also gar nicht im Wasser finden. Das stimmt auch. Die Aufgabe eines nach Bio-Mineralwasser-Regeln zertifizierten Brunnens ist es aber, dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt.

Zwei Institutionen vergeben Bio-Siegel für Wasser

Nun ist die Qualitätsgemeinschaft aber nicht die einzige Stelle, die Bio-Siegel für Mineralwasser vergibt. Auch das Hamburger Prüfinstitut SGS Fresenius zertifiziert Mineralbrunnen. Acht Mineralwasser haben die Hamburger schon bescheinigt, strengere Auflagen zu erfüllen, als die im Gesetz vorgeschriebenen. Anderes prüft Fresenius nicht. Und da ist bisher auch die einzig offizielle Voraussetzung dafür, dass ein Wasser sich Bio nennen darf. Das hat zumindest der Bundesgerichtshof 2012 so entschieden. Wie diese strengeren Auflagen aber aussehen, urteilten die Richter nicht. Und in diesem Graubereich tobt deshalb nun ein Kampf um die Bio-Wasser-Hoheit: Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser hat SGS Fresenius verklagt, sie würden das Bio-Zertifikat zu unrecht ausstellen. Das Landgericht Frankfurt hat die Klage weitgehend abgewiesen: Es gebe eben keine gesetzlichen Regeln, wann sich Wasser Bio nennen darf, sagten die Richter. Die Bayern haben dagegen Berufung eingelegt.

Für den Verbraucher ist das Wirrwarr unerfreulich. Er ist daran gewöhnt, mit der Entscheidung für Bio-Lebensmittel auch einen bestimmten Qualitätsstandards zu bekommen. Doch beim Mineralwasser kann noch jeder machen, was er möchte.

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